Schauspielunterricht für Manager

Wie bedauerte ich, dass der Tzar vor uns stand und nicht, sagen wir mal, Annie Briggs. Denn viel besser als er hätte Luvvie die Vorgesetzte darstellen können, die den Austritt einer geschätzten und langjährigen Mitarbeiterin bedauert. Ihm nahm ich seine dicken Krokodilstränen nicht ab, als er uns verkündete, dass Elvira sich auf einen neuen Beruf verlegt.

Sie wartete denn auch nur, bis er ausser Sichtweite war, um zwei Flaschen Cremant d’Alsace für sich und die anderen und eine Flasche Freeway-Cola für mich zu dekantieren. Ich wartete nicht viel länger, um den Herrn Ambros per Whatsapp zu informieren. Der spekuliert seitdem, ob um welches Metier es sich handele und ob es gar eines sei, zu dem es ihr nicht so sehr an Talent fehle wie zu jedem anderen, das sie bisher ausgeübt hat.

Ich hingegen sehe mich mit der Notwendigkeit konfrontiert, mir eine Meinung über sie anzuschaffen. Denn in der einen oder anderen Weise muss ich ja bald vielleicht mit ihrem Nachfolger über sie sprechen. Werde ich gewohnt abfällig sein, überschwänglich lobend oder lege ich meine Darstellung eher sachlich-durchwachsen aus?

Und versuche ich mich bei ihm zu profilieren oder lasse ich das als nutzlos ausfallen? Die Erfahrung spricht gegen alle Anstrengungen in dieser Richtung.

+886

I was trying to figure out if Wesbecker was in any way “justified.” That is to say, did former employees and victims think that he simply snapped, as the popular conception tells us, or did they think he was driven to desperation by circumstances within the company. I’d expected that Campbell, as a disfigured victim who barely escaped with his life, would have recoiled at the very suggestion. But according to Allie, his first response was, “Hell, everybody supported him, everybody understood where he was coming from. His only problem was that he shot the wrong people.”

Going Postal – Rage, Murder and Rebellion, Mark Ames

Der Betriebsrat versucht gerade festzustellen, wer sein Ansprechpartner ist. Da steht er nicht allein; eben sprach ich in meiner Funktion als Kundenbetreuer mit einem beamteten Wirtschaftsprüfer, der unseren Finanzdirektor suchte. Ich gab ihm seine Telefonnummer, die mit +886 beginnt.

Als Mitglied des Betriebsrates ist meine Weltsicht da noch schlichter. Unser Gegenüber ist per definitionem Geschäftsführer oder Leitender Angestellter, eine(r), der/die/das Personalentscheidungen treffen kann. Da sieht das Gesetz im Gegensatz zur Realität einen Standort in Taipeh nicht vor.

Der Tzar hat nämlich nach einem kurzen Blick auf die Abteilungsleiter, die ihm seine Vorgängerin hinterlassen hatte, sie alle bis zum Grad ihrer Inkompetenz degradiert. Und das waren ziemlich viele Stufen auf der Leiter hinunter. Dabei wusste er nicht einmal, dass Elvira abends nach der letzten Messe sturzbetrunken Kurs auf das Hotelzimmer eines wichtigen Kunden genommen hatte, ein Unterfangen, bei dem sie erst von ihrer Assistentin und dann von ihrem Zustand gestoppt wurde.

Das Organigramm, das wir erhalten haben, sieht  entsprechend aus wie von einem 6-jährigen gezeichnet. Die Hälfte der Mitarbeiter ist für irgendetwas verantwortlich, aber keiner so sehr, dass er eine Entscheidung treffen könnte, und keiner kann einen Arbeitsvertrag oder eine Kündigung unterschreiben.

Um allen Missverständnissen vorzubeugen, ich gehöre nicht zu dieser irgendwie verantwortlichen Hälfte. Entweder bin ich bereits abgeschrieben oder gehöre zu denen, die um Himmels niemand für irgendetwas zur Verantwortung ziehen können sollte.

“An AT&T executive asserted: ‘The employee ought to be made to feel that you are his superior, but that you respect his feelings and wants.” (a.a.o.)

Niemand von uns hat wirklich das Gefühl, das man uns respektiert, einige nicht einmal, dass man sie braucht. Wer kündigt oder als Gekündigter seinen Abgang vorzieht, den lässt das Management mit einem Schulterzucken dorthin ziehen, wo ein höheres Gehalt, Aufstiegschancen und Entwicklungsmöglichkeiten winken.

Die Kündigung des Neandertalers allerdings wurde mit Pauken und Trompeten (= einer beachtlichen Gehaltserhöhung und dem Versprechen von bezahlten Weiterbildungen) zurückgenommen.

Der Kurier des Tzaren

theworst

Der Tzar sandte die Kündigungen per Kurier an einem Sonntag Abend. Herr Strogoff besuchte dann die Hälfte meiner Kollegen, band sein Mongolenpferd an ihre Zäune und an Lichtmasten vor ihren Türen, um seinen Brief bei ihnen einzuwerfen.

Mich jedoch besuchte der zuverlässige Kurier mit der Pelzmütze nicht. Ich ziehe jetzt in Erwägung, deswegen zutiefst beleidigt zu sein. Immerhin gehöre ich solange zum Team, dass man mich und meine Arbeit wenigstens in dieser Form hätte würdigen können. Ausserdem hatte ich für diesen Fall schon einiges geplant, in dem die Abfindung eine tragende Rolle spielen sollte.

Der Neandertaler ist nicht mehr da, Mimi ist nicht mehr da, Laroux, Dionysos, der Typ im Cocktailkleidchen und etliche mehr, die nicht durch ihre eigene Schuld in diesem Blog nicht auftraten, im Leben aber sehr präsent und in einigen Fällen auch tüchtig waren. Sie ersetzte ein Mangel an Strategie, den ich dem Tzaren anlaste. Entweder weiss er nicht, was er tut, oder er weiss sehr genau, was er tut, und es ist etwas ganz anderes, als sowohl die Unternehmensleitung von Yoyodyne als auch wir, seine getreuen Unterlinge, denken.  

https://www.goodreads.com/ebooks/download/17456778-jules-verne—michael-strogoff—der-kurier-des-zaren—vollst-ndig-ber

http://www.j-verne.de/verne21.html

 

Play-Pen-Bunny

002_beschattung

(Vorbauelement)

Bunny erweist sich als eine Mogelpackung im positivsten Sinne. Denn wo sie als junge Frau mit heftigen „Vorbauelementen“ in der Bluse harmlos wirkt, ist sie in Wirklichkeit eine geschickte und intelligente Taktikerin.

Und sie ist stinksauer auf den Tzaren und einige Leute mehr. Er hat ihr nämlich einen Bonus im Wert von 5.000 Ecu gestrichen. Seine Begründung war, dass er ja nicht durchgelesen hätte, was er vorher unterschrieb.

Darauf habe er sich ihrer Darstellung nach dann entschuldigt, gefragt, ob sie wirklich über gerade mal 5.000 Mücken redeten und sie dann vollends überzeugt, indem er ihr die Kündigung anbot. Sie ist noch da, ärmer und weiser. Immerhin hat sie einiges darüber gelernt, was sie von Vorgesetzten und engsten Kollegen erwarten kann.

Das beförderte nun ausgerechnet mich zu einem ihrer bevorzugten Assistenten bei der Gründung eines Betriebsrates. Dabei hoffte ich doch nur auf eine mit Kündigungsschutz verbundene Position als Reserve-Mitglied. Ich wäre auch bereit, mich vom Tzaren in irgendeiner Weise bestechen zu lassen, gäbe es denn in seinem Portemonnaie eine Münze, die dafür klein genug wäre.

Karriere? Hammernet, ist aus

SonHub

Meine neuen Vorgesetzten googlend lande ich immer wieder in Sackgassen. Ist man heute prinzipiell in sozialen Medien nicht mehr präsent? Ist es ein Privileg der Arrivierten? Ist es vielleicht Zeit für eine neue Verschwörungstheorie?

Der Tzar konfrontierte mich in der Zwischenzeit mit einer Frage, die ich mir in diesem Unternehmen bisher nie stellen musste. Er bestand nämlich darauf, dass ich in einem Personalbogen den Abschnitt über meine Karriereplanung ausfülle.

Karriere? Haben wir hier noch nie gehabt. Wo kommen wir denn da hin. Da könnte ja jeder kommen. Und wo Elvira Manager ist, macht sowieso nur eine Person Karriere, und die hat den gleichen fragwürdigen und ziemlich einzigartigen Geschmack in Kleidung wie sie.

Sollte ich die Impertinenz, mit der er auf einer Antwort besteht, als ein Zeichen sehen, dass meine Anwesenheit hier auch weiterhin erwünscht ist?

Oder ist es einfach die umfassende Unfähigkeit zu verstehen, dass das hier die Teufelsinsel der Antriebs- und Ehrgeizlosen ist? Dass wir jahrelang nur die Statisten waren, die das Folio für die Selbstbeweihräucherung unserer Vorgesetzten waren? Dass wir gelernt haben, nichts anderes zu erwarten?

Da fällt es selbst mir schwer, mich wieder zu motivieren. Zumal Paula ja darauf besteht, dass meine kognitiven und sozialen Fähigkeiten mich nicht einmal zu der Tätigkeit qualifizieren, die ich jetzt ausübe.

How to outrun an angry clown on a unicyle

Eine Darstellung eines Besuches im Outlet eines frisch aquirierten Grosskunden entlockte dem Tzaren statt seines üblichen Noted! ein Well Done! sogar mit einem zusätzlichen Looks Great!

Ursache könnte hier sein, dass ich a) getan habe, wozu er seine Angestellten ganz allgemein aufgefordert hatte, b) sehr kurz und sachlich und weitgehend unter Verzicht auf Personalpronomen geschrieben habe und c) ein einziges und in seiner Grösse reduziertes Foto mitversandte. Auf das bezog sich wahrscheinlich das „Looks Great!“

Ich folgere daraus einiges über die Bedingungen, unter denen ich am effizientesten mit ihm kommunizieren kann. Denn so unangenehm ein solcher Informationsaustausch für beide Seiten sein mag, so ist er doch vermutlich hin und wieder nicht zu vermeiden.

Den Rest des Abends verbrachte ich auf angenehmere Weise, hatte ich doch vorher Paula erzählt, ich nähme an einem Geschäftsessen teil.

Als Titel für diesen Blog Post verwende ich ein abgewandeltes Zitat von Portia Vallon aus Episode 14 – „Fish in a Barrel“ aus der Serie „All for One“.

Mimi und Kabale

Mimi schwitzt über einem Stapel sogenannter Announcements, mit denen sie uns nachher per e-mail die Versetzungen, Entlassungen und Degradierungen diverser Kollegen mitteilen will.

Feldman wechselt wieder vom Verkauf in die Technik, dort dem kalt gestellten Dionysos jenes Sachverständnis liefernd, das ihm wie jedes andere fehlt, und Elvira ersetzt den Nassauer. Todesmutig habe ich mich mit ihr zu einem informellen Meeting bei der Firmenfeier verabredet, um heraus zu finden, was sie denkt, dass ich tue, dabei aber behauptend, ich wolle mit ihr besprechen, was ich für sie tun kann.

Sollte das darauf hinaus laufen, dass ich wieder allein den Service für ganz Europa machen soll, nun, werde ich nicht glücklich sein. Ich habe zuviel Spass am Verkauf und den Schulungen. Das I Ging spricht allerdings nur von Anfangsschwierigkeiten und empfiehlt:

„Halten Sie beharrlich an Ihrem Plan, Ihren Zielen und Ideen fest. Seien Sie aber auch bereit, vielleicht einen neuen Weg dorthin zu suchen, einen Umweg zu machen oder das Ziel neu auszurichten. Erzwingen Sie nichts. Halten Sie vorsichtig inne, wenn Sie nicht wissen, wohin der nächste Schritt Sie bringen könnte.“

Den begehrten Platz zur Rechten des Tzaren ergatterte übrigens der Kollegen keiner. Statt dessen reservierte er ihn einem Tejano, einem Veteranen des Verkaufes, der zugleich das Vertrauen der Konzernleitung geniesst. Er soll uns von dort zu Hilfe eilen, um seine Verbindungen im europäischen Markt spielen lassen.

Ich vermute spontan, dass er aber viel eher analysieren soll, warum es uns unserer erheblichen Fähigkeiten und tauglichen Produkten zum Trotz nicht gelingt, unsere Vorgaben zu erfüllen.

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