Das Chi fliesst, wohin es will

Tief in mir bin ich und bin mir genug. Weit von den Menschen bin ich, und das ist richtig so.

Das I Ging spricht von Streit (Hexagramm 6), von List und Stärke, von Gewalt und Streit. All das liegt mir im Augenblick gerade fern.

Gut sei es, den grossen Mann zu sehen, den mit dem Plan; grosse Entscheidungen zu treffen aber, das ist nicht förderlich. Zu bedenken aber ist dabei, dass das I Ging immer gegen grosse Entscheidungen ist und dafür, sich einzuordnen.

In diesem Sinne entspricht es mir und meinem Mangel an Entscheidungsfähigkeit. Doch habe ich gelernt, dass es unumgängliche Entscheidungen gibt, sogar unvermeidbare. Das Chi fliesst, und wir können es weder aufhalten noch einsammeln.

Auf der Seidenstrasse von Taras nach Lankhmar

Mein Geist hat sich heute frei genommen, um in den  Strassen von Taras spazieren zu gehen. Das ist 2018 ein Kuhkaff in Zentralasien, wird aber ganz heftig explodieren, wenn die Fernstrasse A2 erst einmal Teil der Neuen Seidenstrasse ist. Zumindest geht Karl Schroeder in “Crisis in Urlia” davon aus, einer “Scenario Fiction”, die er für die kanadische Armee verfasste.

Neue Stadtviertel mit Appartementhäusern und Wohnsiedlungen, die ebenso in Beijing oder Shenzhen sein könnten, neue Industriegebiete, die überall sein könnten. Hunderttausende Chinesen, Inder, Koreaner und Filipinos drängen den home grown blend aus Russen, Kasachen, Deutschen, Tataren und Japanern beiseite.

Vergeblich suchte der Kleine Bruder in diesen Strassen die Orte und Menschen, von denen ihm Baba und Mat erzählt haben. Ich hingegen suche einfach nur, aber ebenso vergeblich den Gedanken, der mein Leben strukturiert. Denn ich stelle an mir eine Bereitschaft fest, jene Dualität aus Hier ich – Dort Ihr aufzulösen, die mein Leben dauerhaft stabilisierte.

Das I Ging sagt dazu, dass Zersplitterung Zerfall bedeutet (23 – Bo) und dass wo Gegensätze heftig aufeinandertreffen (38 – Der Gegensatz), nur kleine Dinge erfolgreich unternommen werden können. Die toten Chinesen haben diese Dinge aber als Bestandteile des Lebens akzeptiert. Zerfall ist eben so normal wie Wachstum und Blüte. Es könnte deshalb vorteilhaft sein, für den Tag nach dem Tag danach gerichtet zu sein.

Mir kommt eine Strassenbahn entgegen, die nach einer Ecke im Ruhrgebiet fährt, wo ich noch nie war. Die Stadt, zu der sie gehört, nennt man das deutsche Lankhmar. Das tut man allerdings nicht, weil soviele ausgewanderte Lankhmari dort wohnen, sondern weil sie etwa ebenso gross und schmutzig ist wie diese berühmte Stadt.

Dort würde ich leben, hätte ich mich von Paula und Yoyodyne getrennt. Dies nicht aus irgendwelchen romantischen Gründen und Überlegungen, sondern allein weil Confederate Shutters auf ihrer Internetseite einen Job in dieser Stadt ausloben, der etwa meinem Qualifizierungsprofil entspricht. Und bei Confederate kenne ich den einen oder anderen, der die Tür für mich leicht angelehnt liesse.

Dort würde ich mutterseelenallein leben, hätte ich mich von Paula und Yoyodyne getrennt. Denn asexuell und antisozial zu sein, ist eher keine so gute Basis für den Aufbau eines sozialen Netzwerks. Soziale Interaktion erfordert ein gewisses Engagement, Kontinuität und Toleranz auf beiden Seiten.

http://www.kschroeder.com/weblog/crisis-in-urlia-published/?searchterm=urlia

https://www.quora.com/What-is-an-%E2%80%9Cinfocracy%E2%80%9D

http://schuledesrades.org/public/iging/buch/?Q=5/1/4/23

https://en.wikipedia.org/wiki/Lankhmar

We Dsi

Zum Abschluss bestimmt, jedoch noch nicht fertig – unvollständig – noch nicht eingetroffen – verwirrende Verhältnisse vorsichtig und behutsam beenden

http://info.kopp-verlag.de/neue-weltbilder/spiritualitaet-und-weisheitslehren/brigitte-hamann/die-64-hexagramme-des-i-ging-hexagramm-64-we-dsi-vor-der-vollendung.html

Das Zeichen stellt den Übergang von Pi, Stockung, zu Tai, Friede, dar. Äußerlich betrachtet sind zwar alle Striche nicht auf ihrem Platz, aber sie stehen alle in Beziehung zueinander. Die Ordnung ist bei äußerer Erscheinung einer vollkommenen Unordnung innerlich schon präformiert.

http://schuledesrades.org/public/iging/buch/?Q=5/1/4/64

Zwischen den Zeilen lese ich in der email des Tzaren, dass alle unsere Befürchtungen wahr werden. Ich fürchte mit meiner Prognose von 10 Mitarbeitern am Ende noch viel zu hoch gegriffen zu haben. Sechs, mehr werden es wohl nicht werden, und ob die hier oder in Grodkow sitzen, scheint mir noch fraglich.

Gefiele es mir in Grodkow? Eine akademische Frage, liegt dieser Ort doch ausserhalb des Geltungsbereiches des deutschen Rentenrechtes, von dem ich mir ja für einen in relativ überschaubarer Zukunft liegenden Zeitraum ein Einkommen erhoffe.

Die Zeit der Fülle

Das I Ging spricht mit dem Bild 55 zu mir von einer Zeit der Fülle, des Überflusses. Die Bank sieht das anders, und um ihr nicht zu widersprechen, hat die Krankenkasse Paula die Bezüge von heute an gestrichen.

Seitdem werde ich als einziger Verdiener wieder bekocht, und es gibt sogar wieder Kuchen, von jener Sorte, die schwer im Magen liegt, mit Teig als Boden und Deckel, mit Zuckerguss und Haselnussfüllung. Dieses Idyll wird nur von Tiraden unterbrochen, in denen mir einmal mehr meine wohlbekannten Defizite dargestellt werden, allen voran meine Weigerung so zu sein, wie sie sich mich vorstellen möchte.

Im Flur stehend wird mir zwischen der Buchenholztreppe mit den tannenen Stirnbrettern und dem fehlenden Lichtschalter am Eingang meines Zimmers wieder einmal klar, dass sie noch nie allein gelebt hat, sich das auch gar nicht leisten könnte, psychologisch, finanziell, persönlich.

Weiss sie das? Wahrscheinlich, irgendwie. Sonst hätte sie nicht soviel unternommen, um mich zu manipulieren.

Von Schweinen und Fischen

Das I Ging, von mir befragt, spricht von einer Inneren Wahrheit, die so immanent sei, das selbst Schweine und Fische sie begriffen. Ich sollte sie dann wahrscheinlich auch verstehen und akzeptieren, halte ich mich doch jenen Viechern schon deshalb für überlegen, weil ich ihnen vorzüglich beim Essen begegne und zwar auf verschiedenen Seiten der Gabel.

Wie wir von Douglas Adams lernten, ist die Frage, die der Antwort folgt aber stets, welche Frage sie eigentlich beantworten sollte. 42 ist zwar die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest, aber wie die Frage denn wirklich lautet, die 42 beantwortet, erfahren wir vom diesem grossen Philosophen dann doch nicht. Im I Ging zum Beispiel ist das Bild 42 – Die Mehrung die Aufforderung, etwas zu unternehmen. Was aber nun zu unternehmen ist, ist Teil der Frage, nicht der Antwort.

Mir gab es als Antwort aber nicht die 42, sondern die 61 – Die Innere Wahrheit. Im Bild wird sie mit der Ladung eines Schiffes verglichen, die nun einmal mehr wert ist als das Schiff und schwerer zu ersetzen.

Die Frage, die mich bewegte, war die, ob ich mit meiner Vermutung recht habe, dass mir demnächst das Leben, wie ich es gekannt habe, um die Ohren fliegen wird. Schweine und Fische wissen es schon, ich werde im höchsten Masse überfordert sein.

http://info.kopp-verlag.de/neue-weltbilder/spiritualitaet-und-weisheitslehren/brigitte-hamann/die-64-hexagramme-des-i-ging-hexagramm-61-dschung-fu-die-innere-wahrheit.html

http://info.kopp-verlag.de/neue-weltbilder/spiritualitaet-und-weisheitslehren/brigitte-hamann/die-64-hexagramme-des-i-ging-hexagramm-42-i-die-mehrung.html

https://de.wikipedia.org/wiki/42_(Antwort)

http://www.stockmaritime.com/wiki/content.php?action2=on&action3=news_search&id2=1778&id4=3581

http://www.mehrcontainerfuerdeutschland.de/schiff-ahoi/schifffahrtskrise-und-keine-ende/

Schlafen wie ein Serienmörder

Mir ist vorhin klar geworden, dass ich schon lange nicht mehr nachts wach gelegen habe. Zwar träume ich dann und wann Beängstigendes, aber nichts, was mich nicht weiter oder doch wenigstens gleich wieder einschlafen lässt.

Übrigens scheint es mir, als sei ich nicht depressiv, wenn ich träume. Allein das sollte mir schon Grund sein, um möglichst viel und lang zu schlafen.

Doch welchem Schritt in meiner Persönlichkeitsentwicklung verdanke ich diesen zweifachen Segen? Es ja nicht einfach so, dass ich auf mein Gute-Nacht-Schälchen Doppelt-Scharfes Chili verzichte und seitdem den Schlaf des Gerechten schlafe. Und jeden Rechtschaffenen brächte allein mein Kontostand um die Nachtruhe. Ich hingegen schlafe wie es sonst nur die Serienmörder tun selig einem Morgen entgegen, der wie jeder Morgen ist.

Dabei hinterfrage ich gerade sogar die Loyalitäten, denen ich mein Leben gewidmet habe, und schlafe trotzdem gut. War es richtig, soviele Jahre der Illinois Electro Door verbunden zu bleiben? Und wie steht es mit der Arbeit, Mühe und dem Geld, das die Beziehung mit Paula erfordert hat? Alles das scheint mir gerade fragwürdig und doch muss ich die Nacht nicht mit dem Meeresrauschen aus dem Audio-Archiv meines Mobiltelefones verbringen.

Das I Ging ermuntert mich mit dem Bild 31 zur Beharrlichkeit und zur Rücksichtnahme. Doch auf wen muss ich Rücksicht nehmen? Bin ich es vielleicht selbst? Denn niemand ist mir näher und lieber.

Allerdings scheint mir auch dieses Zitat gerade gut zu passen:

Giles: „I have to believe in a better world“

Buffy: „Go ahead. I have to live in this one.“

Tot… aber schlau

Irgendwann gab es in China einige weise Männer. Sie sind sich vielleicht nicht einmal begegnet, lebten wahrscheinlich hunderte Jahre und hunderte Kilometer von einander entfernt und tausende Jahre und tausende Kilometer von mir. Das heisst auch, dass sie ziemlich tot sind.

Allerdings hält sie das nicht davon ab, immer mal wieder Recht zu haben.

So warnten sie mich mit dem Bild 29 vor einer Gefahr, in der ich sei. Erst dachte ich, es sei Paulas komplette Untauglichkeit, die Krankenkasse von ihrer Arbeitsunfähigkeit zu überzeugen, die mich in die Gefahr brächte, in die nämlich, Haus und Hof zu verlieren. Tatsächlich glaube ich jetzt aber, dass die wirkliche Gefahr eine ganz andere ist.

Denn wenn ich ihr zuhöre, habe ich das überwältigende Bedürfnis, in mein Bett zu gehen und die nächsten zwei bis fünf Monate dort zu bleiben. Kein Ritt in den Sonnenaufgang auf meiner Peugeot Flash, keine Arbeit bei der Illinois Electro Door und auch nicht bei der Pizzeria San Grigorio. Das heisst dann auch kein Geld, und das ist die einzige Art, wie ich Paula wirklich noch treffen kann.

Nun spricht nichts gegen einen Nervenzusammenbruch. Es gibt Situationen, in denen das die einzige gesunde Vorgehensweise ist. Aber damit schade ich doch vor allem mir. Und ohne Freund den Kater gibt es nur noch einen, der mich liebt und für mich sorgt, und das bin ich selbst. Da kann ich mich doch nicht hängen lassen.

Es gibt nur eine Sache, die ich tun kann, und das ist das Mögliche. Es gibt nur eine Sache, die ich tun muss, und das ist das Nötige.