Nix Krankengeld, Alda

Bei meiner Bewertung des Zeichens 58 – Dui des I Ging vergass ich, dass es auch auf die zeitliche Begrenzung dieses Zustandes der Heiterkeit hinweist. Das ist ein wichtiger Hinweis, liest man das ungefähr 4te Gutachten zu Paulas Gesundheitszustand, das ihr einmal mehr die Aufnahme einer vorzugsweise bezahlten Tätigkeit nahelegt.

Dazu bedient sich der Autor gerne des Hinweises, sie sei gesundheitlich in der Lage, eine körperlich leichte Tätigkeit ohne Kundenverkehr in einem geheizten Raum aus zu üben. Die Rentenversicherung wird sich dadurch wahrscheinlich berufen fühlen, ihr keine Erwerbsunfähigkeitsrente auszuzahlen. Diese Gesellen neigen zu einer gewissen Kleinlichkeit in diesen Dingen.

Ich nutzte diese Gelegenheit, um Paula eine Reihe von Tätigkeiten vorzuschlagen, die sie in meiner beschränkten Vorstellung ausüben könnte. Das ging von Counter Manager in einer Pizza-Bude über Call Center Agent bis zur Demenzbetreuerin. Doch jedem Vorschlag begegnete sie mit Hinweisen auf ihre diversen Krankheiten, um so darzustellen, wie völlig unmöglich a) ihr die Ausübung dieser Tätigkeit und b) ich überhaupt sei.

Ich mache eine solche Phase bei ihr jetzt zum dritten Mal durch. Beim ersten Mal liess sie sich noch für eine Umschulung, beim zweiten Mal wenigstens noch für eine Weiterbildung gewinnen, nun aber für gar nichts mehr. Ich bin jetzt nicht sicher, wie ich mit der Situation umgehend soll. Mein Sortiment an im Rahmen der Sozialisation erworbenen Instrumenten für eine Problemlösung ist hier völlig unzureichend.

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Lola Perry, Dean of the Silas University

LolyPerryDean (1)

LolyPerryDean (2)

Ermutigt von der Ansprache der neuen Dekanin der Silas-Universität über Geduld als Tugend warf ich wieder die Münzen. Das I Ging gab mir das Bild 58 – Dui. Dabei liegt mir Heiterkeit doch jederzeit so fern und ganz sicher nach einer sechs Stunden langen Schicht im Dienst der Pizzeria Il Cazzo. Und doch irren sich die alten, toten, namenlosen Chinesen so selten und sind immer gut für einen anderen Blickwinkel auf ein Problem oder eine Situation.

Doch was sollte mich nun zur Heiterkeit beflügeln? Weder der Zustand unserer Finanzen noch der von Paulas Psyche oder gar der des Fahrersitzes eines gewissen kinderkotzegrünen Toyota Starlet sind von einer Art, die mich an Regenbögen und Pfefferminzschokolade denken lassen. Aber vielleicht will mir mein untoter Braintrust auch nur nahelegen, trotzdem entspannt und heiter zu bleiben, weil er ein Happy End vorhersieht.

Im Gegensatz zur Populärkultur verstehen sie diesen Zustand aber nicht als Existenz-, sondern nur als Übergangsform. Schlechten Zeiten begegnen sie übrigens mit dem gleichen Ansatz, so eine Wellentheorie der menschlichen Existenz entwerfend, bevor es irgendeine Wellentheorie gab.

Ms. Perry erweiterte auch mein Verständnis für die Bedeutung von Macht und Ohnmacht in Paulas Verhalten, so meine Macht weiter stärkend, die durch meine Rolle als Verdiener schon zugenommen hatte. Doch ist es nun ein „Happy End“, wenn ich mich ihr gewachsen (oder gar überlegen) fühle oder wenn ich mich auf eine andere Weise von ihr befreie?

Zudem fehlt mir die Möglichkeit, durch eine Beschwörung Tote auferstehen zu lassen, um mir so eine neue Familie zu schaffen. Die Dekanin hat da mehr und andere Möglichkeiten.