Miguels Wehklagen

Ich verdächtige mich, den Katalysator des Opel Corsa beschädigt zu haben. Da war dieses Mäuerchen, kaum knöchelhoch, das ich im Dunkeln übersah, als ich wendete. Danach liess er sich nur noch mit Gas starten. 

Um mich vor Miguels dauerhaftem Wehklagen zu schützen, berichtete ich ihm nichts davon. Vieles tue und unterlasse ich nämlich, um mich, meine Gefühle und meine Eitelkeit zu schützen. 

Sollte er mir aber darauf kommen und beschliessen, mich zu entlassen, beabsichtige ich, Paula gegenüber zu behaupten, ich hätte auf eine Gehaltserhöhung in Richtung des Mindestlohnes gedrängt und sei daraufhin gefeuert worden. Das ist durchaus glaubhaft, denn er ist ja nicht nur zimperlich, sondern auch geizig, der Spanier aus der alten Stadt Cadiz. 

Sie wird dann erstens glauben, ich hätte das getan, was sie längst wollte, und zweitens darauf drängen, dass ich eine andere besser bezahlte Stelle finde. Das wird sich als schwierig herausstellen. 

Vielleicht sollte ich mir allerdings wirklich eingestehen, dass ich im Dunkeln nicht mehr so gut sehe. Aber mir würden die Rigatoni fehlen – es sind die besten im Ort – und die Geschichten, die man am Tag danach erzählen kann. 

Der Platz des Homo Erectus in der Gesellschaft des 21sten Jahrhunderts

Es ist eine Beobachtung, die in der humanen wie technologischen Evolution zu machen ist, dass etwas, das gestern noch gut war, heute schon längst nicht mehr ausreicht.

So genügte zu meines Vaters Tagen der Abschluss der achtjährigen Volksschule für eine Laufbahn als technischer Angestellter und schliesslich die Graduierung zum Ingenieur. Heute aber qualifizieren acht Schuljahre nicht mal mehr zum Strassenkehrer.

Auch die Fähigkeit zum aufrechten Gang war alleine einmal revolutionär und befähigt, sofern man sonst nicht weiter begabt ist, dieser Tage doch alleine noch zum Beruf des Zweiradmechanikers. Der jüngere Lenoir bedurfte zweier Wochen und meines ernsten Zuspruchs, um den Auspuff an La Mosca, der Viergetakteten, zu wechseln.

Allzu unwahrscheinlich schien ihm ein Defekt an diesem Bauteil, das sonst alleine bei Zweitakt-Rollern mit einer seinen Broterwerb sichernden Häufigkeit dahin scheidet. Jedoch könnte es sein, dass der Katalysator, der den Fortbestand des Planeten sichern soll, beim letzten Unfall beschädigt oder bei irgendeiner Begebenheit im Vorleben des Rollers angeknackst wurde.

Keramik ist nun einmal zerbrechlich. Davon leben nicht alleine die Herren von Boch-Galhau, der zweite Namensteil ist französisch zu prononzieren, und die Rosenthals, sondern auch die Verfertiger keramischer Wabenkörper, die in Auspuffen verbaut werden.

In besseren Kreisen, die lieber zwei- als eindeutig sind, spricht man übrigens von Ausbordellen. Das ist ganz ähnlich wie die Gepflogenheit ihrer englischen und amerikanischen Pendants, die Tätigkeit ihrer sklavenhandelnden Vorfahren als “forcierte Arbeitsmigration” zu beschreiben.

Hätte ich selbst sicher gewusst, dass es der Auspuff war, hätte ich ihn unter Zuhilfenahme meines neuen Schraubenschlüsselsatzes und seines Stifters, des Kleinen Bruders, in einer Stunde selbst gewechselt.