Der Fussel im Nabel der Welt

Abd-Allah verpasste meinem Eurozentrismus einen üblen Tiefschlag. Ganz naiv nämlich erklärte er, vor seiner Flucht aus Syrien Berlin und Rom nicht gekannt zu haben. 

Das war jetzt nicht schmeichelhaft, schliesslich ist Europa der Mittelpunkt der Welt und kulturell und technologisch weiter fortgeschritten als jede andere Gegend. Sollte es anderswo, sagen wir in China modernere Technologien geben, sind das nur Spielereien, die kein Mensch braucht. 

Und es ist ja wohl ganz klar, dass z. B. die syrische Kultur  der unseren kellertief unterlegen ist. Da braucht man sich nur ihre Malerei anzusehen und den Zustand der Städte. Dass der Koran die Malerei quasi verbietet und kein Land nach ein paar Jahren Bürgerkrieg besonders fit aussieht, steht hier nicht zur Debatte. 

Für die Minderwertigkeit ihrer Literatur spricht, dass keiner von uns ihre Schriftsteller kennt. Das liegt nicht etwa daran, dass sie arabisch schreiben und keiner von uns diese Sprache beherrscht. Denn wären sie nämlich wirklich bedeutend, so würden sie ihre Texte schliesslich selbstverständlich in Englisch oder auch gleich in Deutsch verfassen. 

Mal abgesehen davon weiss in Europa ja jeder, dass die Flüchtlinge 2015 nur deshalb in solchen Scharen kamen, weil im Idliber Wochenblatt auf der vorletzten Seite über der Anzeige vom Metzger Al-Hamsa ein Bericht über die Sozialhilfe in Frankreich und das deutsche Hartz IV erschien. Jawohl!

Wie sehen Sie es persönlich, von Google Quellensteuer einzufordern. Wäre das für Sie in Ordnung?

Nein, absolut irrwitzig. Sie müssen sich vorstellen. Die Steuer wird ja nicht bei Google erhoben, sondern letztlich bei den inländischen Unternehmen. Das würde für die gesamte Branche einen immensen Wettbewerbsnachteil bedeuten, weil jedes ausländische Unternehmen im Online-Bereich grenzüberschreitend verkaufen kann. Ich möchte gar nicht auf die Europäer eingehen, sondern nehmen wir einmal die Chinesen, die ohnehin den Markt überfluten. So überfluten, dass sie noch nicht einmal Umsatzsteuer abführen. Wenn Sie heute eine Artikel kaufen, der von einem chinesischen Unternehmen angeboten wird und dann eine Rechnung bekommen, dann werden Sie feststellen: Sie ist netto ausgewiesen. Das heißt, es gehen Milliarden am Fiskus vorbei. Rein in Form von Umsatzsteuer. Genau diese chinesischen Unternehmen würden nochmals von einer Steuer profitieren, die den inländischen Unternehmen einen Wettbewerbsnachteil verschafft.

https://www.merkur.de/lokales/muenchen-lk/schaeftlarn-ort73337/google-millionen-nachzahlung-wegen-google-werbung-ist-absolut-irrwitzig-11792888.html

Der Herr Mayer wirft hier ein Kern-Problem des Steuer-Rechtes auf. Dessen Basis ist nämlich der Steuerzahler. Von denen gibt es aber nicht so arg viele, und es werden immer weniger.

Die chinesischen Händler, die er erwähnt, Google und Amazon haben sich in Eigentinitiative von der Steuerpflicht befreit. Bei den Hartz IV-Empfängern ist eh nichts zu holen. Ein beachtlicher Teil der Werktätigen zahlt zwar Steuern, das aber von einem so niedrigen Einkommen, dass ihre Familien am Ende des Monats noch einen Zuschuss vom Staat bekommen.

Erstaunlich ist die Kreativität, die das Finanzamt München III hier aufbietet, um diese Lücke zu schliessen. Da wird jemand wohl bald dahin befördert, wo er keinen Schaden mehr anrichten kann. Denn an dieser Stelle hat der Herr Mayer Recht – wer das Huhn schlachtet, sollte für den Sonntag kein Spiegelei erwarten.


Ei oder Dinosaurier – Was war zuerst da?

https://www.sportschau.de/weitere/allgemein/video-schneckenrennen-weltmeisterschaft-in-england-100.html

Die Übertragung dieses sportlichen Grossereignisses kann ich mir gut bei RTL vorstellen. Das ist bestimmt spannender als “Verdachtsfälle”.

Was haben eigentlich Arbeitslose getan, bevor es Privatfernsehen gab? Oder wurde der berufsmässige Arbeitslose erst danach erfunden? Massenarbeitslosigkeit gab es in Deutschland schon ab 1974, RTL plus erst seit 1984. Womit also füllte er seine Tage, der Erwerbmässig-Arbeitslose in jenen zehn düsteren Jahren zwischen dem Ende der Arbeit und einem Programm voller Spaghetti-Western und Lederhosen-Softpornos, das seitdem drastisch verkommen ist?

Und wieder haben wir eine Frage gefunden, über die ein Historiker promovieren könnte. 

Der Neue Simplicissimus Teutsch

Die Deutschen werden im Allgemeinen unterschätzt. Gewiss, gewiss, sie sind ein bisschen aus der Form dieser Tage, unfähig, auch nur ihren Hauptstadt-Flughafen fertig zu bauen, sozusagen verlottert. Mental gesehen stecken sie alle im Jogging-Anzug des Hartz IV-Empfängers. .

Aber sie sind auch die Erfinder des Automobils, des Fahrrads, des Kondoms aus Latex und der Reformation. Und sie sind wirklich, wirklich gut in Versöhnung. Der “Westfälische Frieden” von 1648 und das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland von 1948 sind Urkunden der Versöhnung. Denn am Ende von so viel Gewalt wie einem 30 Jahre langen Bürgerkrieg oder einem Weltkrieg müssen Täter und Opfer zusammen leben können.

Deshalb steht in unserer Verfassung das Verbot, einen Deutschen ins Ausland auszuliefern. Die Strafe, die ihn dort erwartet, mag gerecht sein, aber beim Verzeihen geht es ja gerade nicht um Gerechtigkeit. Andere Paragrafen vergelten erlittene Ungerechtigkeit schwächlich genug.

Beides wurde oft genug kritisiert und nie gelobt. Aber  in ihrer üblichen Art haben sich die Deutschen niemals eingestanden, worum es ihnen êigentlich ging. Sie hätten es damals auch nicht gedurft. Allzu ungezwungen hatten sie alle Gebote von Recht und Moral  nicht nur mit Füssen getreten, sondern sie auch gleich mit einem Panzer überfahren. Sie neigen ein wenig zum Extremen, die Deutschen.

Stadt der Löwen, Land der Langsamkeit

Spät erreichen Entwicklungen diese Ecke der Welt. Was andernorts bereits üblich ist, ist hier noch neu und wird kritisch betrachtet.

Die Mode vom letzten Jahr, das Auto, das vor fünf Jahren auf den Markt kam, das ist jetzt hier gerade modern. Manchmal fehlt einfach der Bedarf, manchmal die Neigung, irgendeinen Fortschritt einzuführen.

Die Ehe für alle wird mit Argwohn als etwas betrachtet, das an den Grundfesten des christlichen Abendlandes rüttelt. Wer hier vegane Lebensmittel sucht, wird am Ende wahrscheinlich an einer rohen Karotte knabbern. Immerhin gibt es für’s Car Sharing sogar einen speziellen Autotyp. Er heisst Lion’s City und wird von MAN hergestellt. Der Fahrer wird mitgeliefert. 

LionsCity

Mit einer neuen Entwicklung konfrontierte mich ausgerechnet der Food Distribution Assistant, der eben den Führungskräften die Pizza anlieferte. Statt eines adipösen Kochs oder einer Pizza war auf den Karton eine Stellenanzeige gedruckt.

Das freute denn den einen oder anderen der Kollegen aus der Produktion, die sich schon fragten, wo sie sich bewerben sollten. Die Antwort wurde ihnen sozusagen auf den Teller gelegt.

Für meine Tätigkeit bei der Pizzeria San Gregorio fragte ich mich, ob die Arge vielleicht Kartons sponsorn würde, die motivierend den finanziellen Unterschied zwischen Hartz IV und einem geregelten Einkommen darstellen. Menschen, die arbeiten, können sich öfter Pizza leisten und vielleicht sogar die mit Hackfleisch. Manchmal

À propos roh und Karotte:

vegSchwanger

 

Das fröhliche Landvolk

Als wir vor etlichen Jahren nach Lützling zogen, mussten wir uns nur mit der Ablehnung und Verachtung der Ortsansässigen herumschlagen, allesamt Enkel, Urenkel und Ururenkel von Bauern, die ihr Dorf nie verlassen hatten. Ihren Nachfahren war ihre beschränkte Weltsicht heilige Tradition und tiefe Überzeugung.

Inzwischen aber sind andere hierhin gezogen, Menschen wie meine Nachbarn auf der anderen Strassenseite, deren Leben erst bei Sonnenuntergang beginnt. Sie drängen sich auf 65 Quadratmetern, Grossmutter, Mutter, Tante, Enkelin, diverse, wechselnde Lebensgefährten und Gespielen, vier Katzen, vor der Türe dann drei Roller der Marke SYM.

Über ihnen wohnt ein Frührentner mit Alkoholproblem, schräg gegenüber ein junger Mann mit geringer Arbeitsmoral und einer Freundin, die im Sommer im Bikini im Aufblaspool neben der Türe sitzt. Die Strasse abwärts erfreut der Zahnlückige seine eigenen Nachbarn mit seinem Mangel an Benehmen und Moral. Ihm gegenüber wohnt eine Familie hinter zugenagelten Fenstern, ein wenig die Strasse hinab dann ein Paar, von dem sicher ist, dass sie beide keine Arbeit haben, und fast sicher, dass sie sich mit leichtem Betrug etwas dazu verdienen.

Nun gibt es aus dieser Beobachtung zwei mögliche Folgerungen. Die eine ist die sogenannte “RTL2-Vermutung”, die also, dass ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung Hartz IV bezieht und es als Lebensziel empfindet, in “Armes Deutschland” als Pflaumenaugust aufzutreten. Dieser Denkansatz ist wohl recht beliebt bei jenen, die viel fernsehen, also vermutlich selbst nicht oder nur eingeschränkt berufstätig sind.

Die andere Möglichkeit ist, dass durch das Wegsterben der Bauernenkel ihre Häuser leer stehen und ihre bauernschlauen Nachkömmlinge den Wohnraum an die Gemeinde vermieten. Die wiederum weist diese Wohnungen Flüchtlingen, Migranten und Einheimischen zu, die den beiden zuvor genannten Gruppen vermutlich zutiefst peinlich sind. Diese Idee, die insgesamt etwas schlüssiger als die andere ist, vertrat zumindest unsere Tierärztin, die in Ausübung ihres Berufes wie als Mutter eines Schulkindes wohl über das Thema nachgedacht hatte.

Ich dachte mehr darüber nach, wie sich diese Mischung aus Gesocks mit und ohne Geld auf den Wert des Hauses auswirkte.

Keine Zähne, aber grinsen

Unverrichtet zog der Gerichtsvollzieher Schibulski beim Zahnlückigen ab. Der arme Kerl bezieht Arbeitslosengeld II, hat nichts, ist nichts, hat nicht einmal ein Metier erlernt und fährt einen Jackfire-Roller von 2014.

Nicht alles davon deckt sich mit meinen Beobachtungen, aber alles mit meinen Erwartungen. Ich habe den Prozess nur geführt, weil er mich nichts gekostet hat. Paula hingegen ist wütend. Und zwar a) auf den Zahnlückigen, b) auf den Gerichtsvollzieher Schibulski mit dem schiefen Bein und c) ganz selbstverständlich auf mich.

JackFireRex Imola