Und wäre er schwarz wie Ebenholz

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Paul, Margot, Die Gefangenen der Apachen, Leipzig, 1858

http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-gefangenen-der-apachen-erster-band-7866/1

“Die Gefangenen der Apachen” ist ein von Gerstäcker und Ferry beeinflusster Western-Roman, in dem es in überraschendem Umfang um die Rassen-Frage geht.

Jean ist Mulatte und Schurke, Bob schwarz wie die Nacht, aber gut, tapfer und ein ausgezeichneter Schütze, Tojolah ist Apachin mit mexikanischer Mutter, Marie sieht weiss aus, fällt aber bei der One-Drop-Rule ebenfalls durch.

Über das Lenkrad meines Opel Corsa hinweg fragte ich mich, wie mein Kampagnencharakter in Torg: Eternity aussehen würde. Im Radio läuft ein One Shot-Podcast, das dieses RPG darstellt, vor meinem Kleinwagen fährt ein fetter Kerl auf einer Motowell Gamini.

Beide Produkte scheinen gar nicht so übel zu sein, das Spiel interessant, der Roller recht robust, betrachtet man das Gewicht, das er befördert. 

Ich würde meine Figur nach einem Helden der deutschen Pulp-Literatur modellieren. Entsprechend wäre er in den ledernen Hosen und dem Hemd des “Westmannes” gekleidet, eine MIschung aus Kleidungsstücken der Weissen und Amerindianer Ende des 19. Jahrhunderts.

Die gewaltige Faust, die er so gerne gegen die Schläfen unerfreulicher Mitmenschen schlug, sei nun ein bionisches Ersatzteil mit der Möglichkeit, über die Verwendung als Schlagwerkzeug hinweg im Ernstfall auch elektromagnetische Störfelder zu produzieren und mit Datensystemen zu interagieren, um zum Beispiel Viren einzuschleusen.

Dies Werkzeug sei ein Präsent der Cyberpapacy, deren loyaler Anhänger er gewesen ist, bevor er ein Storm Knight wurde. Von Zeit zu Zeit übernimmt seine Konditionierung die Kontrolle über ihn. Als konventionellere Waffen führe er ein Henry-Gewehr Modell 1866 mit Explosiv- und Gaspatronen und einen Chamelot-Delvigne-Revolver im Kaliber .44 Russian. Seine Treffsicherheit mit diesen Waffen verbessert ein bionisches Auge, das auch in den Ultraviolett- und Infrarot-Bereich schauen kann. Und sein Name sei Charley.

Schiene er D’Amato und seinen zu Tisch sitzenden Mit-Amerikanern merkwürdig? Wahrscheinlich nicht merkwürdiger als ich selbst. Sie würden es wahrscheinlich damit erklären, dass wir beide recht deutsch sind. Es geht ja nichts über ein gepflegtes Vorurteil.

An dieser Stelle meiner Gedankenreise bog das Moppelchen vor mir in eine Einbahnstrasse ein. Das Verkehrsschild zeigte in meine Richtung. Ob seine Gamini so stabil ist wie La Mosca? 

http://oneshotpodcast.com/podcasts/one-shot/196-torg-eternity-part-1/http://www.motowell.de/DE/gamini.htm

Zaster für die Laster

Für eine lange Zeit glichen unsere Vermögensverhältnisse eine jener Auseinandersetzungen wie sie Karl May am Anfang seiner Karriere so anschaulich schilderte.

Da greifen die Beteiligten im flackendern Fackellicht den Lauf ihrer Vorderladergewehrs, um sich gegenseitig den Kolben über den Schädel zu ziehen, stechen und hauen mit jenem nordamerikanischen Messer, das kaum kürzer ist als ein Kurzschwert, schwingen das Tomahawk und den indianischen Streitkolben. Das Geräusch brechender Knochen und reissender Haut und die Schreie der Verwundeten und Sterbenden untermalen diese Auseinandersetzung akustisch.

Nun aber sehen wir einer drastischen Verbesserung dieser ökonomischen Verhältnisse entgegen. Denn rückwirkend zum 1. Dezember 2012 wird Paula endlich eine Renten erhalten. Über die Höhe der zu erwartenden Nachzahlung und ihre Verwendung gibt es natürlich verschiedene Ansichten.

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Ich hoffe auf genug Bares, um mir neue Hosen, Schuhe und für mein Smartphone  einen Bumper mit dem Wappen der Silas Universität zu kaufen, Paula denkt da grösser, spricht von Heizöl, von stattlichen Mengen Katzenfutter und neuen Autoreifen, ja sogar von einem gebrauchten Kleinwagen für mich. .

Zeitgleich hat sie aber schon wieder begonnen, mir lauthals meine Defizite zu erklären. Nichts beflügelt das Selbstbewusstsein so wie die Aussicht auf ein eigenes Einkommen.

Ich hatte mich schon ein wenig darauf gerichtet, das Haus zu verlieren und ohne Paula und die schätzungsweise zehn Katzen an anderer Stelle neu zu beginnen. Tatsächlich hatte ich mich schon darauf gefreut und muss nun mit einem gewissen Mass an Frustration umgehen.

 

Blauer Dunst und Schwarzes Pulver

“Er stürmte voran und wir folgten. Wer seine Waffe abgeschossen hatte, nahm aus dem geborgenen Vorrathe eine oder mehrere frisch geladene auf. Ein schmaler Pfad war von Außen um den Saum der Lichtung ausgehauen. Seine Mündung wurde am Bache durch einige Büsche verdeckt. Wir drangen hindurch, stiegen in das Wasser und standen einige Augenblicke später an dem unbewachten Eingange zum storm-gap.”

Es ist eine Eigenheit von Karl Mays Wildem Westen, dass ausser dem Helden quasi niemand einen Hinterlader führt. Denn sonst würden die weissen Jäger, die zur Gesellschaft der “Both Shatters” gehören, nicht nach einer frisch geladenen Waffe greifen, sondern ihre Sharps-Büchse, ihre 50er Springfield oder ein importiertes Snider-Enfield-, Dreyse- oder Chassepot-Gewehr einfach mit einer Papier- oder Metallpatrone nachladen, um ihren roten Mitmenschen, die hier “Kupfermänner” heissen, das Lebenslicht auszublasen.

Überhaupt ist ihm auch die Massenfertigung von Mordwerkzeugen sonderbar unbekannt. Er erwirbt das für das Reisen und Morden in den “Dark and Bloody Grounds” notwendige Werkzeug beim namhaften Büchsenmacher Jake Hawkins in St. Louis, der ihm ausser seinem Karabiner auch gleich zwei Revolver gebaut hat, mit denen er aber nichts anzufangen weiss. Im Nahkampf wären sie ihm sonst nützlicher als eine Streitaxt indianischer Machart.

»Jetzt, Sir, die Büchse auf. Ihr nehmt den Ersten dort, ich den Zweiten und Sam Thin den Dritten, dann das Beil heraus und drauf! Ihr habt doch einen Tomahawk da unter dem Rocke?« »Habe einen und zwei Schüsse in der Büchse; ich nehme also den Ersten und Vierten!«

In diesem Frühwerk Mays sind Armierung und Umgang mit dem Nächsten anderer Farbe noch so, wie er es aus Gabriel Ferrys Roman “Le Coureur de Bois” gelernt hatte: “Scha-tunga hat mir den Bruder lebendig am Pfahl gebraten, mein Weib und zwei Kinder geraubt, skalpirt und den Coyoten vorgeworfen, mich selbst gehetzt und verfolgt…,” eben so rau und brutal, wie wir es sonst nur aus der Pulp-Literatur des 20. Jahrhunderts kennen… und aus Berichten von Kriegen auf dem Balkan oder in Afrikan.

Und da wird Mays Wilder Westen dann unangenehm realistisch.

http://www.zeno.org/Literatur/M/May,+Karl/Einzelne+Erz%C3%A4hlungen/Die+Both+Shatters