58. Dui – Das Heitere, der See

I Ging 58

Das Heitere. Gelingen. Günstig ist Beharrlichkeit.

Ich bin in der wahrscheinlich gefährlichsten Situation meiner Karriere, vielleicht sogar meines Lebens. Meine chinesischen Berater jedoch sind da extrem gelassen. Nicht von Panik sprechen sie mir und jenem beschleunigten taktischen Rückzug, den der militärische Laie Flucht nennt, nein, von Heiterkeit ist die Rede, aber auch von Beständigkeit und gar von Erfolg. Das überrascht mich.

Der Tzar hat mich heute auch schon überrascht. Er scharte uns zu einer jener Ansprachen um sich, die so euphemistisch „Communication Meeting“ heissen, als wären die Mitarbeiter darin mehr als Claqueurs. Er verspricht uns eine neue, auf Kernsortimente konzentrierte Strategie bei gleichzeitiger Prüfung aller Kostenstellen. Dazu warf er riesige Umsätze und Gewinne in den Raum, die die neuen Besitzer erreichen wollen.

Denn wir sind jetzt nicht mehr Teil der grossen, weltweiten Illinois Electro Door mit Sitz in Houston, Texas, sondern der Kern von Yoyodyne Drives, einer 100% Tochter von Yoyodyne Incorporated. Offensichtlich haben beide Unternehmen im Rahmen einer strategischen Neu-Ausrichtung, die je nach Einschätzung meiner Kollegen entweder auf dem Golfplatz oder während einer sexpositiven Drogen-Party statt gefunden hat, zweiundvierzig Privatschulen von der Corvae Corporation gekauft, einem der Marktführer im Bereich der privaten Bildung.

Um ihren Anteil an der neuen gemeinsamen Tochtergesellschaft Edison Carter zu bezahlen, hat die Illinois Electro Door sich dann ihrer wenig profitablen Interessen ausserhalb der verschiedenen Amerikas entledigt, indem sie die vom Tzaren geleiteten Unternehmungen an Yoyodyne entsorgt haben.

Da aus Kostengründen erst einmal nichts an Prospekten und Produkten geändert wird, bleibt uns Angestellten nur die Unsicherheit und dem Neandertaler die Arbeit. Er muss ausgerüstet mit einer entsprechden Schablone den neuen Namen des Unternehmens und das neue Logo an das Firmengebäude malen.

Ich gehe davon aus, dass ich zum Continuity Team gehöre, dass die Fortsetzung des bekannten Kundendienstes gewährleisten soll. Paula brauche ich davon nichts zu erzählen – ihr Gemütszustand pendelt jetzt schon zwischen Aggressivität und Verzweifelung.

Yoyo

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Es gibt keine Zukunft. Das ist sie.

Immer wieder frage ich mich, was aus diesem oder jenem beliebten Fernseh-Helden meiner Jugend geworden ist. Kermit der Frosch hat inzwischen ja seine Alkohol-Sucht erholt und ein Comeback gestartet. Aber was wurde zum Beispiel aus Max Headroom, der in den 80ern eine erfolgreiche Karriere begonnen hat, die ins Nichts lief?

Die üblichen Gründe können wir bei einem Avatar ja ausschliessen – computergenerierte Personen sind für Drogensucht, Prostituierte und gleichgeschlechtliche Neigungen nun einmal nicht zu haben. Das ist etwas, das sie Lindsay Lohan voraus haben.

Tatsächlich endete Max Headrooms Karriere an legalen Problemen. Seine Software war bei Amiga lizensiert, damals einem Mitbewerber von Microsoft. Als dieses Unternehmen in wirtschaftliche und damit auch bald in rechtliche Schwierigkeiten kam, wurde sie nicht mehr upgedated und am Ende als Teil der Abfindung Jim Collas zugesprochen.

Der setzte ihn noch kurz als Buchhaltungssoftware bei IdeaEdge Ventures ein und ersetzte ihn danach durch Lexware, da er dafür nicht geeignet war (und dazu neigte, sich über Jim Collas lustig zu machen).

Die Telekom, weiland noch T-Online, verwendete kurz danach noch eine revers-engineerte eigene Variante von Max Headroom für Werbezwecke. Robert T-Online wurde aber wenig später auf vier CDs gespeichert, die bei einem hausinternen Umzug von einem Praktikanten verlegt wurden und nie wieder auftauchten. Das setzte seiner Karriere dann auch ein abruptes Ende.