Gibt es wirklich ein Leben nach dem Abitur?

Traurig betrachte  ich den Lebenslauf von Maniacs Sohn. Es ist das trostlose Ergebnis eines einjährigen Kurses zur Vorbereitung auf die Zeit nach dem Abitur. Offensichtlich wurde er von jemandem, der gar keine Ahnung von Bewerbungen hatte, jemandem gehalten, der nicht an ein Leben nach dem Abitur glaubte.

Der junge Mann liess denn auch keinen Fehler aus, verzichtete auf alle graphischen Gestaltungsmöglichkeiten, gab eine email-Adresse an, die als Domain den Namen seines Vaters enthielt, nannte Hobbies, die keinen positiven Eindruck machten, um dann wieder den halben Lebenslauf seiner Eltern wieder zu geben.

Gewiss ist ein Pedigree ungefähr das zweite, nach dem ich schaute, wenn ich ein Pferd oder ein Rind für die Zucht kaufte. An einer Bewerbung interessiert mich jedoch nicht, ob einer des Stadttrunkenboldes Sprössling ist oder der eines Richters, sondern was dieser Geselle für das Unternehmen bringt.

Natürlich ist es heute kein Problem, einen Ausbildungsplatz zu finden. Aber ich sehe ihn weder als Glaser, noch als Fliesenleger und auch nicht als Soldaten, alles Berufe mit Zukunft. Bei Steuerberater und Bankangestellter bin ich im Hinblick auf die Perspektive nicht so optimistisch.

Finanzbeamter scheint mir übrigens besonders geeignet für Menschen mit eingeschränkten kognitiven Möglichkeiten und geringem Ehrgeiz.

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Das Land des schadhaften Lächelns

An dieser Stelle wollte ich eigentlich ausgiebig davon sprechen, wie ich das Nokia-Mobiltelefon einer rumänischen Kollegin konfiguriert hatte. Dabei hatten wir uns in Italienisch unterhalten, weil das eben die einzige Sprache war, die wir beide leidlich sprachen.

Doch warum übernehme ich solche Aufgaben? Tue ich es nur, weil ich es kann? Strebe ich nach Ruhm, Ehre und der Anerkennung, die sich in einer leicht angesengten Pizza Marinara ausdrückt? Oder übernehme ich gerne die Verantwortung für andere? An dieser Stelle muss ich mir eingestehen, dass Paula von mir abhängig ist.

Das gleiche gilt für Maniac. Als ich einen Tag länger in Maghrebinien war als geplant, zeigte er unseren Kompli… äh, Kollegen zufolge deutliche Zeichen von Stress und äusserte Furcht, ich könne mich angesichts meiner Schulden und des Zustandes meiner Beziehung absetzen wollen.

Als verböte sich der Gedanke nicht schon wegen des Mangels an Renten- und Krankenversicherung dort. Immerhin ist Maghrebinien nicht ohne Grund als das “Land des schadhaften Lächelns” bekannt, eine Beschreibung, die ihm Molwanien allerdings in den letzten Jahren streitig machte.

Auf eine Geschäftsreise in dieses Land hoffe ich noch. Da kann ich meine Motivation auch verstehen und darstellen.

http://www.molwanien.de

Existenz und Aufgabe von Check24

Eine Nachfrage bei der Auto-Versicherung nach einer nicht eingetroffenen Rechnung führte zu einer Neu-Belebung meines Gedächtnisses. Tatsächlich, wir hatten den Vertrag gekündigt. Dem mulmigen Gefühl, das sich einstellt, wenn man fast zwei Monate ohne Versicherungsschutz gefahren ist, begegnete ich mit Aktionismus.

Ich suchte also umgehend online eine neue Versicherung, da die alte an einer Wiederbelebung unseres Vertragsverhältnisses nicht wirklich interessiert war. Dabei unterstützte mich Paula in ihrer bekannt-freundlichen Art mit einer ganzen Fülle von Vorschlägen und vor allem Vorwürfen. Die ich fand höchst undankbarerweise aber wenig hilfreich, ganz im Gegensatz zu Check24.

Meine Lebensverhältnisse überfordern mich offensichtlich. Das sagt etwas über mich aus. Dass ich sie so lange ertrage allerdings auch. Vielleicht tue ich das aber einfach auch nur, weil ich mir nicht vorstellen kann, noch einmal eine Beziehung einzugehen, und nicht weiss, wie ich den Rest meines Lebens allein verbringen kann.

Meine nächste Aufgabe wird dann sein, Maniac die Existenz und Aufgabe von Check24 zu erklären.

Wie man ein Verlierer wird – für Anfänger

38° im Schatten. Die Sonne brät sich draussen auf dem Teer ein Spiegelei, die Kolleginnen spielen Quiz-Duell auf ihren Samsung-Mobiltelefonen, und Maniac lotst seinen Sprößling per Handy durch unsere Landeshauptstadt.

Rufus hat es geschafft, sich in dieser nicht eben grossen Stadt zu verlaufen. Sein Vater schiebt es auf eine Entwicklungshemmung, mich aber wundert nur, dass er das Problem nicht mit dem Navigationssystem seines HTC Wildfire selbst löst.

Ich weiss, warum ich zutiefst bedaure, dass es keine entsprechende App mehr für mein Nokia gibt. Schliesslich bin ich auch nicht immer sicher, wo ich bin, geschweige denn, wo ich hin soll. Dafür weiss ich nach all den Jahren fast immer, was ich tue. Also meistens; manchmal sogar, was ich statt dessen eigentlich tun sollte.

Bald werden sich dem jungen Mann noch ganze andere Probleme stellen. Denn so ihn die Pubertät endlich ereilt, werden Akne, eine Überproduktion von Sexual-Hormonen und – natürlich – romantische Liebe sie begleiten. Denkt jedoch ein Fräulein daran, ihn zu erhören, wird sich im gleichen Augenblick mit einem Puff und einem Regen aus violetten, minzfarbenen und pinken Sternchen ihre beste Freundin, ihr Vater, ihre Mutter, ihre Schwester oder alle zusammen auf dem Streifenteppich vor ihrem Bett materialisieren, um ihr klar zu machen, dass er – orientierungslos und sprachgestört – ein Versager ist, der ihrer nicht wert ist.

Findet er aber dann doch die Frau fürs Leben, ist es kein lustiges. Denn er hat ja nun schon einige Erfahrungen mit seiner eigenen Minderwertigkeit gemacht, während sie genau das ausnutzen wird, um ihn zu unterdrücken.

Denn wir, Menschen wie er und ich, bekommen nur dann eine Chance, wenn es in Wahrheit keine ist, wenn sich jemand neben uns grösser und überlegen darstellen will. Spätestens dann sind wir wirklich Verlierer.

Take it Easy, Be Heavy

Frühling ist es, die Nase juckt, und kleine Babykatzen trudeln reihum bei uns ein. Nr. 1 ist ein vier Wochen alter Tigerkater, der nur Angst davor hat, allein zu sein. Sonst springt er munter vom Nachttisch, geht wagemutig vom ersten Abend an allein aufs Katzenklo und frisst mangels Muttermilch einfach Katzenfutter. Der Plan ist natürlich, ihn und alle, die noch kommen werden, an irgendwen zu vermitteln. Ich aber, ich bin dieses sich jährlich wiederholenden Prozesses so überdrüssig. In seinen winzigen Knopfaugen sehe ich, wie wir unsere Probleme selbst verursacht haben. Denn fütterten wir nicht alle Streuner der Umgebung, wären sie längst weitergezogen, würden sie sich sonstwo fortpflanzen, sich sonstwo bei ihren Kämpfen verletzen, anderer Leute Katzen bei ihren Kämpfen verletzen, sonstwo ihre Krankheiten verbreiten.

Maniac lässt einmal mehr seinen Simca Lutece reparieren. Diesmal sind das Lüfter-Rad, das Rücklicht samt Kabelbaum und der Halter für den 25L-Motoröl-Kanister im Kofferraum auszutauschen. Langsam, ganz langsam nähert er sich dem Gedanken, dass dieses vorsintflutliche Vehikel einem Pensionär vielleicht angemessen sei, der jeden Donnerstag zu Aldi und jeden Sonntag zur Kirche fährt, ganz gewiss jedoch nicht einem Familienvater mit zwei permanenter Beförderung bedürfender Kinder. Allein die Kosten für das Öl sind im Monat höher als die für meinen Roller, der Benzinverbrauch dieses Autos war wesentlich für die Entwicklung der Fracking-Technologie und hat viel zu seiner finanziellen Situation beigetragen. Und doch zögert er, zögert vor allem seine Frau, sich davon zu trennen, handelt es sich bei diesem verformten Stück Altmetall doch aus ihrem emotional verfremdeten Blickwinkel um einen Familienangehörigen.

Gibt es vielleicht wirklich nur zwei Arten Menschen? Und in diesem Fall meine ich nicht die, die mich nicht kennen und mich daher nicht anrufen, und jene, die mich kennen und mich folgerichtig ebenfalls nicht anrufen. Nein, ich meine ganz allgemein die Menschen, die nach Glück streben, und jene, die ihre Befriedigung im Drama finden, in ihrem eigenen Leid. Die letztere Sorte ist dann wohl die, die mit einem Partner zusammenbleibt, den sie nicht liebt, immer nur von ihren Krankheiten spricht, Fake-Reality-Shows im Fernsehen schaut, streunende Katzen füttert und/oder im Extremfall sogar einen Simca Lutece fährt, alles aber immer in einem Übermass tut, das schaden muss. Take it easy, be heavy.