Der Verräter John Rambo

IS, Al-Kaida, Taliban, Salafisten, Wahabiten – das alles sind Bezeichnungen für eine Strömung im sunnitischen Islam, die nach einer Erneuerung ruft, einer Rückkehr zu den Werten einer idealisierten Vergangenheit. Die Aggressivität, mit der ihre Vertreter heute vorgehen, spricht von einer gewissen Verzweifelung,  einer Einsicht darin, dass sie zwangsläufig scheitern müssen.

Aber sollte man ihre Handlungen als sunnitische Revolution zusammenfassen oder es als eine Strömung innerhalb der Islamischen Revolution sehen, die 1979 in Teheran ausgerufen wurde? Damals hatten die iranischen Schiiten den Vorzug, mit ihrem Heimatland einen funktionierenden Staat übernehmen zu können, Behörden, Streitkräfte, Polizei und Geheimdienst mitsamt der für eine Diktatur so unabdingbaren Befragungstechniker.

Die vaterlandslosen Gesellen, die sich unter der schwarzen Flagge des Islamischen Staates sammeln, müssen ab originem beginnen, nur mit dem Koran und der Weigerung, aus den Misserfolgen anderer zu lernen, als Basis.  Dabei mögen ihnen die Luftangriffe der Europäer sogar nützlich sein, um die Bevölkerung für sich zu gewinnen.

Der Feind meines Feindes… und jemanden, der mir Bomben auf den Kopf wirft, den empfinde ich nun einmal mit einer gewissen Zwangsläufigkeit als Feind. Hatte die irakische Offensive 1980 vielleicht die gleiche Wirkung auf die Iraner? Auch die persische Theokratie wurde damals nicht von allen Bürgern getragen.

En passant zwang der Wechsel Saddam Husseins vom russischen zum amerikanischen Vasallen die damalige Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken Afghanistan als Ersatz zu gewinnen, eine Frage der Selbstachtung, die viel dazu tat, den Untergang der Sowjetunion voranzutreiben und die Islamisten in Tschetschenien zu stärken.

Der von den Amerikanern beflügelten Aufstieg einiger sockenloser Guerilleros zur Taliban-Bewegung unserer Tage kann im Internet nachgelesen werden. Zwei Film-Versionen erschienen übrigens unter den Titeln “Der Krieg des Charlie Wilson” und “Rambo 3”.

Die weitere Ausbreitung der “Sunnitischen Revolution” begünstigten die Kriege, die die Westler unter der Ägide der amerikanischen Präsidenten George Bush und Barak Obama führten. Sie beseitigten die Diktaturen im Irak und Libyen, ersetzten sie jedoch nicht durch neue Regierungen gleich welcher Art, sondern überliessen diese Länder einem politischen und gesellschaftlichen Chaos. Die menschliche Gesellschaft duldet jedoch keine Leere an dieser Stelle, fordert eine Organisationsform, eine Regierung.

Nach der Zerschlagung von Armee, Polizei, Regierung und Partien blieben aber nur die religiösen Gemeinschaften und unter ihnen die extremistischen Gruppen als Träger einer Ordnung. Nach Jahren der Misswirtschaft fehlte der syrischen Diktatur dann nicht mehr viel, damit das Land den Schritt zum Chaos hin machte.

Natürlich nutzt Saudi-Arabien die Situation aus, um sich als Führungsmacht unter den Sunniten zu profilieren, der Iran, um die gleiche Position unter den Schiiten zu bestätigen, und der russische Präsident Putin, um innen- und aussenpolitisch Punkte zu machen. Die türkische Regierung, weltanschauungsmässig nicht so weit von der IS entfernt wie es vielen Türken recht wäre, nutzt die Situation, um den kurdischen Erbfeind zu bekämpfen, den eigenen Einfluss auf die stammverwandten Turkmenen zu vergrössern und mit ihrer Hilfe eine Pufferzone auf syrischem Boden und zu Assad und dem IS einzurichten.

Was immer die Westler in den letzten Jahren getan haben oder nicht getan haben, alles hat diesen Prozess begünstigt, der für viele Europäer erst konkret wurde, als sich ein Flüchtlingsstrom durch ihr Land wälzte. Und damit waren sie dann alle, alle zu Teilnehmern der Islamischen Revolution geworden, wie es der inzwischen für seine Kollaboration mit den Taliban verurteilte Verräter John Rambo schon 1988 wurde.

Und das ist die Stelle, an der wir jetzt stehen, dekadent, degeneriert, geführt von Schwachmaten, längst vom Kapital lebend statt von den Zinsen, kulturell stagnierend und leidlich überfordert.

Jedenfalls sehe ich das so. Anderen seien abweichende Meinungen erlaubt.

 

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Die Flut kommt

Experten gehen davon aus, dass bald die nächste Flüchtlingswelle aus der Ukraine einsetzt.

Damit rechne ich. Aber zuvor werden wir mit weiteren Flüchtlingsströmen aus dem Sudan und aus dem Jemen konfrontiert werden. Die Situationen in diesen Ländern sind am Kippen. Europa muss sich auf enorme Flüchtlingsströme vorbereiten. Niemand will es aussprechen. Es ist aber so, dass diese Flüchtlingsströme kommen werden. Wir können sie nicht aufhalten.

US-Präsident Barack Obama hat gesagt, die Flüchtlingsströme führen zu einer Destabilisierung Europas. 

Die Flüchtlingsströme sind eine grosse Herausforderung. Oberstes Ziel muss sein, die europäischen Demokratien zu schützen. Es soll rasch entschieden werden, wer bleiben darf und wer nicht. Wer kein Bleiberecht bekommt, der muss rasch zurückgebracht werden können.“

http://www.bernerzeitung.ch/ausland/europa/Wer-aufmuckt-wird-im-schlimmsten-Fall-erschossen-/story/10312033?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%253A%2520EspacechFussballrss%2520%2528bernerzeitung.ch%253A%2520Fussball%2520%2528RSS%2529%2529&ref=yfp

Hingebungsvoll lobt die Presse die Menschlichkeit, mit der eine Mehrheit der Bevölkerung den Flüchtlingen begegnet, hingebungsvoll grölt eine Minderheit andere Meinungen über sie. Nichts davon hat Einfluss auf das, was geschieht.

Die Daesh, die Taliban, die Al-Kaeda treiben Syrer, Kurden, Libyer, Libanesen, Palästinenser, Yeziden, Assyrer, Chaldäer, Paschtunen und arabische Christen vor sich her, eine Flut, in der zwar nicht gerade das Abendland untergeht, die aber Europa, Deutschland, Österreich, Frankreich verändern wird.

Manchmal werden das kleine Veränderungen sein. Frauen mit dem Hijab in der Innenstadt, eine Kinderstation im Krankenhaus, die plötzlich stärker ausgelastet ist, Schulen, die mit einem unerwarteten Anstieg an Schülern kämpfen müssen, die Sprachkurse anbieten müssen, Schlägereien zwischen Schülern entlang der türkisch-arabischen Sprachgrenze, in Frankreich entlang der Dialekt-Grenze zwischen Syrien und Maghreb, entlang der religiösen Verwerfungslinien zwischen Yeziden und Muslimen, Juden und Muslimen, europäischen Christen und Chaldäern.

Einige Veränderungen werden gravierender sein. Oder wir werden sie so empfinden, weil sie nicht in das Bild passen, dass unsere Euphorie gerade von der Zukunft zeichnet.

Wir werden wohl konservativer werden, einfach weil mehr Menschen mit traditionellen Werten unter uns leben werden. Wir werden viel, viel Geld brauchen, um diese Menschen in unsere Gesellschaft zu integrieren, sie, die, die nach ihnen kommen, und schliesslich ihre Angehörigen, die ihnen eines Tages folgen werden.

Dieses Geld wird uns wahrscheinlich an anderer Stelle fehlen. Und es wird nicht in allen Fällen gelingen, sie in die Gesellschaft zu integrieren, die Deutsche und Flüchtlinge zusammen weiterbauen werden. Diese Menschen werden ihr Leben lang von staatlicher Hilfe und der ihrer Familien abhängig sein. Einige von ihnen werden Verbrechen begehen.

http://www.focus.de/finanzen/news/willkommenskultur-und-integration-deutsche-bahn-will-gezielt-fluechtlinge-ausbilden_id_4894267.html

Die aber, die sich erfolgreich einbringen, werden uns vor andere Fragen und Probleme stellen. Immerhin werden sie in einigen Bereichen mit den einheimischen Arbeitskräften konkurrieren. Pflegenotstand? Gibts demnächst wahrscheinlich nicht mehr. Wer in der Gesundheitsbranche mit knapper Belegschaft Kosten sparen will, muss sich eine andere Erklärung als den Mangel an Arbeitskräften einfallen lassen.

Mindestlohn? Reicht schon mal für den Einstieg. Wer in Syrien Anwalt war, ist wahrscheinlich froh, wenn er hier überhaupt Arbeit findet. Gewerkschaften? Die tun gut daran sich jetzt schon für die neuen Mitarbeiter zu interesieren. Sie existieren in vielen Betrieben eh nicht mehr, und Migranten mit einem Hintergrund aus Flucht und Vertreibung, Armut und Verfolgung sind erfahrungsgemäss nicht unbedingt gewerkschaftsaffin.

11.81 Uhr – Die Vorhersehbarkeit der Ereignisse

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