Der Vater ungezeugter Kinder

Ich betrachte mein Profil bei Xing. Es stellt eine Karriere dar, die vom Verkaufsleiter über den Kundenbetreuer bis zu meiner jetzigen Position abwärts verläuft. Die einzige mögliche Folgerung ist, meine aktuelle Stellung mit einem poetischeren Begriff glänzender zu umschreiben.

Gewiss, die Aussichten, dass ich in meinem Alter dieses Profil noch einmal brauchen werde, um einen weiteren Arbeitgeber zu beeindrucken, sind gering. Aber sicher ist nun einmal sicher und Vorsicht sowohl die Mutter der Porzellankiste als auch der Vater ungezeugter Kinder.  

Ich war eigentlich eh nur auf dieser Internetseite, um mit einem Marokkaner darüber zu diskutieren, ob er sich auf meine alte Stelle bewerben solle. Jedoch hatte mich auch des Kleinen Bruders kleiner Bruder, einer von denen, die nicht mit Lisa-Lena-Marie schlafen, gebeten, bei Elvira nachzuhaken, ob ihr Arbeitgeber, ein als Aktiengesellschaft organisiertes Drogenlabor, nicht Auszubildende suche.

Zwar werden für manche Berufe händeringend Kandidaten gesucht, aber gleichzeitig drängen sich viele der begabteren Exemplare um wenige Stellen in ganz bestimmten anderen Berufen, etwa im Bereich Controlling. Denn – so scheint es wenigstens mir – je weniger Berührung ein Metier mit Kunden bietet, desto erstrebenswerter scheint es vielen.

In diesem Sinne ist der optimale Arbeitgeber ein Online-Shop. der statt eines Kundendienstes ein Forum hat, in dem sich Kunden gegenseitig beraten. Der braucht nur einen gerissenen Steuerberater, ein Team von Programmierern und ein paar Schwergewichts-Anwälte für die Drecksarbeit.

Aber. meine Damen, meine Herren, liebe Freunde, genauso ein Shop kann auch in Shenzhen, Singapore oder Quezon City sein. Da schaut Ihr dann in die Röhre. Oder was auch immer in den Tagen röhrenloser Fernseher das aktuelle Synonym dafür ist, dass  ein genialer Plan eine Null-Nummer ist.

Ich vertrat in der Vergangenheit wie viele andere auch die Idee, dass Kasachstan vom Aufstieg Chinas profitieren würde. Wahrscheinlich wird das auch der Fall sein. Aber was, wenn irgendein Marschall Wong auf die Karte schaut und feststellt, dass sich dieses Land, das vor allem Ebene ist, sich doch ganz trefflich eignet, um mit Schlachtflugzeugen und einer Panzerarmee den Russen zu zeigen, was eine Harke ist?

Sibirien hat nämlich viele schöne Orte… und Gold, Öl, Erdgas, Holz, Chromit, Fisch, Uran, Salz, Bauxit, Eisenerz, Wasserkraftwerke und Platz für viele, viele Menschen. Das sind alles Dinge, die China braucht. Wenn aber einer etwas dringend braucht und ein anderer es herum liegen hat, ist Raub die traditionelle Lösung. Unter Staaten heisst man das dann Krieg, und es gibt Orden für einige und Gräber für viele.

Ich zitier an dieser Stelle mal den amerikanischen Philisophen John Wayne:

„Wir haben nichts falsch gemacht, als wir ihnen dieses großartige Land weggenommen haben. Dieser sogenannte Diebstahl war nichts anderes als eine Frage des Überlebens. Es gab eine große Zahl von Menschen, die neues Land brauchten, und die Indianer versuchten, es aus selbstsüchtigen Gründen für sich zu behalten.“

Wenn ich alter Sack aber in zwei verschiedenen Richtungen denken kann, dann sollte es Euch jungen Menschen auch einfallen. Sonst sieht Euer Xing-Profil eines Tages genauso deprimierend aus wie das meine heute.

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