Im Dienste der Öffentlichkeit

Nachdem ich gezwungen war, mich mit der Existenz von Funklöchern auseinander zu setzen, tat ich es auch. Während ich mir die geprellten Rippen rieb, installierte ich die Funkloch-App der Bundesnetzagentur und machte mich an die Erfassung des mobiltelefonischen Zustandes in Panzerbach, Lützelbach, Hagen und Gutundböse. 

https://breitbandmessung.de/

Tatsächlich ist das Ergebnis gar so übel nicht. Von Lützelbach selbst abgesehen, das nur 2G hat und einem massiven Funkloch mit dem Baumarkt in Panzerbach als Zentrum, ist die Versorgung mit 4G/LTE gar nicht so übel. Selbst vor der “Die Dorfschänke” in Leipen und auf der Rennstrecke zwischen der Kloster- und der Waldstrasse zeichnete die App die Verfügbarkeit von Long Term Evolution auf.

Das Unterfangen bedurfte zwar einer beachtlichen Menge elektrischer Energie, ergänzte aber die Daten, die andere Nutzer schon gemeldet hatten. Denn im Gegensatz zu denen befuhr ich ja eben nicht nur die Haupt- und Bundesstrassen, sondern durchquerte nächtlich auch Wohngebiete und stiess in Strassen vor, die von vernünftigeren Menschen eben gemieden werden. 

Beteiligten sich alle Beförderer von Teigwaren und Flachkuchen neapolitanischer Art an einem solchen Projekt, so hätte man gewiss nach längstens acht Wochen die präziseste Erfassung, die man sich vorstellen kann. Es gibt ja kaum genauere Kenner einer Gegend und ihrer Schönheiten als diese Gesellen, die selbst dorthin gehen, wo kein Paketbote oder Taxifahrer sich hin verirrt. 

Was die Schönheiten angeht, so bot mir eine junge Dame über eine Pizza Regina das Du an und nannte mir ihren Vornamen. Das fand ich sehr nett, sie selbst aber nicht wirklich schön.

https://www.spiegel.de/netzwelt/web/deutschland-warum-unsere-handynetze-so-schlecht-sind-kolumne-a-1297362.html

Nichts stört den Ablauf der Politik so sehr wie der Wähler

IMG_20190618_132011.jpgSchrittweise erkunde ich das Gebiet um meinen neuen Arbeitsplatz herum. Mal zu Fuss, mal mit dem Roller, immer Schritt für Schritt, immer auf der Suche nach Orten, die mich mit jener distanzierten menschlichen Gesellschaft versorgen können, die allein ich aushalten kann, und mit einer Cola. 

Nach dem Markt von Hagen erschloss ich mir den Bereich um den Jardin den Chine, danach den zwischen diesem Park und dem Gewerbegebiet. Das transportierte meine Kundschaft vom Kaufland am Markt zum Lidl. Das ist deutlich aufgeräumter, leerer und, alors, hat eine Klimaanlage!

So kann ich jetzt wieder spazieren gehend mir überlegen, in welcher Beziehung des Herrn Trumps Neigung, nur zu seinem Vorteil zu handeln, zu dem Preis steht, den ich für Heizöl zahlen muss. 

Insgesamt aber denke ich, dass die britisch-amerikanische Öl-Industrie, die Russen und sogar die Iraner am meisten profitieren, wenn sie mit kleinen und grösseren Gemeinheiten den Preis hochtreiben, es aber nicht zu einem Krieg kommen lassen. Dem Herrn Trump aber käme ein Krieg vielleicht zupass, könnte er ihn doch zum Anlass nehmen, sich selbst wieder zu wählen. Nichts stört doch den Ablauf der Politik so sehr wie der Wähler.

Der Markt von Hagen

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E,s kann sein, dass der eine oder andere Blog-Eintrag am Marktplatz von Hagen spielen wird. Der geneigte Leser stelle sich diesen Ort bitte als ein unregelmässiges Rechteck vor.

An der Ostseite stände an der Stelle einer Post die erwähnte Filiale von Kaufland, gerade so wenig anmutig wie das Vorgänger-Gebäude aus den 60ern. An den anderen Seite fänden sich ein Altenheim, ihm gegenüber ein Bahnhof, dazu verschiedene Geschäfte wie eine Eisdiele, eine Kebab-Bude, eine Versicherungsagentur, ein Telekom-Laden, ein Friseur, ein Gemüsegeschäft, die Filialen dreier verschiedener Volksbanken und eine Postagentur, die auch Tabak und Zeitschriften verkauft.

Das ganze belebe des Lesers Fantasie mit allerlei Menschen, Einheimischen wie Zugezogenen, Schwarzen, Rosanen, Braunen und Gelben, mit den Turbanen von Sikh, den Hijabs frommer Muslima, der konservativen Kleidung, die Deutsche mittleren Alters in der Provinz bevorzugen, dem obligatorischen Troll-Mensch-Mischling.

Junge Leute lungerten dort herum, ältere passierten den Marktplatz geschäftig. Vor dem Kaufland, gerade noch an der Peripherie des offenen wlans, ständen zu jeder Zeit zwei oder drei Flüchtlinge mit ihren Smartphones. Donnerstags sei dort ein Bauernmarkt für jene, die ihre Eier, Würste und Gemüse frisch und regional kaufen wollen.

Miss Paranoia lässt grüssen

Ich bin misstrauisch. In jeden Gesichtsausdruck meines potentiellen neuen Chefs interpretiere ich die Absage schon hinein, an die er wahrscheinlich nicht denkt.

Vor vielen Jahren rief mich einmal ein Unternehmer an, um mir abzusagen, gerade als ich losfahren wollte, um den Arbeitsvertrag bei ihm zu unterschreiben. Das war gut so. Sein Einrichtungsstudio war ein gutes halbes Jahr später geschlossen.

Aber solche Erfahrungen begleiten uns dann. Vor allem, wenn ein gewisser Jemand uns zwanzig Jahre lang erzählt hat, dass jeder neue Chef uns umgehend wieder feuern wird, sobald er uns erst einmal richtig kennt.

Dieser Arbeitgeber ist der einzige von drei oder vier Kandidaten, der noch im Rennen ist. Ein organisch wachsendes Unternehmen in Hagen, kurzer Arbeitsweg, identisches Jahresgehalt, Grosshandel mit Technik-Produkten

Wenn ich mir Zeit nehme, frage ich mich, was gewesen wäre, wenn ich gar nichts getan hätte, keine einzige Bewerbung geschrieben hätte, mich der Verantwortung verweigert hätte. Es gibt manchmal mehr als ein Richtig und mehr als ein Falsch. Manchmal ist auch alles falsch UND richtig.