Ja, was will ich denn?

Der Herr Ambros fragte mich im Whatsapp-Chat, was ich denn eigentlich will. Er ist der einzige, den das interessiert. Selbst ich bin da nicht auf dem Laufenden und musste entsprechend lange über die Antwort nachdenken. 

Tatsächlich will ich wohl langfristig meine Depression los werden und Paula. Beide kleben allerdings hartnäckig an mir und profitieren vom jeweils anderen. Dann hätte ich gerne noch ein bis zwei Jobs von jener Art, mit der ich zurecht komme, ein bis zwei Zimmer mit Küche, Bad und Anschluss an den Öffentlichen Nahverkehr, einen Motorroller mit 4-Takt-Motor und 12-Zoll-Rädern und eine Casper-Matratze. 

Ich habe schon ein paar Ideen, wie ich meine Zeit verbringen könnte. Persönliche Beziehungen, gemeinsamer Besitz von Immobilien und ein eigenes Auto kommen darin eher nicht vor. Denn ich habe vor, allen und allem aus dem Weg zu gehen, was nicht gut für mich sind, die mich überfordern. Den Rest der Zeit möchte ich dann mit den Zehen wackeln, solange es denn noch geht.   

Metamorphose

Am übelsten Tag des Weihnachtsverkaufes beobachtete ich die Verkäufer im Mondo-Kaufhaus. Da wurde mir klar, wieviel ich erlebt und erlitten hatte, als ich an ihrer Stelle war. 

So verstand ich endlich, wieviel negative Erfahrungen sich in mir angesammelt hatten. Wieviel Ablehnung habe ich erlebt, wieviel Dunkelheit! Wahrscheinlich nicht mehr als jeder andere; ich habe nur lange genug gelebt, um es zu verstehen. 

Die Triebfeder meines Lebens war der Wunsch, Anerkennung und Liebe von anderen zu erlangen. Dafür habe ich gearbeitet, dafür habe ich gelogen und manipuliert. Aber bedeutet das nicht vor allem, dass ich mich selbst nicht genug geliebt habe?

Diese Frage ist weniger wichtig als die, wie ich mich jetzt weiter entwickeln kann. 

Das Fest des Friedens und der Familie

Irgendwann am Ende eines stundenlangen Vortrages über meine Defizite zog ich die Verwendung einer Wäscheleine in Erwägung. Es gibt da im Keller ein solides Stahlregal, das mit der Wand so verbunden ist, dass sich einer dran aufhängen kann. Deutsche Heimwerkerqualität eben

Ich verschob die Ausführung dann aber. Schliesslich kann man derlei Dinge ja an jedem Tag erledigen. Das muss also nicht unbedingt heute sein. Aber die Vorteile einer solchen Vorgehensweise liegen auf der Hand. Denn einerseits könnte ich dorthin, wo Freund der Kater auf mich wartet, auf der anderen Seite bekäme Paula von der Lebensversicherung, was sie verdient, also nichts. 

Foto0209Eine Stunde später unterhielt ich mich an der Fleischwarentheke mit einem Gastronomen über das klassische Problem, ob denn Hähnchenschenkel oder -flügel vorzuziehen seien. Er argumentierte vom Standpunkt des Gourmets, ich von dem des Gourmands aus. 

Das Fabergé-Ei in der Verfinsterung des Lichts

Die Umstände meines Lebens sind von jener Art, die niemand schätzt. Denn wer mag es schon, wenn er zu schwach ist, um eine Situation auszuhalten, zu feige, sie hinter sich zu lassen und nicht dumm genug, um sich beider Eigenschaften nicht bewusst zu sein.

Das I Ging kommentiert die Situation mit dem Bild 36 – Die Verfinsterung des Lichts. Als wüsste ich nicht, dass ich gerade im Dunkel wandere. Die toten Chinesen rufen zur Pflichterfüllung auf. Doch wem gilt meine Pflicht? Dem Guten? Paula? Mir selbst? Die weisen Verstorbenen sind an diesem Punkt nur eingeschränkt hilfreich.

Da wäre dann noch die Frage, was zum Teufel denn ich selbst will. Je öfter mich Paula anschreit, desto klarer wird, was ich nicht will. Düstere Phasen von Depression werden dann von Augenblicken unterbrochen, in denen mir einfällt, wie ich ohne technische Ausbildung komplexe Probleme gelöst habe. Da fallen mir in Paulas emotionalen Ausfällen auch  taktische Aspekte auf.

Gerade als ich das schreibe, erklärt Ulysses Hooten in Russland und Schlafanzug Lady Alexandra Lindo-Parker, dass sie eigentlich gar nicht heiraten will, aber auch niemandem auf die Füsse treten will und deshalb ihre Mutter nicht stoppen kann, die ihre Hochzeit organisiert wie eine Invasion.  

Am Ende greift sie sich aber das Fabergé-Ei, das Hooten weg geworfen hat. Wir müssen uns hin und wieder beschenken. Wer gerade keine herrenlosen Preziosen zur Hand hat, dem muss auch mal ein Gedanke reichen.

Vorbildlich

“Their friends were very upset, but not surprised,” one law enforcement source said of David Koenig, 33, of Ridgewood, Queens and Ellen O’Meara, 30, of Park Slope.

“It’s almost as if from the first day these two people met,” about a year ago, “they knew they were going to die together.”

Koenig and O’Meara were found dead at 7 p.m. Thursday in their room at Yotel New York.

They tried to be as little trouble as possible, leaving the room fastidiously tidy, the source said.

The housekeeper who found them also found a tip: a stack of ten $20 bills, the source said.

https://nypost.com/2019/01/19/suicide-pair-were-friends-who-knew-they-were-going-to-die-together/

Auf eine bittersüsse Art sehr romantisch und vom Praktischen her sehr vorbildlich. Immerhin nahmen die beiden Rücksicht auf die Gefühle des Hauspersonals und hinterliessen sogar ein Trinkgeld.

Das ist lobenswert. Denn wie oft hört man von traumatisierten Lok- und Triebwagenführern, von Rettungskräften auf der Autobahn, die sterbliche Reste im wörtlichen Sinn bergen müssen.

Kreuzfahrtschiffe scheinen im Augenblick der Trend in diesem Bereich zu sein.

Der Quarantäne-Planet

One time my five year old sister and I went in a hike in the woods and I told her “now if we come across a bear in here, I will throw myself in front of it and you run away!” And she looked me dead in the eye and said “No sorry I called it.” I was like, “what? You want to die? You’re five!” She just looked into the abyss and said, “I have been here too long.” And honestly? Big Mood.

thebatfaminsta bei tumblr

Den Sohn meines Nachbarn befördert ein Taxi zur Schule. So umgeht er den Schulbus. Die Grosse Pause ist für ihn schon schlimm genug. Mir schien er nicht sonderbar, aber seine Mitschüler sind da anderer Ansicht und verleihen der auch Ausdruck.

Erinnere ich mich ihrer Eltern und Grosseltern? Halt, nein, das war ja ein anderes Dorf. Es macht keinen Unterschied.

In diesem Sinne bin ich gegen ein Raumfahrtprogramm, sei es amerikanisch, russisch, bayerisch. Der Ausbreitung dieser Spezies über die Grenzen ihres Planeten hinaus ist vorzubeugen, die Infektion einzugrenzen.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/markus-soeder-stellt-in-bayern-bavaria-one-vor-kritik-wegen-groessenwahn-a-1231351.html

Dummes Schwein bleibt dummes Schwein

Für einige Tage hatte ich mich im Verdacht, die Welt zu negativ zu sehen. Ja, ich fragte mich sogar, ob ich mich nicht in einer Vorstellungs-Welt verrannt habe, in der alle ausser mir an meiner Situation Schuld sind.

Ich habe mich tatsächlich verrannt, aber in die Vorstellung, dass es nur die Auswahl zwischen einer schlechten Beziehung und einem Leben in Einsamkeit gibt. Das mag bezogen auf die Person, die ich heute bin, sogar stimmen. A self-fulfilling prophecy und die Konsequenz aus den Erfahrungen vieler Jahre mit Paula.

Der Gedanke, dass Menschen das Recht haben, mich schlecht zu behandeln, weil ich merkwürdig bin, der entschuldigt doch nur, dass manche Menschen Durchzug in der Hose und keinen Respekt haben. Und wer keinen Respekt vor dem nervigen Spinner hat, ja, hat der vielleicht Respekt vor dem Schwarzen, dem Schwulen, dem Alten, der Frau? Na, eher nicht.

Wegen Baufälligkeit geschlossen

Der Kunde klang schon ein wenig… baufällig. Seine Stimme war schwach und zitterte. Das deutet in aller Regel ein recht fortgeschrittenes Alter an.

Tatsächlich bestellte er zwei unserer Fernbedienungen bei mir, eine für ihn, eine, er sei immerhin schon 91, für seinen Nachfolger. Das ist weit vorgedacht und in gewisser Weise rührend.

Ich werde in einem noch etwas fortgeschritteneren Alter wahrscheinlich nur ein jammernder alter Sack sein, der endgültig die Kontrolle über seine Angst-Störung und seine Depression verloren hat.

Tatsächlich scheinen diese Phasen immer schlimmer zu werden. Vielleicht fehlen mir aber nun auch nur einfach die Episoden  heftigster Selbstüberschätzung, mit denen sie sich früher abwechselten, um sie in meiner Wahrnehmung auszugleichen.

A lesson to be learned. A lesson learned

Paula faselt von all den Dingen, die sie am Haus erledigen lassen will, unter besonderer Berücksichtigung meines Beitrages. Das wechselt sich mit der Drohung ab, sich von mir trennen zu wollen. Ich bin an diese Wechselhaftigkeit gewöhnt, verstehe sie aber nicht.

Denn ich bin ja überaus zuverlässig in meinen Gefühlen. Ich hasse morgens alle Menschen, mittags hasse ich sie auch, und abends verabscheue ich sie hingebungsvoll. Allerhöchstens dass ich beim Kleinen Bruder einmal eine Ausnahme mache.

Insgesamt war die einzige glückliche Beziehung in meinem Leben die mit Freund, dem Kater. Er war der einzige, der mich liebte, wie ich bin, der einzige, dem ich je begegnet bin, der dieses Kunststück vermochte. Jetzt erhoffe ich mir nichts anderes mehr, als in Ruhe gelassen zu werden.

ich bin lernfähig. Und das ist es, was Ihr mich gelehrt habt.

Nowhere