Eine wahre und echte Liebe

Ich bin heute nicht im Einklang mit mir. Irgendwas passt nicht zueinander, irgendwas ist nicht richtig. Ausserdem vermisse ich den Kater, der mich liebte, ich vermisse, ach, sogar bestimmte Fernseh-Serien.

Ich habe gelernt, dass diese Empfindungen bald weniger intensiv sein werden, dass sie mich aber nicht verlassen werden. Dass ich immer das Gefühl vermissen werde, dass ich hatte, wenn dieses doofe Vieh morgens neben meinem Kopfkissen lag,

Und das Gefühl, dass ich hatte, als ich in Sam Pucketts Verfressenheit meine eigene Angst erkannte. Von Sam habe ich übrigens auch swipen gelernt.

Ich vermisse auch The Dean, die Superschurkin der Serie “Carmilla”. Wo Ihr anderen bei der Liebe zwischen Carmilla und Laura dahin schmelzt, erwärmte ihr aus Liebeskummer gewachsener Wunsch nach der Zerstörung der Welt mein Herz.

Mein Liebeskummer allerdings ist die Frucht verletzter Eigenliebe, der einzigen Liebe, die ich wirklich empfinden kann. Und gerade deshalb ist es eine wahre und echte Liebe, um die mich mancher beneiden würde.

Ich öffne mich langsam dem Gedanken, dass Ihr nicht alle böse seid. Es gibt also vermutlich auch Menschen, die meines Hasses nicht würdig sind. Mit jedem Tag aber, den ich älter werde, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ich ihnen begegnen werde.

 

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Immer wieder begegne ich Menschen, die mir helfen wollen. Ich erkenne sie daran, dass sie mir empfehlen, meine Frau zu verlassen. Sie haben dann auch gleich ein ganzes Angebot von Arbeitsstellen, Wohnungen und Fortbewegungsmitteln, um zu ersetzen, was mir dann fehle. Dem allen steht neben meiner Trägheit auch meine Beziehung zu Freund dem Kater und die Sorge um Paulas Wohlergehen im Weg.

Jedoch ist mir vor einiger Zeit schon der Gedanke gekommen, dass es dem Kater vermutlich schnurzegal ist, wer ihm Gesellschaft leistet. Der kleine Streuner mit dem Lungenschaden, der seit einigen Wochen bei uns wohnt, scheint ihm so lieb zu sein wie ich.

Und Paulas Wohl hängt nicht zuletzt davon ab, dass sie Macht über jemanden hat, so auszugleichen, dass ihr Vater als Kind und Jugendliche Macht über sie hatte. Das jedenfalls ist meine Theorie, um zu erklären, wie sie ist und wie sie zu mir ist. Anderen hätte es gewiss genügt zu wissen, wie sie ist, um das Weite zu suchen und wahrscheinlich auch zu finden.

Ich hingegen weiss nicht einmal, wie man jemanden verlässt. Das ist Teil jenes Wissens über zwischenmenschliche Beziehungen, das mir fehlt. Dabei habe ich in den letzten Monaten doch einiges dazu lernen können.

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