Familie Gott

Familie ist in der Serie “Lucifer” etwas kompliziertes, noch komplizierter noch als üblich. Sein Verhältnis mit seinem Bruder  Amenadiel ist von Rivalität geprägt, seine Mutter die Schöpfungsgöttin und sein Vater allmächtig, rücksichtslos und willkürlich. Überraschend ist da nur, dass er mit einer Psychotherapie gewartet hat, bis er die Hölle verlassen hat, um in Los Angeles zu leben. 

Das kann nicht daran liegen, dass es in seinem Zuständigkeitsbereich keine Schüler Freuds gegeben hat. Aber er konnte dort viele seiner Bedürfnisse ausleben. Man sagt ja auch, dass Serienmörder an sich stabile Persönlichkeiten sind, die ihre Konflikte nach aussen tragen statt sie in sich hinein zu fressen. Das klingt jetzt ein wenig nach Mazikeen, seiner Barkeeperin/Kopfgeldjägerin/Dämonin. 

Die finde ich übrigens ganz reizend. Diese unverhohlene Neigung zu Gewalt, dieser Mangel an Skrupel und die erotische Ausstrahlung sind mir so sympathisch.  Weder sie noch Lucifer scheinen in irgendeiner Weise psychisch oder glaubenstechnisch darunter zu leiden, dass sie beide bisexuell sind. 

Auf Zehenspitzen tänzelt die Serie um die Frage herum, ob Lucifer und Amenadiel einen Bruder namens Jesus haben. Zwar werden weitere Geschwister erwähnt, jedoch nur als Gruppe und ohne Namen und Details. Überhaupt ist die Mythologie, die Gaiman und Kapinos für die Serie geschaffen haben, ein Gegenentwurf zur christlichen. Von Erlösung ist nicht die Rede, aber viel von der Hölle, die allen blüht, die sündigen. Und Gott ist nicht der Allerbarmer des Neuen Testaments. 

https://www.youtube.com/watch?time_continue=42&v=bQyfCsr0OVk&feature=emb_logo

 

The Gods of America

Die Serie “American Gods” steht auf meiner Liste derer, für die ich mir nicht die Zeit nehmen werde. Das Buch von Neil Gaiman hat mir schon nicht gefallen, und mein Optimismus, dass die Serie besser ist, wird von keinem Trailer angefacht.

Im Kern ist es die Idee von beidem, dass die Menschen, die nach Amerika auswandern, ihre alten, vorchristlichen Götter wie Zeus, Odin, Ogun und Huitzilopochtli mitnehmen. Die führten in der alten Welt schon ein Leben am Rand der Gesellschaft und sind nun endgültig down and under.

So ganz verkehrt ist das nicht. Wir kennen ja einige Beispiele ehemaliger Götter, die sich recht gut in die Gesellschaft integriert haben. Mitras hat als Santa Claus, Heracles als Clark Kent/Ka-El einen Platz gefunden.

Nanabozho fusionierte mit seinem afrikanischen Pendant und lebt jetzt als Bugs Bunny in einer ziemlich exorbitanten Villa in Hollywood, weit weg von den Sklavenplantagen in Georgia, wo er seine Karriere in Amerika begann. Mictēcacihuātl, die Göttin des aztekischen Totenreiches, hat sich zuerst in Mexiko sehr gut integriert und ist dann auch als Santa Muerte in den Norden gekommen.

Das wirft die Frage auf, wie sehr sich Jesus dort anpassen musste. Die Siedler, mit denen er Amerika erreichte, standen einer Welt gegenüber, in der alles grösser war als in Europa. Das Land selbst, seine Flüsse, seine Wälder, seine Stürme, seine Wüsten und seine Gefahren. Das schliesst denn auch seine die Ureinwohner ein, die zwar nicht wirklich grösser waren als die Europäer, aber bei denen eine Einladung zum Essen eine besondere Bedeutung haben konnte, und die nicht immer so glücklich über ihre neuen Nachbarn waren.  

Wer nicht pausenlos arbeitete, verhungerte, wer nicht für Kaminholz und dicke Kleidung sorgte, erfror im Winter. Wer eine andere Meinung als seine Mitbürger hatte, wahrscheinlich auch, weil sie einen aus dem Dorf verbannten. Das alles entsprach zwar alles durchaus der Weltsicht der Puritaner, aber hier galt es in einem so brutalen Sinn wie vielelicht nicht einmal in den Armenvierteln von London.

Kann ein Gott unter diesen Bedingungen so gemütlich bleiben wie  an den sonnenbeschienen Hängen Italiens oder auf den grünen Wiesen Bayerns? Muss er nicht dann eher das Konzept von Vergeltung annehmen und strenger auf die Taten seiner Gläubigen schauen? Ist das nicht gerade das, was die auch erwarten? Oder ist er ihnen umso mehr der alles verzeihende und liebende Gott, weil er ja quasi als einziger nicht darauf aus ist, sie umzubringen?

Vielleicht gelangen wir ja über das Verständnis ihrer Gottes-Sicht zu einem Verständnis der merkwürdigen und manchmal barbarischen Sitten jenes höchst merkwürdiges Volkes, das sich in diesem Amerika entwickelt hat. .

Die Steuererklärung ist Gottes Gebot

Da ich deutlich älter bin als der Kleine Bruder sehe ich es als meine Pflicht an, ihn über jene Dinge aufzuklären, die im Leben wichtig sind. So legte ich ihm anhand des Matthäus-Evangeliums dar, dass er seine Steuererklärung machen muss.

Denn sagt nicht Jesus im Kapitel 22, Vers 21, dass man dem Kaiser (dem Staat) geben soll, was dem Kaiser ist. Von mehr war da nicht die Rede. Also immer schön abzählen, was man ihm in die Hand drückt.

Über dem zerlegten Roller hinweg, erläuterte ich ihm dann, dass dieses Vehikel mich dorthin befördern soll, wo ich Nahrung, Geld und Anerkennung bekomme. Es gibt nicht viele, die so gut von Yoyodyne sprechen; aber es ist auch niemand sonst mit Paula verheiratet.

Was sollte ich ihm sonst sagen? Dass ich zu feige bin, um ich selbst zu sein? Zu feige, um sie zu verlassen? Zu feige, um ganz alleine auf mich gestellt zu leben. Zu feige, um mich einer ziemlich wahrscheinlichen Insolvenz zu stellen?

Das wäre mir peinlich. So peinlich wie zuzugeben, dass die addierten und voll ausgeschöpften Überziehungskredite zweier Girokonten 10.000 Ecu ergeben. Meine finanzielle Situation ist das Äquivalent eines Standing Knock-Out.

Den Roller übrigens belebte weder der Austausch des Chokes noch der der Batterie oder der der Sicherung.

Jesus bar Marijam-Tzu

dao

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Ich weiss nicht, ob Richard Wilhelms Sprache bei der Übersetzung des Tao-te King von seinem europäisch-christlichem Hintergrund beeinflusst wurde. Tatsächlich finden wir die Gleichsetzung von Wort, Gott, Leben und Licht auch beim Evangelisten Johannes.

“Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.  Dasselbe war im Anfang bei Gott.  Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht begriffen.” 

http://www.bibel-online.net/buch/luther_1912/johannes/1/

Interpretieren wir aber den Gott des Neuen Testamentes, den, von dem Jesus spricht, wie den Heiligen Geist als Emanationen des Chi und ihn selbst als Schüler eines taoistischen Mönches, ergibt sich ein merkwürdiges, aber in gewisser Weise stimmiges Bild.

Was wäre das für eine Geschichte, könnte ich sie nur schreiben! Der riesige Zimmermann, der zur Umkehr, zur Hinwendung zum Tao aufruft, das Land durchstreift und eine Gruppe um sich sammelt, seinen Erwartungen gemäss hingerichtet wird und das zu seiner Überraschung überlebt und am Ende schwerfällig, aber gut gelaunt die Strasse nach Osten hinunter hinkt, um dazu zu lernen.

Hinter ihm bleiben seine Freunde zurück, die beginnen, eine eklektische Religion zu erschaffen, indem sie seine Lehren im Lichte der mosaischen Religion, des Mithraismus und des Dodekatheismus neu interpretieren, jetzt, wo der Weltuntergang wahrscheinlich dann doch ausfällt, den er vorhergesehen hat wie seinen Tod. Sie adaptieren die ethnien-übergreifende Philosophie des Römischen Reiches und geniessen Schweinswürste.

Auf emotionaler Ebene, der, die sich mir weitgehend entzieht, gäbe es eine Liebesbeziehung mit Johannes, die tiefe Zuneigung zwischen ihm und Maria, die Geschwisterrivalität mit Jakobus und den Konflikt mit dem pragmatischen Judas, dem das Ende der Welt ungewiss, die Not der Armen aber gewiss ist, und die Eifersucht zwischen Johannes, Judas und Petrus auf verschiedenen Ebenen und aus verschiedenen Motiven.

Der Selbstmord des Judas ist dann eine tragische Ironie wie die ganze Geschichte von einem hintergründigem Humor getragen würde, der typisch für Jesus sei, in seinem Leben aber über lange Zeit von seiner Erwartung eines schrecklichen Endes für ihn und die Welt überlagert würde.

Kant im Spiegel des Stadtplanes

Auf der Suche nach der Kantstrasse in Panzerbach dachte ich darüber nach, welchen Einfluss der Kategorische Imperativ des Herrn Kant auf mein Leben habe. Ich fand keinen.

Das lag vielleicht daran, dass der Herr Kant sich als beamteter und lediger Professor von einem weitgehend verantwortungsfreien Standpunkt aus mit den Möglichkeiten der Menschen beschäftigte.Die meisten Entscheidungen treffen die Menschen nach meiner Beobachtung aber aus ihren Beschränkungen und Defiziten heraus, ohne sich von ihren Möglichkeiten behindern zu lassen.

Daher sind andere Philosophen wie Jesus, Mohammed und Jack Sparrow mit ihrer praktischen Erfahrung in Verantwortungspositionen wahrscheinlich bessere Ratgeber: „Nimm, was Du kriegen kannst. Und gib nichts wieder zurück.“ macht umwabert vom Geruch nach Pizza, Scaloppini und einem Salaire unter dem gesetzlichen Mindestlohn deutlich mehr Sinn als etwas, das „… da der Imperativ außer dem Gesetze nur die Notwendigkeit der Maxime enthält, diesem Gesetze gemäß zu sein…“ formuliert wird und bei dem jeder Satz drei Druckseiten/Tablet-Bildschirme lang ist.

„Wir sind doch schließlich alle irgendwie weitergekommen. Spirituell, dramatisch, menschlich“… auch räumlich. Den Gedanken unterbrach nämlich die Entdeckung, dass ich schon 200 m auf der Kantstrasse fuhr. Finanziell brachte mich diese Anfahrt allerdings nicht weiter. Der Kunde hatte abgezählt genau den Betrag zur Hand, der auf meinem Fahrer-Bon stand, eine Entscheidung, die weniger von seinen finanziellen Möglichkeiten als aus seinem Defizit an Mitgefühl für mich beeinflusst worden war.

Schliesslich muss ich ein Loch stopfen – in diesem Fall eines zwischen zwei Dachziegeln, denen der letzte Sturm zugesetzt hat. Meine zukünftige Ex-Gebäude-Versicherung hat auf einen Eigenanteil hingewiesen, der ihren Nutzen für mich nihiliert. Schweinebande!