Traben-Trarbach, Tunis oder Taormina

Eine Durchsicht meiner Geburtstagsgrüsse erzeugt eine extrem übersichtliche Liste. Excel braucht es da nicht, um sagen zu können, dass ich eigentlich keine Freunde habe. Eine Nachbarin, eine Schwägerin, zwei Kollegen, ein früherer Kollege, der Poliziotto.

Ich sollte daran gewöhnt sein. Wenn nicht, sollte ich mich besser mal langsam daran gewöhnen. Ich könnte nach Traben-Trarbach ziehen, nach Tunis oder Taormina, und dort gäbe es genauso viele Menschen, die mich vermissen würden, wäre ich nicht an eben jenem Ort. Wo ich jetzt wohne, täuschen die bekannten Gesichter in den Geschäften und auf den Strassen darüber hinweg, dass ich niemanden kenne und niemand mich kennen will.

Ich habe einige Wochen lang versucht, mich in eine Facebook-Gruppe einzufinden, aber die Welt online unterscheidet sich nicht von der offline. Sie riecht nur weniger streng nach Mensch.

Paula hingegen hängt an mir. So sagt man, wenn sich jemand von einem anderen abhängig gemacht hat. Klingt, sage ich jetzt mal, auch nicht so ganz gesund. So wenig wie ihre Stimmungsschwankungen. Sie bezeichnet das als eine “Eigenart”. Vielleicht sollte sie über diese Definition einmal mit jemandem sprechen, der sich auskennt.

Ich schlafe allein. Das ist besser so. Das bleibt jetzt so für den Rest meines Lebens.

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Das Konzept des optimierten Einkaufens

Ich analysiere gerade die Rundfahrt, die ich gestern abend unternommen hatte, um Hähncheninnenfilet, Hackfleisch, Katzensand, Schlagsahne, Milch und Soft-Pudding zu kaufen. Die mir von Paula angeordnete Vorgehensweise scheint mir nämlich nicht logisch. Denn ich musste dazu erst nach Panzerbach zu Netto, dann nach Hagen zu Lidl und schliesslich wieder nach Panzerbach zu Kaufland, um in einen Geschäft diesen, im anderen jenen und im dritten die restlichen Artikel zu kaufen.

Das ist ziemlich retro, Einkaufen halt wie es früher mal gemacht wurde, damals, als wir hin und wieder noch Geld hatten. Einem modernen Einkauf muss ein gewisses Mass an Analyse voraus gehen. Unterscheidet sich der Katzensand von Lidl wirklich von dem bei Kaufland? Denn das Ziel muss natürlich sein, die Zahl der anzufahrenden Unternehmen zu reduzieren, um den Aufwand an Zeit und Treibstoff zu verringern. Und ein Ausflug nach Hagen eines einzigen Artikels wegen ist da kontraproduktiv.

In diesem Zusammenhang muss auch die Frage gestellt und beantwortet werden, um welche Zeit regelmässig das Hähncheninnenfilet aus dem Sonderangebot abverkauft ist. Das ist im Netto gewöhnlich schon um 14:00 Uhr der Fall. Es ist also zwar für die Hausfrau mit halbwegs freier Zeiteinteilung verfügbar, jedoch nicht für einen berufstätigen Mann über 50, der gegen 17:30 Uhr am Markt vorbei fährt und den seine Frau gegen 19:20 Uhr wieder auf Einkaufstour schickt.

Dafür werden nach 19:00 Uhr in allen Discountern die Waren „runter gezeichnet“, die sich dem Mindesthaltbarkeitsdatum oder dem Ende der sonderangebotsabhängigen Sortimentszugehörigkeit nähern. Mit diesem Begriff bezeichnet der Einzelhandel eine Preisreduzierung durch einen Aufkleber mit dem ermässigten Abverkaufspreis oder einen mit dem an der Kasse umgesetzten Rabatt.

Bei Kaufland ist diese letzte Stunde der Zeitraum, um besondere Schnäppchen zu machen. Brot und Obst sind prinzipiell günstiger, Schweinegeschnetzeltes habe ich gestern mit 10% Rabatt bekommen, die ich erst auf dem Kassenzettel gesehen habe.

Daraus folgert, dass im Konzept des optimierten Einkaufens diese Artikel und mariniertes Schweinefleisch gezielt zu diesen Zeiten gekauft werden sollten. Nicht-preisveränderliche Artikel sollten entweder gleichzeitig oder auf dem Arbeitsweg gekauft werden.

http://www.supermarktblog.com/2013/03/28/kaufland-verstehen-in-nur-3-minuten/