Köln 55322

Cologne_Dean Gulstad_2006

Ich bin hoffnungslos überfordert, seit ich weiss, dass es drei Köln gibt. Dabei handelt es sich nicht etwa um eine Neu-Aufteilung der bekannten Millionenstadt am Rhein mit dem mächtigen Dom im gotischen bis neugotischen Stil. Der Bau hat bekanntermassen von der einen bis zur anderen Stilperiode glatte 800 Jahre gedauert.

Ausser dieser Grossstadt gibt es aber noch Neu-Kölln, eine inzwischen in Berlin aufgegangene Stadt, die mit der mittelalterlichen Verfassung Kölns als Betriebsanleitung gegründet wurde, und Cologne, einen Flecken in Minnesota, den ausgewanderte Rheinländer und Rheinland-Pfälzer gründeten. Die Postleitzahl dieses Ortes benutze ich stets, wenn das Internet sich anstellt und nur für US-Amerikaner da sein will.

Es gibt über diesen kleinen Ort hinaus soviel Deutsches, ohne die die amerikanische Gesellschaft, wie wir sie kennen, undenkbar ist. Da ist Luther, der Reformator, da sind die Psychoanalyse, der Hamburger, das Auto und die Maschinenpistole. Wieviel unsere Ahnen der Menschheit gegeben haben, und wie sehr wir doch herunter gekommen sind! Selbst die Prostituierten und Drogenhändler in Köln sind heute Zuwanderer.

Das Foto wurde 2006 von Dean Gulstad aufgenommen.

Lothar Matthäus als Stadt

https://www.vice.com/de/article/der-vice-guide-zum-uberleben-in-koln

Lea Albring

24.01.2017

Köln ist hässlich und ein bisschen billig, aber die Kölner sind stolz auf ihre Stadt. Wer hier überleben will, muss die Kölner mit ihren eigenen Waffen schlagen.

„Köln ist so etwas wie Lothar Matthäus als Stadt“, hat ein schlauer Mensch gesagt. Die Stadt ist völlig von sich selbst überzeugt. Und das, obwohl es objektiv nicht viele Gründe dafür gibt. Köln ist vieles – hässlich, chaotisch, provinziell –, aber keine Schönheit, und schon gar keine Weltstadt.

Und trotzdem: Die Kölner lieben es. Sie sind völlig unangemessen viel zu stolz auf ihre Stadt und tun das auch ständig kund – so wie allen anderen Scheiß, der sie gerade umtreibt.

Wenn du also eher so der reservierte Typ bist, gerne in Schwarz rumläufst und wahlweise in der Gothic-Szene oder Galerien abhängst: Zieh nicht nach Köln. Lass es einfach sein. Zieh nach Düsseldorf, Kaufbeuren oder Bad Sassendorf. … 

Ziehst du nach Köln, ziehst du freiwillig ins Småland – in ein neverending Småland.

Jetzt habe ich so etwas wie Heimweh. Und Köln ist nicht „ein bisschen billig“. Wenn es billig wäre, wäre es nämlich so etwas wie welt-billig. Nichts geringeres ist von der Stadt zu erwarten, die der Nabel des Universums ist.

Leute, kauft Kämme, die Zeiten werden haarig!

Langsam änderte sich die Welt, so langsam, dass es manchmal schien, sie würde es gar nicht tun, folge unseren Wünschen nach einer sanften Ruhe und Stabilität, die uns nicht überforderte. Das ist vorbei. Die Zeiten werden rauer, weil die Veränderung drastisch schneller wird. Das uns das alle überfordert, ist natürlich. Dass wir uns aufs heftigste beschweren und die Wiederherstellung des Status Quo fordern einschliesslich der Ausweisung aller Flüchtlinge und en passant jedes anderen, der Wellen in unserem Tümpel macht, auch.

Immerhin sind die ja in den Massstäben unserer Kultur wirklich in ihrer Mehrheit (noch) unwissende Barbaren. Manche sind darüber hinaus zweifelsfrei auch Schurken, ausgemachte Haderlumpen, wie die Südstaatler sagen. Allesamt aber sind von einer Sackgasse in eine andere geraten, von einem Kriegsgebiet ohne Chancen in eine Gesellschaft, die schon vielen Einwanderern aus Nordafrika und Vorderasien keine Chancen bot, die vor ihnen kamen, und an der Integration sovieler mit einer gewissen Zwangsläufigkeit scheitern muss.

Um Deutschland herum zerbröselt die Europäische Gemeinschaft zu einer Wirtschaftsförderation, die wahrscheinlich am Ende am Ehesten der Hanse des Mittelalters ähneln wird mit dem Euro als moderner Lübischer Mark. Von der kulturellen und politischen Gemeinschaft, die sich die Europäer nach dem Zweiten Weltkrieg erträumten, ist nach der Wirtschaftskrise von 2008 und der Flüchtlingskrise von 2015 nichts geblieben. Die Briten möchten gleich ganz aussteigen, Polen, Ungarn, Tschechen, ja selbst die Franzosen entdecken den Reiz des Nationalstaates wieder.

Die Wirtschaft der westlichen Staaten lebt schon lange von niedrigen Zinsen und niedrigen Ölpreisen und nicht mehr von dem, was sie leistet, was sie produziert und umschlägt. Und ja, ich weiss, dass ich hier an manchen Stellen von Deutschland spreche, an manchen von Europa und dann wieder von den westlichen Staaten inclusive der USA, Kanadas und Australiens als einer Einheit. Diese Dinge sind heute nicht mehr so einfach auseinander zu addieren, und auch das überfordert manchen.

Papas kleinem Prinzesschen, das Abitur mit den Leistungsfächern Musik und Sport macht und danach Medizinische Dokumentations-Assistentin auf Bachelor an der Universität Brücken-Hackpfüffel studiert, traue ich nicht recht zu, sich in diesen Zeiten zu behaupten. Da werde ich nicht einmal überrascht sein, wenn sie irgendwann die sofortige Aufhebung der Gleichberechtigung zu Lasten ihrer Männer fordern, die in Zukunft wieder ein adäquates Einkommen zu erwirtschaften und sich im Übrigen um alles zu kümmern haben.

Es könnte aber sein, dass ich vielleicht in dieser Beziehung ein ganz klein wenig voreingenommen bin, obwohl Paula wohl kaum weiss, wo Brücken-Hackpfüffel ist, und kein Pink trägt.

Hier einige Links zum ergänzenden Lesen:

http://www.n-tv.de/ratgeber/Gibt-es-den-grossen-Knall-article16707906.html
http://www.n-tv.de/politik/Koelner-Polizist-schildert-das-Chaos-article16715056.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCcken-Hackpf%C3%BCffel
http://www.emma.de/artikel/die-cinderella-industrie-265862
https://wordpress.com/read/post/feed/43823/900588567