Das Monster von nebenan

Das schrecklichste Monster in “Babylon Berlin” ist keines. Der Oberkommissar Bruno Wolter ist eben deshalb so furchteinflössend, weil er der nette Faschist von nebenan ist. Er ist einerseits grosszügig, freundlich und folgt seinem eigenen Ehrenkodex, andererseits aber ist er eben auch rücksichtslos, kaltblütig und ein Terrorist.

Ebenso schrecklich sind die Szenen im “Moka Efti”, in denen hunderte junger Menschen gut gelaunt zu flotter Musik tanzen. Es ist der Tanz auf dem Vulkan. Nächstes Jahr wird ihr Geld wertlos sein. In vier Jahren wird Hitler Reichskanzler sein, und Demokratie, Menschlichkeit und Vernunft werden enden. In 16 Jahren werden ihr Land und ihr Leben ein Trümmerhaufen sein. Vermutlich wird die Hälfte von ihnen dann tot sein. 

Wie dünn ist das Eis, auf dem wir gerade spazieren? Welches Monster wohnt neben uns auf der Etage?

https://barrikade.info/article/2949

Zur Nachahmung empfohlen

Einige der letzten lebenden Nachfahren des (deutschen) Hitlers leben übrigens auch an der amerikanischen Ostküste. Brian, Alexander und Louis Stuart-Houston wollen, dass der Stammbaum des Führers mit ihnen endet. Die Brüder haben einen Pakt: Keiner heiratet, keiner bekommt Kinder.

https://www.vice.com/de/article/dieser-mann-anderte-seinen-eigenen-namen-in-hitler

Da gibt es eine lange Liste von Menschen, die sich an diesem Vorbild orientieren sollten. Meine Nachbarn allesamt und diverse meiner Kollegen und Kunden.

Und Hitler war Österreicher! Ja, Kruzitürken, wenn schon die Journalisten das nicht richtig wissen! Sofort schaut Ihr mir dreimal 24 Stunden nonstop Phönix, den Sender, auf dem der 2te Weltkrieg niemals endet.

Wenns Dir hier nicht passt, geh doch nach drüben

Das war früher abgekürzt die Aufforderung, sich bei Zweifeln am real existierenden Paradies von Banken, Buletten und Bild-Zeitung in die DDR zu verziehen. Ich empfehle das Recycling dieser Trope, um anzudeuten, dass jemand, dem die liberale, demokratische Gesellschaft nicht passt, dorthin gehen soll, wo Putin, Erdogan oder Trump regieren.

http://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/wahlkampf-npd-spitzenkandidat-udo-past%c3%b6rs-und-der-hitler-wunsch/ar-AAioyzK?ocid=spartanntp

Kauft nicht beim Österreicher!

Ich schrieb vor kurzem davon, dass man sich Vorurteile leisten können muss. Tatsächlich muss man sich die Menschen nach Hautfarbe, ethnischer und religiöser Zugehörigkeit aussuchen können, mit denen man sich umgibt oder in deren Abhängigkeit man steht. Ganz so einfach ist das aber in Wirklichkeit nicht.

Denn man kann sich zwar frei entscheiden, dass man Buffy The Vampire Slayer nicht gut findet, weil Sarah Michelle Gellar, Alyson Hannigan und Michelle Trachtenberg Jüdinnen sind, und man kann vielleicht Rihannas Musik ablehnen, weil sie schwarz ist, und die von Freddy Mercury, weil er schwul war. Aber es ist schwierig, den einzigen Arzt im Ort abzulehnen, weil er Perser ist, wenn man sich nicht leisten kann, zum nächsten Ort zu fahren, um zu einem nicht-arischen Arzt zu gehen.

Und es ist schwierig, Vorurteile gegen einen Arbeitgeber zu haben, der einen fair behandelt, gegen den Kollegen, der Arbeit, Sorge und Pizza am Mittagstisch mit einem teilt, und den Kunden, der einen ernährt, nur weil er dies oder jenes ist, dies oder jenes glaubt und diesen oder jene liebt. Das macht Vorurteile zu einem Privileg, das man sich in meinen Kreisen einfach nicht leisten kann.

Arm zu sein ist eben kein Vergnügen, fördert aber in meiner Wahrnehmung die Toleranz. Die Klingelbretter in Hagen, die für manche Wohnung arabische und deutsche, italienische und ukrainische, türkische und russische Namen kombinieren, scheinen mir darin Recht zu geben.

Und wieso hat keiner Vorurteile gegen Österreicher? Immerhin hat dieses Land vier Diktatoren hervor gebracht (Schuschnigg, Dollfuss, Hitler, Unger von Sternberg), einen kalifornischen Gouverneur, einen Serienmörder, die notorische amerikanische Politiker-Familie Bush und einen in der Darstellung von Natasha Negovanlis auch gut aussehenden Vampir. Gemessen an der Grösse dieses Staatswesens ist das einigermassen besorgniserregend.

Und wo sind die Vorurteile gegen Isländern? Von denen scheinen etliche von einer Amerindianerin abzustammen, die aus Vinland auf die Insel kam. Nach der strengen Auslegung der rassistischen Doktrin, wie sie vor zwei Generationen noch in den amerikanischen Südstaaten galt, macht sie das zu Mestizen.