Ist es ein Widerspruch, wenn wir in unserer Gesellschaft unseren Kindern höchst-prätensiöse Namen geben, auf der anderen Seite aber alle Toten-Kulte bis hin zum anonymen Begräbnis zurück fahren?

Bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts hinein blühte das Geschäft des Steinmetzes, der aus Carrara-Marmor noch dem letzten Kleinsparer ein opulentes Grabkreuz meisseln durfte, während als Name ein schlichter Günter, Hans, Michael oder ein Thomas einzugraben war. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund für diese Veränderungen in der Kultur; das stellt dann einige Schlüsse infrage, die Archäologen daraus ziehen, ob sich die Menschen einer bestimmten Region zu einer bestimmten Zeit verbrennen oder begraben liessen.

Ich dachte über dieses Thema nach, während mich Paula schlecht gelaunt anschrie. Vielleicht hätte ich stattdessen über ein anderes, realistisch betrachtet näherliegendes Thema nachdenken sollen, wurde aber einmal mehr von den Gefühlen abgelenkt, die sie bei mir auslöste.

Um eine der grössten amerikanischen Dichterinnen des frühen 21sten Jahrhunderts zu zitieren: “You, with your words like knives… You have knocked me off my feet again. Got me feeling like I’m nothing. … Calling me out when I’m wounded.” Aber diese Gefühle verbrauchen sich bei steter Wiederholung wie sich jedes Werkzeug abnutzt, wenn man es nur oft genug gebraucht. Oder wie sie an anderer Stelle im gleichen Gedicht sagt: “All you are is mean And a liar, and pathetic, and alone in life.” (https://www.youtube.com/watch?v=jYa1eI1hpDE)

Wir können also folgern, dass wer von Taylor Swift lernt, siegen lernt. Das allerdings widerspricht meiner verinnerlichten Misogynie, ist sie doch unbestreitbar eine Frau. Diesen Konflikt habe ich sonst nur bei Buffy Anne Summers, Lisbeth Salander, JK Rowling und vielleicht noch bei der Frau wie ein Lancia.

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Gespräche am Pizza-Ofen

Ich beobachtete Sa’adi, während er eine Pizza belegte. Der kleine Kerl scheint seine eigene Auslegung des Korans zu haben. Das Fleisch, das er da sparsam verteilte, war definitiv nicht helal, das, von dem er sprach, auch nicht. So ich ihn richtig verstand, hat er ein Bratkartoffelverhaeltnis mit einer Polin.

Das eigentliche Thema dahinter ist die Einsamkeit des Einwanderers, den sein Mangel an Sprachkenntnissen und die Zahl seiner Arbeitsstunden isoliert. Aber vielleicht ist der Kurzgeratene auch zu wählerisch. Sie hat ihm immerhin an Neujahr eine SMS geschickt. Ich habe sie ihm von seinem Samsung E1050 vorgelesen, sein Assistent hat ihm geholfen, sie zu beantworten.

Was er aber über “gute Frauen” sagte, machte mir klar, dass mir im ganzen Leben nur eine davon begegnet ist. Macht es mich traurig, dass ich keine Chancen bei ihr hatte oder dass ich ihrer nicht wert war? Zeus war es auch nicht, aber er hatte den anthropologischen Vorteil von Größe, Fähigkeit, sie und ihre Kinder zu ernähren, und Ungebundenheit.

Honi Soit Qui Mal Y Pense

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