Elise Bauman verstört mich

Einer der verstörendsten Instagram-Posts der letzten Wochen kam von Elise Bauman. Ich habe im Lauf der letzten Jahre ja einiges von ihr gesehen und gehört, aber das… 

Ich bin jetzt in gewissem Umfang traumatisiert von der Idee, dass es in Kanada Mobilfunkprovider gibt, die zusätzliche Gebühren für national roaming berechnen. National roaming, die Älteren unter uns erinnern sich noch, ist die Nutzung eines Mobilfunknetzes durch einen Mitbewerber, der knapp an eigenen Funkmasten ist. 

Wir in Europa haben dieses düstere Zeitalter hinter uns gelassen, ja, wir roamen quer durch die Europäische Gemeinschaft zuzüglich der Schweiz und Norwegens. Die Kolonisten jenseits des Meeres schlagen sich offensichtlich noch mit solchen Problemen herum. Wahrscheinlich müssen sie sich auch noch an den Grenzen zwischen Kanada, den USA und Mexiko von Zöllnern kontrollieren lassen. Wahrscheinlich ist Kommissar Rex für sie noch eine ultra-heisse Polizei-Serie. 

https://www.youtube.com/watch?v=Xqm_RECVwyg

Gut, wir haben bis jetzt noch nicht einmal eine Definition entwickelt, was die EU eigentlich ist. Möglicherweise ist es die erste neue Staatsform seit die alten Griechen nach der Monarchie die Demokratie und die Tyrannis erfunden haben. Oder etwas ganz, ganz  anderes. Immerhin haben ja nicht einmal alle beteiligten Staaten die gleiche Definition von Demokratie. 

Zusammengehalten wird das Ganze von Verträgen zwischen den Staaten, gegenseitiger Abneigung, wirtschaftlichen Vorteilen, einer enormen Bürokratie und dem Ehrgeiz gewisser Politiker. Die Zukunft für dieses politische Dings ist entsprechend grossartig. Denn wie wir mit den Wahlergebnissen aus Thüringen und dem Fortgang des Brexits belegen können, ist das politische System in den diversen Staaten verrottet und  die politische Kaste dekadent. 

Das schafft Freiraum, wo Natur und Zivilisation keinen dulden. Wenn ein Träger von Macht wegfällt, tritt ein anderer an seine Stelle. Wenn sich jemand einmal gefragt hat, wie die fränkischen Reiche, die Burgunder und Alemannen relativ kampflos die römische Herrschaft in Westeuropa ersetzen konnten, tja, genauso hat das funktioniert.

Die Schwarze Schar reitet wieder

Kassel zu Beginn des 19. Jahrhunderts: In der Hauptstadt des von den Franzosen regierten Königreichs Westphalen herrscht Jérôme Bonaparte. Jacob Grimm wird dessen Privatbibliothekar und arbeitet mit seinem Bruder Wilhelm an der berühmten Märchensammlung. In Paris wird gleichzeitig der Grundstein für die moderne Kriminalistik gelegt – eine wichtige Rolle spielt hier der ehemalige Dieb und Betrüger Eugène François Vidocq. Was wäre, wenn sich die Grimms und Vidocq getroffen und zusammengearbeitet hätten?

https://download.hr.de/presse/radio/hr2/2018/maerchenundverbrechen-106~_story-maerchenundverbrechen-100.jpg

Unter der Beschränktheit des Mediums, der Kürze des Podcasts leidet das Werk. Ich leide auch. Denn so gerne wäre ich tiefer in diese Welt eingetaucht, die Herr und Frau Koppelmann da entworfen haben.

Immerhin handelt es sich eigentlich um eine Diktatur. Die allerdings gestattet im Gegensatz zu denen, die wir aus dem 20. Jahrhundert kennen, den Staatsbürgern ein nicht unerhebliches Mass an persönlicher Freiheit. Da wird die Leibeigenschaft abgeschafft, wo sie sich denn noch hält, die Religionsfreiheit eingeführt und den Bürgern mosaischen Glaubens die Ausübung aller Berufe gestattet.  

All das halten wir heute für quasi für Basics. 1807 war das noch relativ neu. Mich interessierte an dieser Stelle auch, welche Wünsche die Untertanen König Jeromes haben, die mit dem Regime unzufrieden sind. Stört es sie, dass die Regierung vor allem aus Franzosen besteht? Ziemlich sicher. Störte es sie, dass sie sich ihre Religion und ihren Beruf aussuchen können? Wahrscheinlich nicht.

Von diesen Dissidenten treten im Hörspiel zwei Gruppen auf. Da gibt es einmal diverse Geheimbünde und auf der anderen Seite die Schwarze Schar, eine Guerilla-Armee, die unter dem Befehl des alten Herzogs die Franzosen bekämpft, um ihn wieder an die Macht zu bringen. Viele dieser “Franzosen” aber sind Deutsche, denn durch das ganze Land und alle Familien geht die Frontlinie zwischen alter und neuer Welt.

Die Koppelmanns setzen das französische Kaiserreich im Podcast einmal mit dem vereinten Europa gleich und nennen einen der Geheimbünde “Identitäre”. Genau davon hätte ich jetzt gerne mehr gewusst.

Wiedervereinigung

http://edition.cnn.com/2016/06/29/opinions/make-the-uk-the-51st-state/index.html

„There are four irresistible reasons why the UK should join in a permanent political and monetary union with the United States.

First, there’s trade. Why was the UK an EU member in the first place? It wanted easy access to a huge trading bloc — the biggest in the world. However, U.S. GDP is only slightly below the EU’s economic output. We’re No. 2! In fact, by some estimates, California by itself is the world’s eighth-largest economy.
Second, there’s regulation. The Brits were sick and tired of being told how curvy bananas could be and whether eggs could be sold by the dozen. But by becoming the 51st state, the Brits would get no-fuss trading with all other U.S. states, without the pesky regulations. We’re so lax about regulation, we let kids eat mac and cheese with Yellow Dye No. 5 and No. 6 — both banned in Europe!
Third, there’s travel. Sure, as EU members, Brits have been able to get into the fast lane at European airports, making it practically effortless to see the Parthenon in Greece or the Colosseum in Rome. But do they know there’s a full-scale replica of the Parthenon in Nashville, Tennessee? And did they forget about the Los Angeles Memorial Coliseum, which has been called „the greatest stadium in the world“ by the Los Angeles Memorial Coliseum website?
Fourth, there’s the overwhelming embrace Americans would give the Brits. We love everything the Brits do, everything the Brits make, and everything the Brits say (or at least the way they say it). I have friends on all sides of the political spectrum, and there’s one thing they all agree on: The UK is awesome. From Shakespeare to Sherlock, from the Royal Albert Hall to the royal family. And speaking of the „royals,“ Queen Elizabeth II and company could simply merge with America’s royal family — the Kardashians. They have about the same power over the government, and they’re just as much fun to photograph.“

Leute, kauft Kämme, die Zeiten werden haarig!

Langsam änderte sich die Welt, so langsam, dass es manchmal schien, sie würde es gar nicht tun, folge unseren Wünschen nach einer sanften Ruhe und Stabilität, die uns nicht überforderte. Das ist vorbei. Die Zeiten werden rauer, weil die Veränderung drastisch schneller wird. Das uns das alle überfordert, ist natürlich. Dass wir uns aufs heftigste beschweren und die Wiederherstellung des Status Quo fordern einschliesslich der Ausweisung aller Flüchtlinge und en passant jedes anderen, der Wellen in unserem Tümpel macht, auch.

Immerhin sind die ja in den Massstäben unserer Kultur wirklich in ihrer Mehrheit (noch) unwissende Barbaren. Manche sind darüber hinaus zweifelsfrei auch Schurken, ausgemachte Haderlumpen, wie die Südstaatler sagen. Allesamt aber sind von einer Sackgasse in eine andere geraten, von einem Kriegsgebiet ohne Chancen in eine Gesellschaft, die schon vielen Einwanderern aus Nordafrika und Vorderasien keine Chancen bot, die vor ihnen kamen, und an der Integration sovieler mit einer gewissen Zwangsläufigkeit scheitern muss.

Um Deutschland herum zerbröselt die Europäische Gemeinschaft zu einer Wirtschaftsförderation, die wahrscheinlich am Ende am Ehesten der Hanse des Mittelalters ähneln wird mit dem Euro als moderner Lübischer Mark. Von der kulturellen und politischen Gemeinschaft, die sich die Europäer nach dem Zweiten Weltkrieg erträumten, ist nach der Wirtschaftskrise von 2008 und der Flüchtlingskrise von 2015 nichts geblieben. Die Briten möchten gleich ganz aussteigen, Polen, Ungarn, Tschechen, ja selbst die Franzosen entdecken den Reiz des Nationalstaates wieder.

Die Wirtschaft der westlichen Staaten lebt schon lange von niedrigen Zinsen und niedrigen Ölpreisen und nicht mehr von dem, was sie leistet, was sie produziert und umschlägt. Und ja, ich weiss, dass ich hier an manchen Stellen von Deutschland spreche, an manchen von Europa und dann wieder von den westlichen Staaten inclusive der USA, Kanadas und Australiens als einer Einheit. Diese Dinge sind heute nicht mehr so einfach auseinander zu addieren, und auch das überfordert manchen.

Papas kleinem Prinzesschen, das Abitur mit den Leistungsfächern Musik und Sport macht und danach Medizinische Dokumentations-Assistentin auf Bachelor an der Universität Brücken-Hackpfüffel studiert, traue ich nicht recht zu, sich in diesen Zeiten zu behaupten. Da werde ich nicht einmal überrascht sein, wenn sie irgendwann die sofortige Aufhebung der Gleichberechtigung zu Lasten ihrer Männer fordern, die in Zukunft wieder ein adäquates Einkommen zu erwirtschaften und sich im Übrigen um alles zu kümmern haben.

Es könnte aber sein, dass ich vielleicht in dieser Beziehung ein ganz klein wenig voreingenommen bin, obwohl Paula wohl kaum weiss, wo Brücken-Hackpfüffel ist, und kein Pink trägt.

Hier einige Links zum ergänzenden Lesen:

http://www.n-tv.de/ratgeber/Gibt-es-den-grossen-Knall-article16707906.html
http://www.n-tv.de/politik/Koelner-Polizist-schildert-das-Chaos-article16715056.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCcken-Hackpf%C3%BCffel
http://www.emma.de/artikel/die-cinderella-industrie-265862
https://wordpress.com/read/post/feed/43823/900588567

Warum Deutschland Englisch als zweite offizielle Sprache einführen muss

http://www.huffingtonpost.de/chris-pyak/deutschland-englisch-als-zweite-sprache_b_7635024.html?utm_hp_ref=germany

Dann klappts auch mit Europa.

Denn bisher hakts ja mit der europäischen Identität, unserer als Europäer statt als Deutscher, als Briten, als Franzosen, daran, dass wir keine gemeinsame Sprache gefunden haben, in der wir unsere gemeinsamen Probleme ausdrücken können.

Brain For Hire

In gewisser Weise ist das erstaunlichste an der Europäischen Gemeinschaft, das sie auf vielfältige Weise vom Werbeflyer über die Aussagen der Politiker bis zum Vertrag von Lissabon ein besseres, freieres und gerechteres Leben für ihre Bürger verspricht und niemand enttäuscht ist, wenn sie dieses Versprechen nicht einhält.

Ob sie die Korruption in Bulgarien nicht stoppt, Orban & Co. in Ungarn nicht davon abhält, Zigeuner, Juden und Homosexuelle zu verfolgen, sich in einer weltweiten Finanzkrise einen Teufel um ihre Bürger schert und statt dessen die Banken rettet und die griechische Regierung erpresst, die gesellschaftlich anerkannte Reaktion ist ein Schulterzucken. Dabei sollte die Schulter nicht zu weit hoch gezogen, das Schulterzucken denn auch mit ein paar abwertenden Bemerkungen über den jeweils anderen europäischen Staat kombiniert werden.

Vielleicht war der Versuch, aus 26 verschiedenen Nationen ein einiges und doch verschiedenes politisches Gebilde zu schaffen, zu verwegen. Vielleicht ging er auch nicht weit genug, weil ein politisches Gebilde ohne gemeinsame Identität die Bedürfnisse der Menschen nur bedingt befriedigen kann. Ist dieser Versuch nun gescheitert? Wahrscheinlich – die Gegenbewegung der Nationalisten breitet sich aus wie Unkraut, das zwischen den Pflastersteinen hervordrängt.

Mal als links, mal als rechts empfunden propagieren diese Gruppen die Wiederherstellung der Nationalstaaten in den geistigen Grenzen vom 17. April 1951. Das ist nachvollziehbar, bedenkt man, wie lange die Entwicklung dieser Nationalstaaten gebraucht hat und wie aufwändig sie war, welchen Preis Menschen dafür über Jahrhunderte in Geld und Blut bezahlt haben.

Aber lässt sich diese Rückkehr überhaupt noch bewerkstelligen? Wie zieht man Zollgrenzen zwischen Staaten, die so lange ohne sie ausgekommen sind? Wie ersetzt man eine Währung durch viele? Und wie überzeugt man all jene Menschen, die von den Vorteilen der EU so angetan sind wie andere von ihren Nachteilen? Die deutschen Studenten in Österreich, die polnischen Bauarbeiter in England, die italienischen Krankenschwestern in Deutschland, niederländische, tschechische und rumänische Lkw-Fahrer überall in Europa, die erst einmal lernen müssen, was sonst nur Einwanderer über Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen, Formulare, Wartezeiten und Währungskurse sind.

Es tun sich hier einige Möglichkeiten für Politiker, Philosophen, Beamte, Organisations-Spezialisten, Blogger, Journalisten und Logistiker auf. Ich bin per e-mail, Facebook, Tumblr und WordPress zu erreichen und stehen dotierten Angeboten wohlwollend gegenüber.