La peur est la soeur de la stupidité

Schnee fällt leise auf die Strasse, die schon weiss ist. Es ist definitiv kein Wetter, um mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. Ich nehme also den Motorroller. Spätestens nachdem ich ihn den Berg hinauf zur Bundesstrasse geschoben habe, kommen mir Zweifel an meinem gesunden Menschenverstand. Dann aber fällt mir ein, dass ich so etwas ja gar nicht habe.

Also fahre ich wie Valentino Rossi los, nur viel, viel langsamer. Und viel, viel, viel vorsichtiger. An manchen Stellen erreiche ich 40 Stundenkilometer, auf jeden Fall aber erreiche ich, dass eine Menge Autofahrer hinter mir vor Wut ins Lenkrad beissen. Untermalt mein Handeln vielleicht gar eine Radio-Meldung, die einen Stau anzeigt, ausgelöst von einem Irren auf einem silbernen Roller?

Ich höre nichts, ich sehe nichts, nichts anderes als die Strasse vor mir. Jeder Kreisel ist eine Herausforderung, die Brücke ein Wagnis, die Dorfstrasse ein Abenteuer. Als ich einmal anhalte, tue ich es aus Vorsicht, gleich jedoch meine Dummheit bestätigend an einer besonders engen Stelle der Strasse. Der Linienbus weist mich darauf hin.

Ich rutsche nach rechts vom Sattel herunter und halte die Maschine schief, damit er mich nicht streift. Ich habe meinen Eigenanteil für die letzte Fahrt im Krankenwagen noch nicht bezahlt. Langsam geht das ins Geld.

Ich frage mich, wie ich die Strasse “Kein Winterdienst Nr. 10” schaffen soll, die nicht ohne Grund so heisst. Sie ist dann aber die einzige, auf der kein Schnee liegt. Ich denke an das abgefahrene Ticket der RPR in Paris, das ich noch in der Tasche habe und denke an einen alten französischen Film. Den Parkplatz überquere ich mein Fahrzeug schiebend.

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Das Ende der Zeit steht bevor

Ich habe untrügliche Anzeichen dafür gefunden, dass das Ende der Zeit bevorsteht. Da ist der Klimawandel, da gibt es seuchenartige Ausbrüche von Dummheit in den am Besten mit Schulbildung und Internet-Zugang versehenen Gegenden der Welt (siehe: Impf-Gegner, siehe: Donald Trump) und Veränderungen des Magnetfeldes der Erde und ihrer Umlaufbahn um die Sonne.

Das untrüglichste Zeichen der anstehenden Apokalypse aber war eine sofort erreichbare Aussenstelle der Rentenversicherung Bund mit freundlicher Mitarbeiterin, die meinen Anruf an eine andere, ebenfalls freundlichen Kollegin vermittelte. Deren Mangel an Zuständigkeit aber befriedigte meine Erwartungen nun wieder. Aber der Rückruf, den sie versprach, erfolgte umgehend und beantwortete meine Fragen.

Das ist jetzt natürlich sehr schade. Denn ihre Antworten brachten mich zwar einen Schritt weiter, hin zu meinem hehren Ziel, der Erfüllung meines Strebens und Mühens, dem Tag, an dem Paula ihre Rente zu kassiert und ich einmal im Leben vorübergehend Geld habe, waren mir aber zugleich Boten des anstehenden Weltendes. Denn nichts anderes kann eine Bürokratie von Umfang und Mitarbeiterzahl der Deutschen Rentenversicherung sein, die kundenorientiert und schnell arbeitet. Und gar ein Guthaben auf meinem Konto!

Immerhin muss ich jetzt die Krankenkasse und die Personalverwaltung der Anstalt anschreiben. Zumindest die Inkompetenz dieser letzteren Einrichtung sollte nun hinderlich sein. Es gibt also noch Hoffnung. Ein wenig.

Nix Krankengeld, Alda

Bei meiner Bewertung des Zeichens 58 – Dui des I Ging vergass ich, dass es auch auf die zeitliche Begrenzung dieses Zustandes der Heiterkeit hinweist. Das ist ein wichtiger Hinweis, liest man das ungefähr 4te Gutachten zu Paulas Gesundheitszustand, das ihr einmal mehr die Aufnahme einer vorzugsweise bezahlten Tätigkeit nahelegt.

Dazu bedient sich der Autor gerne des Hinweises, sie sei gesundheitlich in der Lage, eine körperlich leichte Tätigkeit ohne Kundenverkehr in einem geheizten Raum aus zu üben. Die Rentenversicherung wird sich dadurch wahrscheinlich berufen fühlen, ihr keine Erwerbsunfähigkeitsrente auszuzahlen. Diese Gesellen neigen zu einer gewissen Kleinlichkeit in diesen Dingen.

Ich nutzte diese Gelegenheit, um Paula eine Reihe von Tätigkeiten vorzuschlagen, die sie in meiner beschränkten Vorstellung ausüben könnte. Das ging von Counter Manager in einer Pizza-Bude über Call Center Agent bis zur Demenzbetreuerin. Doch jedem Vorschlag begegnete sie mit Hinweisen auf ihre diversen Krankheiten, um so darzustellen, wie völlig unmöglich a) ihr die Ausübung dieser Tätigkeit und b) ich überhaupt sei.

Ich mache eine solche Phase bei ihr jetzt zum dritten Mal durch. Beim ersten Mal liess sie sich noch für eine Umschulung, beim zweiten Mal wenigstens noch für eine Weiterbildung gewinnen, nun aber für gar nichts mehr. Ich bin jetzt nicht sicher, wie ich mit der Situation umgehend soll. Mein Sortiment an im Rahmen der Sozialisation erworbenen Instrumenten für eine Problemlösung ist hier völlig unzureichend.