Bin‌ ‌ich‌ ‌oder‌ ‌bin‌ ‌ich?‌

Betrachte‌ ‌ich‌ ‌das‌ ‌Chaos,‌ ‌das‌ ‌ich‌ ‌gerade‌ ‌veranstalte,‌ ‌gibt‌ ‌es‌ ‌nur‌ ‌zwei‌ ‌Möglichkeiten.‌ ‌
Entweder‌ ‌ich‌ ‌bin‌ ‌ein‌ ‌Idiot‌ ‌oder‌ ‌so‌ ‌sehr‌ ‌von‌ ‌meinem‌ ‌Leben‌ ‌überfordert,‌ ‌dass‌ ‌ich‌ ‌mich‌ ‌wie‌ ‌einer‌ ‌verhalte.‌ ‌Ich‌ ‌hoffe‌ ‌jetzt,‌ ‌dass‌ ‌die‌ ‌zweite‌ ‌Variante‌ ‌stimmt.‌ ‌ ‌

Denn‌ ‌zur‌ ‌Alternative‌ ‌sagt‌ ‌das‌ ‌deutsche‌ ‌Sprichwort‌ ‌sehr‌ ‌klar:‌ ‌“Doof‌ ‌bleibt‌ ‌doof.‌ ‌Da‌ ‌helfen‌ ‌keine‌ ‌Pillen.”‌ ‌Im‌ ‌anderen‌ ‌Fall‌ ‌gibt‌ ‌es‌ ‌Antidepressiva,‌ ‌um‌ ‌den‌ ‌Druck‌ ‌zu‌ ‌reduzieren.‌ ‌Man‌ ‌
kann‌ ‌parallel‌ ‌dazu‌ ‌auch‌ ‌seine‌ ‌Lebensverhältnisse‌ ‌verkleinern,‌ ‌um‌ ‌der‌ ‌Überforderung‌ ‌
Grenzen‌ ‌zu‌ ‌setzen.‌ ‌ ‌

Dann‌ ‌gibt‌ ‌es‌ ‌natürlich‌ ‌Psychotherapie‌ ‌als‌ ‌eine‌ ‌Hilfe,‌ ‌um‌ ‌das‌ ‌Leben‌ ‌im‌ ‌Zustande‌ ‌
permanenter‌ ‌Überforderung‌ ‌auszuhalten..‌ ‌Aber‌ ‌da‌ ‌sind‌ ‌die‌ ‌Wartezeiten‌ ‌6‌ ‌-‌ ‌9‌ ‌Monate,‌ ‌und‌ ‌man‌ ‌muss‌ ‌alle‌ ‌6‌ ‌Wochen‌ ‌anrufen,‌ ‌um‌ ‌nicht‌ ‌wieder‌ ‌von‌ ‌der‌ ‌Liste‌ ‌gestrichen‌ ‌zu‌ ‌werden.‌ ‌ ‌

Wäre‌ ‌ich‌ ‌ohne‌ ‌diese‌ ‌Behinderung‌ ‌heute‌ ‌beruflich‌ ‌weiter?‌ ‌Vielleicht,‌ ‌aber‌ ‌vor‌ ‌allem‌ ‌wäre‌ ‌ich‌ ‌wahrscheinlich‌ ‌zufriedener.‌ ‌Da‌ ‌nun‌ ‌wohl‌ ‌eine‌ ‌Karriere‌ ‌und‌ ‌reichlich‌ ‌Geld‌ ‌als‌ ‌Ziele‌ ‌wohl‌ ‌vom‌ ‌Tisch‌ ‌sind,‌ ‌ist‌ ‌das‌ ‌einzige‌ ‌verbliebene,‌ ‌logische‌ ‌Ziel‌ ‌jetzt‌ ‌also‌ ‌zu‌ ‌heilen.‌ ‌

Rezeptplaner

Hätte Gott gewollt, dass ich anders bin, hätte er mir einen Verstand gegeben. Eine Vogelscheuche ohne Dorothy wanderte ich durch Weißenburg und bestaunte, was ich nicht verstand, weil ich es nicht kannte. Automatische Rezeptberater hat es bei uns im Rewe nicht, da erledigt das noch die Nachbarin. Und man braucht sie nicht einmal zu fragen.

Da, wo ich wohne, gibt es auch kein Zara, kein Primark und kein H& M. Das mag daran liegen, dass dort viel weniger Menschen leben als in Weissenburg, das immerhin etwa 500.000 Einwohner hat. Bing behauptet, dass diese Ladenketten Kleidung verkaufen. Ich kaufe das wenige, was ich an Kleidung brauche, bei Takko, weil und wenn sie mir einen Rabattgutschein zuschicken.

Die Buchhandlung war voller Kunden, die Bücher und CDs und e-books kauften. Ich bekomme meine e-books von einem Netzwerk von Websites, deren Angebot weit vom Mainstream entfernt und vor allem kostenlos ist. Heute ist es einfach, zur kulturellen Avantgarde zu gehören, wenn man kein Geld hat. Aber warum warten morgens um zehn Menschen vor dem Telekom-Shop und dem Beate-Uhse-Shop? Mit dem einen Thema habe ich abgeschlossen, als ich einen Vertrag mit Congstar gemacht habe, beim anderen dauerte es viel länger.

Ich lebe in einer Parallelwelt. Immer noch, immerfort.

Und für einen Tag lebte ich auch im Palast-Hotel, einer Orgie aus Plüsch, Marmor und Goldlack, von Kronleuchtern mässig erhellt. Es fehlte dem Hotel allerdings das GSPP, das Gütesiegel polnischer Putzfrauen. Und die Tiefgarage war für alle Typen von Motorrollern und Kleinwagen vom Borgward Lloyd bis zum Fiat Cinquecento geeignet. Allerdings hatte es die Illinois Electro Door versäumt, mich mit einem solchen Fahrzeug auszustatten. Der Versuch, einen Mittelklassewagen dort einzuparken, hatte dann eine gewisse Ähnlichkeit mit dem eines Elefantenbullen, eine Ricke zu bespringen.

Palasthotel

Von Juden und Dummheit

http://www.huffingtonpost.de/2014/09/14/antisemitismus-protest-merkel-rede-vor-dem-brandenburger-tor_n_5810232.html?utm_hp_ref=germany

„Wir wollen, dass sich Juden in Deutschland sicher fühlen. Sie sollen spüren, dass dieses Land unser gemeinsames Zuhause ist“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel…

Ich wünschte mir, dass in diesem Land alle Menschen sich sicher fühlen könnten. Da bin ich vielleicht etwas weniger beschränkt als die Plüsch-Kanzlerin. Dabei bin ich doch schon ziemlich beschränkt.

Eben ist mir nämlich aufgefallen, dass die Reise an den Rhein, auf die ich mich gefreut habe, erst im November ist. Dabei hatte ich schon ein Zimmer im Kaiserhof gebucht, einem der besten 2-Sterne-Hotels von Düsseldorf. Hätte ich das gestern gewusst, hätte ich den Rest des Vorschusses, den ich für die beiden Reisen nach Nordrhein-Westfalen erhalten hatte, bei der nächstbesten Aral-Tankstelle dafür ausgegeben, den Firmenwagen bis zum Anschlag zu tanken, ein Vorgang, der mir einen stattlichen Zuwachs an Payback-Punkten beschert hätte. Die wiederum hätte ich bei DM in Katzenfutter und Katzensand umwandeln können.

Aus dieser und anderen Erfahrungen mit der menschlichen Dummheit heraus – ich bin seit 1986 Kundenbetreuer – werde ich versuchen, Strasssteinchen davon zu überzeugen, ihren Sprössling Karl zu taufen. Denn speziell unter dem Einfluss von Sonnenflecken und Magnetstürmen kommen wir dummen Menschen eben am besten mit Namen klar, die höchstens fünf Buchstaben haben. Und da empfiehlt sich eben für den Sohn von jemandem mit Strassteinchens “Approach” schon eines grossen Kaisers Name, also Karl, denn Gaius Iulius Caesar Octavianus Augustus hat eben doch etwas mehr als fünf Buchstaben.