Tue Gutes und lass Dich gut dafür bezahlen

In dieser schweren Lage und bewegt von der Ansprache der Kanzlerin erinnerte sich Miguel seiner Christenpflicht. Denn heisst es nicht bei Mathäus, Kapitel 25, Vers 34, man solle die Kranken und Gefangenen besuchen und die Hungernden speisen?

Da er ist, der er ist, bedachte er auch sogleich, wieviel er dafür berechnen und wen er schicke könne. Abdallah rief er als ersten zu sich, den zart besaiteten Syrer, dann mich, den Leidgeprüften. Gleich fanden sich auch andere, denen Kurzarbeit und geschlossene Universitäten Zeit verschafft hatten, um Gutes zu tun. Sie wollten aber stattdessen lieber Geld verdienen.

Mich stoppte im letzten Augenblick jedoch mein Verantwortungsbewusstsein. Sollte ich wirklich meine Gesundheit und auch die Paulas riskieren, nur um schnödes Geld zu erwerben, das allein dazu diente, unser Beisammensein zu verlängern? Das wäre völlig verantwortungslos. So musste ich ihm leider absagen und ihm statt meiner die Hilfe Boas‘ anbieten, des Kleinen Bruders kleinem Bruder.

Mir bleibt also von diesem Unterfangen nur ein Foto der Küche der Pizzeria, auf dem alle Mitarbeiter Masken tragen, eine sehr spezielle Variante des Carnivale Veneziano. Das kann ich aus rechtlichen Gründen nicht posten. Daher hier ein anderes vom Waschraum:
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Miguels Wehklagen

Ich verdächtige mich, den Katalysator des Opel Corsa beschädigt zu haben. Da war dieses Mäuerchen, kaum knöchelhoch, das ich im Dunkeln übersah, als ich wendete. Danach liess er sich nur noch mit Gas starten. 

Um mich vor Miguels dauerhaftem Wehklagen zu schützen, berichtete ich ihm nichts davon. Vieles tue und unterlasse ich nämlich, um mich, meine Gefühle und meine Eitelkeit zu schützen. 

Sollte er mir aber darauf kommen und beschliessen, mich zu entlassen, beabsichtige ich, Paula gegenüber zu behaupten, ich hätte auf eine Gehaltserhöhung in Richtung des Mindestlohnes gedrängt und sei daraufhin gefeuert worden. Das ist durchaus glaubhaft, denn er ist ja nicht nur zimperlich, sondern auch geizig, der Spanier aus der alten Stadt Cadiz. 

Sie wird dann erstens glauben, ich hätte das getan, was sie längst wollte, und zweitens darauf drängen, dass ich eine andere besser bezahlte Stelle finde. Das wird sich als schwierig herausstellen. 

Vielleicht sollte ich mir allerdings wirklich eingestehen, dass ich im Dunkeln nicht mehr so gut sehe. Aber mir würden die Rigatoni fehlen – es sind die besten im Ort – und die Geschichten, die man am Tag danach erzählen kann. 

Schmutzige Geschäfte

Im Dunkeln navigierte ich den Corsa durch Panzerbach. Ich hatte sechs Partypizzen, Grösse 60 mal 40 Zentimeter, für einen Kegelverein im Kofferraum und eine Episode von “Schmutzige Geschäfte” im Ohr. 

Darin ging es um Täuschung und Betrug und die Frage, wer man wirklich ist, wenn man die Gelegenheit bekommt, es auch zu sein. Getäuscht und betrogen wurde ich jahrelang von Paula. Sie hat mir permanent weis gemacht, dass niemand ausser ihr jemals mit mir zusammen sein wollte. Das war damals natürlich falsch. 

Inzwischen stimmt es aber vielleicht. Denn jetzt bin ich so verdreht, dass mich wahrscheinlich wirklich niemand mögen kann. Miguels, dessen Gastronomen, Schwiegertochter zum Beispiel hat mir gerade erst wieder klar gemacht, dass ich ihr herzlich unsympathisch bin. 

Ich habe immer gehofft, jemanden zu finden, der selbst auch merkwürdig ist und mich deshalb so akzeptieren kann, wie ich bin. Das hat ja mal voll nicht geklappt. Mir bleibt die Frage, wie ich trotzdem glücklich werden kann. Oder wenigstens den Respekt vor mir selbst zurück gewinnen kann. Zu einer Beziehung jedenfalls fühle ich mich nicht mehr in der Lage. 

https://www.youtube.com/watch?v=phYpVz0dn5I

Beschränkt zu sein heisst glücklich zu sein

Wieso kenne ich keinen Garagentorantriebsinstallateur in Katzenbach, ja, überhaupt keinen in ganz Rockenhausen? Ganz unbegreiflich war das einem Kunden, der sich in Katzenbach und allen anderen Ecken von Rockenhausen sich trefflich auskannte, aber wohl niemals aus dem Donnersbergkreis heraus gekommen war.

So blickt jeder in die Welt hinaus wie durch die Schiessscharte eines Bunkers, der uns umso lieber ist, je dicker die Wände und je schmaler die Scharte ist.

Miguel etwa erzählte mir von seiner Absicht, den dahin geschiedenen Micra durch einen Roller zu ersetzen. Für jeden Hinweis auf die Kosten für Helm, Gepäckträger, Koffer und häufige Wartungen zeigte er sich unempfindlich.

Die elektrische Variante ist übrigens auch keine Lösung, denn die braucht zwar keine Wartung von Motor, Vergaser und Kupplung, hat jedoch höchstens eine Reichweite von 60 km, und der Akkumulator kann voraussichtlich auch nur 300-mal geladen werden.

Paula begegnet mir mit einer frisch erstellten Liste von Einnahmen und Ausgaben. Daran finden einige Punkte mein Missfallen. Das beginnt schon einmal damit, dass sie auf Papier daher kommt statt als Tabellenkalkulation. Dann ist zwar die Rede davon, dass sie sich einen Job sucht und ich ein Auto bekomme (ja, ja, ich weiss…), aber davon steht eben nichts in dieser Liste.

Und die hat nun einmal ganz klar den Charakter eines Vertrages, der den Status Quo festschreibt, eines Status Quo, in dem ich für Yoyodyne arbeite und jeden Monat 200 Ecu als Food Distribution Assistant dazu verdiene.