Die Kühe des Mnemos

Wie der Hirte Kühe treibt, treibt ein Kollege neue Mitarbeiterinnen durchs Gebäude. Kuhäugig starren die Damen uns an, die Veteranen, die der Tod und die Geschäftsleitung vergessen haben.

Höflich reichen wir ihnen die Hand, während wir Namen und Funktionen nennen, die ihnen noch keinen Sinn machen. Ihre Vorgänger verschwanden, ohne sie je verstanden zu haben.  Erinnern wir selbst uns noch, was sie bedeuteten?

Wenn sie weg sind, auf eine andere Weide getrieben wurden, werde ich die Eingangspost in Fächer sortieren, die nicht mehr geleert werden.

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Focke-Wulf 290 A

In Syrien oder Afghanistan geht es in erster Linie nicht darum, Bunkeranlagen anzugreifen, und schon gar nicht Massen feindlicher Kampfflieger vom Himmel zu holen. Stattdessen soll die Luftwaffe Spezialeinheiten helfen, Gegner aufzuspüren und auszuschalten, die meist mit kleinen, sehr beweglichen Einheiten kämpfen, wie die Taliban und der IS. Dafür brauchen Bodentruppen von der Luftwaffe eine präzise Nahaufklärung und Feuerunterstützung, die Kollateralschäden vermeidet.

In beidem sind die Propeller-Maschinen bessere Strahlflugzeuge. Propeller-Maschinen lassen sich auch mit 180 Stundenkilometern über dem Geschehen bewegen. Selbst in unwegsamen Gelände, wie Gebirge, können sie noch nahe am Boden manövrieren. Dabei sind die kleinen „Props“, wie sie im Flieger-Jargon heißen, in der Lage, fast den gesamten Waffen-Mix zu tragen, über den auch Düsenflugzeuge verfügen, wie Maschinenkanonen, Raketen und Bomben. Und sie lassen sich überlegter einsetzen. „Der Pilot, überblickt die Kampfsituation und kann den Finger vom Abzug nehmen, weil er eher erkennt, wenn Zivilisten auftauchen“, sagt Ulrich Scholz, ehemaliger Strahlflugzeugführer sowie Flug- und Waffenlehrer bei der Bundeswehr gegenüber FAZ.NET.

Was die „Props“ zudem attraktiv macht: Deren Technik dominiert noch nicht komplexe Elektronik und Software, sondern Mechanik. Die Maschinen sind somit robuster und besser geeignet für die unwirtlichen Kriegsschauplätze in scheiternden Staaten und Entwicklungsländern. Propeller-Maschinen können auch mal auf Buckelpisten landen und ohne aufwendig ausgestattete Luftwaffenbasen mit Highend-Hangars und Heerscharen an Technikern gewartet werden. Gerade in den Frontstaaten asymmetrischer Konflikte, denen Infrastruktur sowie Material und Personal fehlen, lassen sich so Luftwaffen aufbauen und betreiben. Aus solchen Überlegungen heraus, liefern die Vereinigten Staaten seit einem Jahr Super Tucanos des brasilianischen Herstellers Embraer an die Afghanischen Streitkräfte, damit jene effektiver gegen die Taliban kämpfen können.

Für Operationen zur Aufstandsbekämpfung würde auch die amerikanische Luftwaffe Propeller-Maschinen anschaffen. Das machte bereits ihr Oberbefehlshaber General David Lee Goldfein deutlich, ein bekennender Anhänger der Idee, wieder verstärkt auf Propeller-Maschinen zu setzen. Goldfein betont zudem gerne ein weiteres Argument: „Low costs“. Die Kriegsführung moderner Militärmächte verschlingt exorbitante Summen. Wer der Ambition folgt, militärisch global aktiv zu sein, wie die Vereinigten Staaten, muss die Kosten für die Kriegsführung im Blick haben. Ein Weg dafür wären Propeller-Maschinen.

Die Stückkosten für ihr modernstes Kampfflugzeug, die F22 „Raptor“, gibt die amerikanische Luftwaffe mit satten 140 Millionen Dollar an. Für ihre Propellermaschine vom Typ T-6 veranschlagt sie dagegen nur 4,2 Millionen Dollar. Die T-6 nutzen die amerikanische wie auch die deutsche Luftwaffe als Ausbildungsflugzeug für junge Piloten. Der Hersteller Beechcraft versucht, eine bewaffnete Version, die T-6 „Wolverine“, zu deutsch Vielfraß, an die amerikanische Luftwaffe zu verkaufen. Wegen ihren günstigen Kosten hat sich für Propeller-Kampfflugzeuge ein Nischenmarkt entwickelt, auf dem vor allem Zweite- und Dritte-Welt-Staaten einkaufen, die direkt in asymmetrische Konflikte verwickelt sind.

So jagen Kolumbiens und Perus Luftwaffen mit Super Tucanos im Amazonasgebiet Transportflugzeuge von Drogenschmugglern. Die brasilianische Tucano verkauft sich bestens und findet sich in verschiedenen Versionen in einigen Luftwaffen Lateinamerikas und Afrikas. Der US-Hersteller IOMAX wiederum ist mit dem „Archangel“ am Markt. Der „Erzengel“ basiert auf einem Agrarflugzeug, entwickelt um Felder mit Pestiziden zu besprühen. Eine bewaffnete Version kauften die Vereinigten Arabischen Emirate. Mit einer Kampfstaffel dieser Propeller-Maschine, geflogen von Söldnern, unterstützen sie, die ihnen genehme Kriegspartei im libyschen Bürgerkrieg.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/renaissance-in-der-luft-die-rueckkehr-der-propeller-kampfflugzeuge-15078131.html

Was ist eigentlich aus den alten Konstruktionsunterlagen für die Focke-Wulf FW190D geworden? Mit einem Turboprop-Motor, einem neuen Cockpit für mehr Sicht und etwas Elektronik könnte dieses Flugzeug immer noch jeden Insurgenten in Furcht und Schrecken versetzen. Beim Preis können wir vielleicht die A29 sogar noch unterbieten.

 

Ich finde das wenig nett

Die Welt verändert sich. Tut sie das wirklich? Oder befinden sich einfach andere (und vielleicht sogar wir selbst uns) nicht an den Positionen, an denen wir sie fest angenommen haben?

Mein Schwager zum Beispiel ist nicht nur physisch meiner Schwester entrückt sondern auch geistig. Seinen Beitrag an ihrem Leben sieht er als erfüllt an, wenn er ihr Unterhalt zahlt und sich gelegentlich von ihr am Telefon anschreien lässt. Wo es um die Kosten der Abfallentsorgung geht, empfiehlt er, ihr zu schreiben. Will er sie oder mich schützen, wenn er mir ihre Telefonnummer nicht gibt?

In meiner Wahrnehmung rücken Paula und meine Schwester zusammen, werden sich immer ähnlicher. Ich nehme sie als Personen wahr, die mich ihre Probleme lösen lassen und nicht an meinen Bedürfnissen interessiert sind. Paula “macht Tierschutz” und beschwert sich über jede nicht mit Katzen zusammen hängende Tätigkeit, Phiridia macht, was auch immer sie tut, überlässt es aber mir, diese Gebühren zu zahlen.

Ich nehme einmal an, dass es ihr egal ist, ob ich dazu das Geld habe, und finde das nun wenig nett. Jemand, den so viele Jahre im Kundendienst nicht zu absoluter Selbstkontrolle erzogen hätten, ergriffe das Minimi.

Ein Kerl wie Vorderbäumen

Es ist dies die Zeit und der Ort eines stillen Helden zu gedenken. Wobei… still ist er selten, nicht einmal leise, schon weil er offensichtlich ein wenig harthörig ist.

Der Kriminalhauptkommissar Vorderbäumen ist zäh, verbissen und überraschend fit. Einst, einst versuchte ihn ein längst vergessener Vorgesetzer in den verdienten Vorruhestand zu verabschieden. War es 2008, war es 2007 oder sogar vielleicht schon 2006?

Niemand erinnert sich mehr anders daran als an den Auslöser eines Rechtsstreit epischen Ausmasses zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen und Vorderbäumen, der Jurastudenten inzwischen beim Studium als Beispiel dient. Im Ergebnis leitet er weit nach dem Erreichen der Altersgrenze immer noch die Kreisfreie Polizeibehörde Hamm mit ihren drei Mitarbeitern, der einzige dort, der nicht ob charakterlicher oder intellektueller Defizite dort ist.

PPHamm

Er sollte uns allen ein Vorbild sein. Denn man kann die Rentenversicherung Bund entlasten, indem man früh stirbt – hier können Alkohol, Zigaretten, wilde Weiber und italienische Autos nützlich sein – oder indem man sich der Rente verweigert und einfach weitermacht, eben ein Kerl wie Vorderbäumen ist.

http://www.ard.de/home/radio/_Paradise_City__Jubilaeumssendung/4450772/index.html

So ein Müll!

Eine Rückfrage per Whatsapp bei einer ehemaligen Kollegin und ein Blick in Google Maps verhalfen mir zur Anschrift meines Schwagers. Nachvollziehbarerweise ist seine Adresse nicht die meiner Schwester.

Ich will ein Wort oder zwei mit ihm wechseln. Da geht es um eine opulente Rechnung der örtlichen Gesellschaft für Abfallentsorgung. Nachdem deren Mitarbeiter sich offenbar fünf Jahre lang in Geduld geübt haben, sind sie jetzt nicht bereit, das so lange geübte auch zu praktizieren und bitten mich statt dessen, die Gebühren für meine Schwester nach zu entrichten.

Es gebricht ihnen gar die Höflichkeit, mir dafür nicht auch gleich eine Frist zu setzen. Wie lang die auch sei, und sie geht bis zum 26. Februar, auch sie werden erst dann Geld erhalten, wenn die Rentenversicherung Paula tüchtig nachzahlt.

Und wäre er schwarz wie Ebenholz

PaulMargot1

PaulMargot2

Paul, Margot, Die Gefangenen der Apachen, Leipzig, 1858

http://gutenberg.spiegel.de/buch/die-gefangenen-der-apachen-erster-band-7866/1

“Die Gefangenen der Apachen” ist ein von Gerstäcker und Ferry beeinflusster Western-Roman, in dem es in überraschendem Umfang um die Rassen-Frage geht.

Jean ist Mulatte und Schurke, Bob schwarz wie die Nacht, aber gut, tapfer und ein ausgezeichneter Schütze, Tojolah ist Apachin mit mexikanischer Mutter, Marie sieht weiss aus, fällt aber bei der One-Drop-Rule ebenfalls durch.

Typen, die’s mit Ziegen treiben. Und mit Fahrrädern

Gelegentlich gebe ich mich der Vorstellung einer eskapistischen Existenz hin, bei der ich in einer Monteurwohnung oder einem möblierten Zimmer lebe, an einer Adresse, von der niemand weiss. Um diesen Zustand zu erhalten, dürfte ich mich dann allerdings nicht polizeilich melden.

Damit wird dieser Gedanke quasi pervers, denn schliesslich bin ich ja Deutscher. Da kommt der Gedanke einer unterlassenen polizeilichen Anmeldung gleichauf mit verschiedenen Dingen, die man mit Ziegen nicht tun darf, und dem Ablecken von Fahrradsätteln:

https://www.focus.de/regional/muenchen/prozess-in-wolfratshausen-25-jaehriger-haelt-rennradfahrerin-an-und-leckt-ihren-sattel-ab_id_8337951.html

Bevor ich mich endgültig in derlei Dingen verliere, erinnert mich eine email eines Luxemburger Bankhauses daran, dass Kredit- und EC-Karten, Wahlbenachrichtigungen und Versicherungskennzeichen nur an Adressen versendet werden, die man vorher auf dem Rathaus hat zertifizierten lassen.

Kein Wunder übrigens, dass ein Deutscher in Frankreich seine Ziege und sein Fahrrad nie unbeaufsichtigt lässt. Denn dort bescheinigt man seine Existenz wie seinen Wohnsitz mit ein bis drei Rechnungen der Strom- oder der Telefongesellschaft, dem Mietvertrag oder auch Abbuchungsbestätigungen seiner Miete.

https://wirelesslife.de/keine-meldeadresse/

https://www.n-tv.de/wissen/Sterben-fuer-den-Orgasmus-article20272409.html

https://www.berliner-kurier.de/news/panorama/weil-frauen-ihm-einen-korb-gaben-wie-pervers-ist-das-denn—mann-hat-sex-mit-ziege-25061378

http://www.bigfm.de/topic/9818/sex-ziege-gefilmt-verhaftet