Vielleicht kehren die alten Götter zurück

Vielleicht kehren die alten Götter zurück. Vielleicht brauchen wir die alten Götter wieder. Vielleicht waren sie auch nie weg. Sehr weit haben wir uns sowieso nicht von dem Glauben an sie entwickelt. 

Der Prosperity Gospel, die Verehrung von Santa Muerte, die der Madonna, das hat mit den einfachen Bedürfnissen der Menschen zu tun und nichts mit komplexen Theologien. Wir alle wollen akzeptiert werden, satt sein und uns sicher fühlen können. 

Das alles verspricht man uns für die nächste Welt, knüpft daran aber auch noch die Bedingung sozialen Wohlverhaltens und heterosexueller Neigung. Dafür überfordert man uns intellektuell dann auch noch mit der Idee eines Gottes, der drei Gestalten annimmt. Darauf verzichtet der Islam  zwar, ist sonst aber noch verklemmter ist als das Christentum und hat für fast jeden Aspekt unseres Lebens im Koran ein strafbewehrtes Verbot. 

Wie könnte ein solches Pantheon heute aussehen? Eine Gottheit der Barmherzigkeit mit einem weiten Herz für Kinder, für Homosexuelle und alle, denen das Leben übel mitspielt, eine Gottheit der Vernunft, weil daran immer Mangel ist, ein Dämon der Dummheit, dem wir alle mal heimfallen, ein Retter-Gott, der keinen hängen lässt. 

Die Namen dazu nehmen wir von den alten Göttern, deren neue Manifestationen sie sind. Die waren immerhin auch schon Manifestationen der gleichen Bedürfnisse, der gleichen universellen Prinzipien. Wir sind nämlich in keiner Weise fortgeschritten oder fortschrittlich sondern immer noch primitiv.

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Als Beleg führe ich gar nicht die vielen Kriege und Gemetzel an, die nicht anders sind als alle anderen Kriege und Gemetzel der Geschichte. Nein, mir reicht es einem zuzuschauen, der  die Kondensstreifen der Düsenflugzeuge betrachtet wie der Augur der etruskischen Religion und in ihnen düstere Vorzeichen sieht, sogenannte “Chemtrails”. Mancher glaubt auch heute, dass er durch die gebetsartige Wiederholung der Thesen Greta Thunbergs und Fasten und Opfern den Klimawandel aufhalten kann. Andere, manchmal auch die gleichen, sehen in der AfD oder Donald Trump den Heilsbringer. 

Beten wir also zu Pallas Athene, der Göttin der Weisheit. Beten wir zu Guan-yin, nennen wir sie auch Maria oder Isis. Beten wir zu Santa Muerte, der immer jungfräulichen Göttin, die keinen verachtet. Beten wir zu Innana, der Göttin von Liebe und Krieg, die den Etruskern Apanu hiess und vielleicht irgendwann zu Santa Muerte wurde. Ich glaube, wir werden bald alle Unterstützung brauchen, die wir bekommen können.