Schmollmund

Lisa-Lena-Marie heisst übrigens Schmollmund mit Nachnamen. Dem Kenner der Verhältnisse in Panzerbach sagt das, dass das ihre Familie zugezogen ist. Denn oben auf dem Hügel, auf der falschen Seite von Panzerbach hiessen die Leute seit Alters her Hauser, Ackermann und seit 1814 Déserté-Lacroix. 

Ihre Eltern übrigens verfielen bei der Benamung ihrer Kinder vom einen Extrem ins andere. Denn so ultra-konventionell sie ihre älteste Tochter tauften, so kreativ wurden sie bei den anderen Kindern. Ich kenne jetzt schon die Zwillinge Lucius Domitius Ahenobarbus Schmollmund und Julia Agrippina Schmollmund und den kleinen Titus Andronicus Schmollmund. Mir fehlen jetzt noch geschätzte zwei Kinder. Ich bin gespannt. 

Wovon Architekten alpträumen

Des Kleinen Bruders kleiner Bruder, den, der mit Lisa-Lena-Marie schläft, wollen wir in diesem Blog fürderhin Nathanael nennen. Das wird seine Auftritte hier etwas einfacher für uns alle gestalten. 

Die vielköpfige Sippe seiner Angebeteten residiert auf der falschen Seite der Hauptstrasse von Alt-Panzerbach. Diese Einteilung wurzelt tief in einer Vergangenheit, in der die richtige Seite die mit den grösseren Parzellen fruchtbaren Ackerlandes war. 

Wer nun aber kein “Land an de Föss” hatte, hockte oben auf dem Berg in einem kleinen Haus mit einem Ziegenstall und einem Werkzeugschuppen. Seine Nachfahren vereinigten alle drei Baulichkeiten dann zu einem Wohngebäude für ihre eigene zahlreichere Nachkommenschaft. 

Es dauerte bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, bis der Dorfpfarrer nicht mehr regelmässig über Leviticus Kapitel 18, Verse 15 bis 18, predigen musste. https://www.uibk.ac.at/theol/leseraum/bibel/lev18.html

Die Bekanntschaft des jungen Mannes verschaffte mir die Gelegenheit, in eines dieser Häuser hineinzuschauen. Jetzt weiss ich, wovon Architekten alpträumen. Grosse Räume mit hochflorigen Teppichböden und wechselndem Bodenniveau, darin eine Küche, ein Bad, in einem Wohnzimmer noch eine Toilette, eine Keramikinsel in grünem Plüsch, ein Durchgang zu einem Anbau, drei Stufen hinunter, 160 hoch, 60 cm breit. 

Seinem Vermieter gehören einige davon, die er üblicherweise um 30.000 Ecu erwirbt, mit bescheidenem Einsatz von Mitteln und Material renoviert und vermietet. Ich sollte mich vielleicht mit ihm gut stellen. 

Kein Wohnklo

Ich besuchte des Kleinen Bruders kleinen Bruder, den, der mit Lena-Lisa-Marie schläft, in seiner neuen Wohnung. Die hat für ihn vor allem den Vorteil verkehrsgünstig gelegen zu sein, nämlich näher zu seiner Ausbildungsstelle und Lena-Lisa-Marie. 

Sonst aber ist sie in jeder Weise für ihn ungeeignet. Sie ist zu teuer und zu gross, mit Renovierungsbedarf und P43-Möbeln vom Vorbesitzer, Das Ganze ist auf zwei Etagen verteilt, damit es auch schön unpraktisch ist. Küche, Ess- und Wohnzimmer sind unten, Schlafzimmer, Bad und Abstellkammer oben. 

Die Kammer war wohl einmal ein Kinderzimmer gewesen. Seine Freundin hatte sie schon als begehbaren Kleiderschrank vorgesehen. In München würde darin jemand wohnen, in San Francisco sogar zwei, einer von 6:00 bis 18:00 Uhr und der andere von 18:00 bis 6:00 Uhr. 

Mich erinnerte sie an ein möbliertes Zimmer, das ich einmal vor dreissig Jahren hatte. Heute wäre es mir zu klein. Mein Körper braucht ein wenig mehr Platz als damals, meine Seele einiges mehr. Immerhin haben solche Wohnklos den Vorteil, schnell gesäubert zu sein. Mit dieser Aufgabe ist er in seiner zu grossen Wohnung gerade überfordert. 

Der Vater ungezeugter Kinder

Ich betrachte mein Profil bei Xing. Es stellt eine Karriere dar, die vom Verkaufsleiter über den Kundenbetreuer bis zu meiner jetzigen Position abwärts verläuft. Die einzige mögliche Folgerung ist, meine aktuelle Stellung mit einem poetischeren Begriff glänzender zu umschreiben.

Gewiss, die Aussichten, dass ich in meinem Alter dieses Profil noch einmal brauchen werde, um einen weiteren Arbeitgeber zu beeindrucken, sind gering. Aber sicher ist nun einmal sicher und Vorsicht sowohl die Mutter der Porzellankiste als auch der Vater ungezeugter Kinder.  

Ich war eigentlich eh nur auf dieser Internetseite, um mit einem Marokkaner darüber zu diskutieren, ob er sich auf meine alte Stelle bewerben solle. Jedoch hatte mich auch des Kleinen Bruders kleiner Bruder, einer von denen, die nicht mit Lisa-Lena-Marie schlafen, gebeten, bei Elvira nachzuhaken, ob ihr Arbeitgeber, ein als Aktiengesellschaft organisiertes Drogenlabor, nicht Auszubildende suche.

Zwar werden für manche Berufe händeringend Kandidaten gesucht, aber gleichzeitig drängen sich viele der begabteren Exemplare um wenige Stellen in ganz bestimmten anderen Berufen, etwa im Bereich Controlling. Denn – so scheint es wenigstens mir – je weniger Berührung ein Metier mit Kunden bietet, desto erstrebenswerter scheint es vielen.

In diesem Sinne ist der optimale Arbeitgeber ein Online-Shop. der statt eines Kundendienstes ein Forum hat, in dem sich Kunden gegenseitig beraten. Der braucht nur einen gerissenen Steuerberater, ein Team von Programmierern und ein paar Schwergewichts-Anwälte für die Drecksarbeit.

Aber. meine Damen, meine Herren, liebe Freunde, genauso ein Shop kann auch in Shenzhen, Singapore oder Quezon City sein. Da schaut Ihr dann in die Röhre. Oder was auch immer in den Tagen röhrenloser Fernseher das aktuelle Synonym dafür ist, dass  ein genialer Plan eine Null-Nummer ist.

Ich vertrat in der Vergangenheit wie viele andere auch die Idee, dass Kasachstan vom Aufstieg Chinas profitieren würde. Wahrscheinlich wird das auch der Fall sein. Aber was, wenn irgendein Marschall Wong auf die Karte schaut und feststellt, dass sich dieses Land, das vor allem Ebene ist, sich doch ganz trefflich eignet, um mit Schlachtflugzeugen und einer Panzerarmee den Russen zu zeigen, was eine Harke ist?

Sibirien hat nämlich viele schöne Orte… und Gold, Öl, Erdgas, Holz, Chromit, Fisch, Uran, Salz, Bauxit, Eisenerz, Wasserkraftwerke und Platz für viele, viele Menschen. Das sind alles Dinge, die China braucht. Wenn aber einer etwas dringend braucht und ein anderer es herum liegen hat, ist Raub die traditionelle Lösung. Unter Staaten heisst man das dann Krieg, und es gibt Orden für einige und Gräber für viele.

Ich zitier an dieser Stelle mal den amerikanischen Philisophen John Wayne:

„Wir haben nichts falsch gemacht, als wir ihnen dieses großartige Land weggenommen haben. Dieser sogenannte Diebstahl war nichts anderes als eine Frage des Überlebens. Es gab eine große Zahl von Menschen, die neues Land brauchten, und die Indianer versuchten, es aus selbstsüchtigen Gründen für sich zu behalten.“

Wenn ich alter Sack aber in zwei verschiedenen Richtungen denken kann, dann sollte es Euch jungen Menschen auch einfallen. Sonst sieht Euer Xing-Profil eines Tages genauso deprimierend aus wie das meine heute.