Happy Birthday, Pineas!

Zu meinem Geburtstag schenkte ich mir in gewohnter Grosszügigkeit die kostenlose Probe-Woche bei Fullscreen.com. Wie könnte ich dem Reiz von “Jay Versace is stuck in the 90s” widerstehen oder dem von “Prank me”? Ich habe nichts davon gesehen.

Dafür sah ich junge Frauen in den Kleidern des 19. Jahrhunderts, die tanzten, im Ballsaal und im Liegen. Es war nicht der Film, den Carmilla Karnstein und Laura Hollis verdient hatten, diese von mir so geschätzten Charaktere. Und das Problem der Bronte-Schwestern und der anderen Geister-Mädchen hätte auch das ursprüngliche Damen-Quartett lösen können, Carmilla, Laura, Lafontaine und Lola Perry.

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Hätte sich Lafontaine in Charlotte Bronte verliebt, hätten wir auch etwas mehr über ihre schwer zu verstehende, wahrscheinlich ambivalente Sexualität erfahren und etwas mehr über ihre Beziehung zu Perry. Denn mir scheint ihre Beziehung gleichgeschlechtlich-asexuell, zugleich aber sehr treu und intensiv zu sein.

Für Wilson Kirsch hätte ich mir in diesem Zusammenhang einen ganz kurzen Auftritt gewünscht, der ihm eine ausgesprochen verantwortungsvolle Tätigkeit attestiert, als Fluglotse oder Pilot vielleicht oder auch als kanadischer Botschafter in Österreich. Seine Rolle in “Carmilla – The Movie” ist sonst weitgehend überflüssig.

Ich nehme aus diesem Film aber auch ein Zitat von Melanippe mit: “Nur Waffen…. sind Waffen.” Das könnte jemand in dieser Kurz-Geschichte sagen, an der ich seit einiger Zeit zu meinem eigenen Vergnügen bastele.

Carmilla bites again

It’s not hard to draw a connection between the queer and the monstrous. At the heart of every horror story is a monster that threatens to upend a community’s entire way of life. The monster is the abnormal creature that barges into an idyllic world and makes it strange. As Karen Tongson, an associate professor of gender studies and English at USC, told the Los Angeles Times, “people who lived with a lot of their love and their passion in the closet, or who felt demonized in the broader culture, it’s very easy to find points of identification with monsters.” Author Michael Bronski added, “In some way, gay people, queer people, are the worst fear for heterosexuals, as well as on some level, the best fantasy—the sheer pleasure of not being on the inside, of not having to control everything you do and think and say to fit norms.”

https://www.thedailybeast.com/the-feminists-making-vampires-gay-again

Ich denke, es ist klar, was ich mir zum Geburtstag schenken werde, n’est-ce pas?

Lichtet sich der Nebel?

Der Nebel hängt dicht vor den Fenstern, vor jedem Fenster, das die Wohnung hat. Trotzdem fühle ich mich, als hätte ich den Durchblick. Das liegt vielleicht am Bild 19, mit dem mich das I Ging bei der Beurteilung eines Gespräches mit Elvira unterstützte. Vielleicht liegt es auch an dem Traum, den ich hatte.

Darin war die Illinois Electro Door zwar wie in der Realität in der Strasse „Eingeschränkter Winterdienst Nr. 10“, aber kein Grosshandelsunternehmen, sondern ein Produktionsbetrieb. Ich war jung, vielleicht Anfang 20, und Julienne war es auch, die im „echten“ Leben jetzt auch schon über 50 ist, verheiratet, Mutter und OP-Schwester. Ich war in diesem Traum in sie verliebt, so wie ich es vor 30 Jahren tatsächlich gewesen war.

Diesmal „landete“ ich aber nicht bei ihr, weil ich ihr zu peinlich war, um mich ihren Freunden und Eltern vorzustellen, sondern weil sie nicht an mir interessiert war. An den Avancen eines anderen Menschen nicht interessiert sein zu dürfen, ist ein so grundsätzliches Menschenrecht, das selbst Thomas Paine es für zu selbstverständlich erachtete, um es schriftlich zu fixieren.

Danach veränderte sich mein Focus hin zu einer jungen Dame, die mir aus dem echten Leben so nicht bekannt war. Sie war von einem Typ, den ich im Laufe meines Lebens des öfteren interessant gefunden habe, nämlich klein, rundlich und mit einem Kurzhaarschnitt aus der Kaitlyn Alexander-Kollektion. Leider weiss ich nicht, wie es ausging, weil sich an dieser Stelle mein Wecker meldete, mich so des Endes beraubend. Er liess mich aber zugleich mit einem gewissen Wohlbehagen zurück, von dem ich jetzt zehren werde.

Nennt mich… Winifred

Aus irgendeinem Grund stelle ich mir Kaitlyn Alexander, die kanadische Schauspielerin, ungewohnt ernst und in schwarzen Lederhosen und einer passenden Lederjacke auf einem kräftigen Apfelschimmel vor. Wohin reitet sie? Wo reitet sie? Australien ist eine gute Wahl, aber dann ein Australien, das es so nicht gibt.

Die Zeit sei das viktorianische Zeitalter, und England erhebe den Anspruch darauf, dass der ganze Kontinent zu seinem Empire gehört. Allerdings patrouillierten seine Rotröcke zu Pferd, Schaufeldampfer und Luftschiff nur ein Gebiet um Sidney herum ab, das etwa der Hälfte von New South Wales entspricht. Mit etwa ebensoviel Berechtigung beanspruchte das Kaiserreich Japan die Herrschaft über Australien. Neu-Kagoshima läge etwa da, wo sich in unserer Welt die Stadt Perth befindet.

Keinen Anspruch dieser Art erhöbe der Freistaat, eine Kolonie am Golf von Carpentaria, wo man niederländisch spräche und sich selbst verwaltete. Hier balancierte der ominöse Statthalter geschickt die Interessen der Bewohner aus, die zu einem guten Teil Mischlinge sind, zum anderen aber Einwanderer aus den Niederlanden, Deutschland, China und Indonesien. Sie treiben Landwirtschaft und Handel und frönen dem Säkularismus etwa so wie wir.

Jenseits dieser Grenzen, wohin unsere noch namenlose Heldin bald vorstiesse, lebten nomadische Aborigines, deren Schamanen über gewaltige Macht gebieten. Sie sicherten die Freiheit ihrer Völker mit mächtigen Bannsprüchen und gelegentlich, indem sie die Toten aus ihren Gräbern rufen, um eine Armee aus Zombies gegen ihre Feinde einzusetzen. Die namenlose Heldin, die in der Liebe, im Krieg und bei ihren Freundschaften keine Farbe kennt, setzte eher auf einen Sharps-Karabiner und einen Mervin & Hulbert-Revolver.

Sie begegnete auf ihren Wanderungen einem asexuellen Händler aus dem Freistaat, Crocodile Dundee, der Traumschlange, dem Geist von Paula Schultz, Matt Quickley und dem Kampfkunst-Meister Pai Mei, ihr erzählt, wie er die Bennet-Schwestern ausbildete und wie stets seine eigenen Ziele verfolgte, verführte die Töchter von Bauern und Schamanen und einen Afro-Amerikaner, der behauptete, aus einer Kolonie geflohen zu sein, die exilierte Südstaatler nach dem Ende des Bürgerkriegs gegründet hätten.

Sie kämpfte mit britischen Soldaten, Aborigines, Dingos und Krokodilen, flöhe aus Neu-Kagoshima vor den Annäherungsversuchen eines hochrangigen Samurai und seiner etwas unausgeglichenen Schwester, träfe bei dieser Gelegenheit Captain Nemo und reiste auf seiner Nautilus. Sie übernachtete einmal im versteinerten Wrack einer portugiesischen Karavelle und würde ein anderes Mal von einer Spinne gebissen. Knapp nur überlebte sie den folgenden nervengift-induzierten Rausch. Sie tauchte nach Perlen, schürfte nach Diamanten und verlöre ein Glied eines kleinen Fingers bei einem Unfall.

Findet sie, was sie sucht? Ich weiss nicht einmal, was sie hinaus in diese weite Land treibt. Aber an einem Punkt reitet sie durch ein Portal in einer Geoglyphe am Uluru und tränkt ihr Pferd am Abend in Taschkent, drei Jahre in der Zukunft und mit vollständigen Fingern.

Heisst sie Winifred? Ich glaube ja. Winifred DaCosta klingt irgendwie gut für diese Epigonin des Corto Maltese.