Saved by the App

Mit einer gewissen Übung überwand ich die den Problemen an meinem Vehikel folgende Panik-Attacke. Hilfreich war da, 2018 setzen wir ja bei psychischen Problemen gerne einmal auf Technologie, die App der Strassenverkehrsbetriebe.

Es ist in gewisser Weise sehr beruhigend, wenn man nachts um zwei auf das Display seines Mobiltelefones schaut und sieht, dass man um 7:21 Uhr mit dem Bus fahren kann, dass man nicht gestrandet ist, dass man Arbeitsstätte und Lebensmittel-Discounter erreichen kann.

Dieses alternative Beförderungs-Konzept muss noch in einigen Kleinigkeiten optimiert werden. Aber es funktioniert… wenn man bereit ist, zweimal am Tag etwa zwei Kilometer zu Fuss zurück zu legen.

Diese Entfernung hat mich überrascht. Ich hatte sie geringer eingeschätzt, bis eine andere, gesundheitsorientierte App meines Telefones mich darüber informierte. Ich fühlte mich daraufhin sofort verpflichtet, mir abends einen jener türkischen Wraps voller Salat zu holen.

Ich fühlte mich auch dazu verpflichtet, dieses Ergebnis zu posten, als interessiere es jemanden ausser mir. Immerhin sind dafür ja wohl die kostenlosen 50 MB wlan im Bus gedacht. Ich bekam dann postwendend, also schnell und per Whatsapp, die Häme des Kleinen Bruders und des Herrn Ambros. Ich hatte von ihnen nichts anderes erwartet.

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Planlos schrauben

Ich habe noch nicht verstanden, was ich gestern abend getan habe. Im Ergebnis aber gehe ich davon aus, dass der Motor meines Rollers jetzt hin ist. Das ist das Ergebnis weniger einer Verkettung widriger Umstände als meiner Unfähigkeit, dazu zu lernen.

Ich sollte von manchen Dingen Abstand halten, etwa von der Ölablassschraube, mich weigern, irgendwas an solchen Fahrzeugen zu tun. Vor allem aber sollte ich die Wünsche anderer Menschen ignorieren.

Das ist natürlich schwierig, wenn Paula mir vorjammert, dass das Auto ruckt und ich doch bitteschön mal zusehen soll, dass La Mosca, die viergetaktete, wieder läuft, damit sie mich nicht zur Arbeit und zurück befördern muss.

Na, wenn die raus kriegt, was ich getan habe, wird sie auch nicht glücklich sein. Ich habe schon einmal die App der Strassenverkehrsbetriebe installiert.

Nett sein ist vielleicht nicht Zeitgeist

Mir schwant übles. Wir alle nähern uns dem Phänomen Donald Trump nämlich mit den Regeln des Verstandes und messen ihn daran und an jenem politischen Zustand, den wir als Demokratie bezeichnen, ein festgefahrenes System, das durch die strikte Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften sowohl für Ordnung und Frieden als auch für eine gewisse Stagnation sorgt.

(https%3A%2F%2Fthepineasdiaries.wordpress.com%2F2018%2F06%2F28%2Fprobleme-loesen-gemaess-eu-maschinenrichtlinie%2F)

Dieser Zustand wird einmal vom Erfolg Chinas infrage gestellt. Bisher galt nämlich der Besitz von Wahlrecht und Parlament nach anglo-amerikanischen Regeln als Garant für wirtschaftlichen Erfolg, Farbfernsehen und grösstmöglichen Genuss. Das chinesische Parlament funktioniert nach anderen Regeln, und trotzdem haben viele Menschen einen grösseren Wohlstand als ihre Eltern und Grosseltern.

Parallel dazu erholen sich die USA nur schleppend von Katastrophen wie den Hurricanes Katrina (2005) und Maria (2017) und der Finanzkrise (2008ff). Viele Wahlbürger haben ihr Vertrauen in das System eingebüsst und fühlen sich als Verlierer der Globalisierung, die gerade die USA in der Vergangenheit voran getrieben haben.

Dort stellt der Präsident selbst das System ebenfalls infrage. Ein immer wieder gescheiterter Unternehmer, der selbst ein Spielcasino in den Bankrott steuern konnte, eine Figur aus dem Reality TV, aber eben auch einer, der mit Erlassen regiert und auf Gesetze und Mehrheiten pfeift, der den Mechanismus der Legislative entweder nicht versteht oder eher noch sogar aus Prinzip negiert, der Verträge bricht und Versprechen ignoriert, der sich selbstherrlich keinen Regeln unterwirft.

http://www.foxnews.com/opinion/2018/07/02/trumps-trade-critics-are-wrong-his-tariffs-could-bring-major-benefits-to-america.html

Bedienen wir uns aber des Verstandes, um ihn zu verstehen, so enden wir bei der Ironie, die unterhaltsam ist, aber uns nicht weiter bringt. Da hilft es auch nichts, Clemenceau zu zitieren: “Amerika – die Entwicklung von der Barbarei zur Dekadenz ohne Umweg über die Kultur.”

https://edition.cnn.com/2018/06/24/opinions/trump-end-to-democracy-opinion-andelman/index.html

Sehen wir ihn aber doch einmal nicht als isoliertes Phänomen, sondern als Personifikation eines Zeitgeistes, der der komplizierten Demokratie überdrüssig ist, der der Umständlichkeit müde und bequem geworden ist. So legen er und seine Pendants in vielen anderen Ländern die Grundlagen für eine andere Welt, eine, von der ich befürchte, dass sie rauer und roher sein wird. Einen zweiten Teil der Grundlagen wird der Widerstand legen, den wir ihnen entgegen bringen.

https://edition.cnn.com/2018/07/05/opinions/trump-is-definitely-in-charge-opinion-stanley/index.html

Aber uns muss auch klar sein, dass er auf einer anderen Ebener ein Böser Clown ist, der sympathischste Avatar des Tricksters. Der Rimbaud des 21. Jahrhunderts ist übrigens Todd MacFarlane, ein Mensch von tiefer Einsicht und grosser Künstler, der inzwischen mit Action-Figuren handelt statt wie der französische Dichter mit Chassepot-Gewehren.

Die Auseinandersetzung muss auch auf dieser Ebene geführt werden. Auch dieser Aspekt ging bisher unter. Betet, Brüder, betet, nicht, damit irgendein Gott Euch errettet oder Ihr das neue Huawei-Smartphone bekommt, sondern um ein Gegengewicht zu schaffen. Und seid nett zueinander. Nur für den Fall, dass dieses Konzept vielleicht aus der Mode kommen sollte.

Eigentlich, ja, eigentlich… aber ich schau dann noch mal ein bisschen Youtube

Eigentlich, ja, eigentlich sollte ich jetzt Kunden am Telefon bedienen und an einer Einladung für Elviras Abschiedsfeier arbeiten. Aber die Kunden wollen einfach nicht anrufen, ganz so, als hätten sie etwas besseres zu tun.

Was aber die Einladung angeht – da behindert mich mein völliges Desinteresse an der menschlichen Spezies. Meine Depression blüht munterer als der Hauswurz, der auf dem Fensterbrett neben mir zwischen zerlegten Garagentorantrieben und Stapeln von Fernbedienungen Ableger treibt, als würde er dafür bezahlt.

Hauswurz mit Handsendern

Ist das jetzt Zimmerpflanzen-Pornografie? Um meiner Laune aufzuhelfen, habe ich mir vor kurzem “Pretty Peaches” angesehen, De Renzys Film von 1978. Die darstellerische Qualität, das Drehbuch und die Handlung waren allerdings eher kontraproduktiv. Cineastisch gesehen ist das das Äquivalent eines Smartphones für 20 Ecu.

Wedding

Superman fliegt nicht mehr

Mir wurde vor kurzem klar, dass Ka-El ein illegaler Einwanderer ist. Seine Eltern setzen ihn als 3-jähriges Kind per Raumschiff auf dem Planeten Erde ab wie des Moses’ Mutter ihren Sohn im Weidenkörbchen auf dem Fluss.

Natürlich liegt hier die Schuld vor allem bei Herrn und Frau Kent, die ihn finden, das aber nicht bei den zuständigen Behörden anzeigen. Das sind in den 1930er Jahren die Polizeibehörde von Smallville und zwei Bundesbehörden, das Büro für Einwanderung und Einbürgerung INS und die Bundespolizeibehörde FBI.

Er besucht also die örtliche Schule in Smallville unter dem falschen Namen Clark Kent und ohne gültige Papiere. Wo er Dokumente vorlegen muss, sind die von seinen Zieheltern gefälscht oder von ihnen in betrügerischer Absicht mit Hilfe falscher Angaben von Behörden erlangt worden.

Übrigens geht er nach der High School nicht aufs College, sondern beginnt sofort als Journalist zu arbeiten. Das war in den USA damals nicht ungewöhnlich. Erst ab den 1970er Jahren wird ein Studium für White-Collar-Jobs quasi vorausgesetzt.

Sein Rechtsstatus fällt nicht auf, weil er bei Auslandsreisen stets die gesetzlich vorgeschriebenen Aus- und Einreise-Punkte umgeht, indem er selbst direkt zu seinem Ziel fliegt. Dabei macht er sich über Verstösse gegen die entsprechenden Gesetze der verschiedenen Staaten hinaus auch jeweils eines gegen die Flugplan-Pflicht und des Fliegens ohne Luftfahrzeugkennzeichen schuldig.

Konnte er sich bisher immer wieder der Strafverfolgung entziehen, gehe ich davon aus, dass das Heimatschutz-Ministerium in absehbarer Zeit gegen ihn vorgehen wird. Ein Asyl-Antrag in Deutschland scheint mir in diesem Fall aussichtslos, weil er ja nicht politisch verfolgt wird, sondern auf Grund einer Straftat.

Da er keine Original-Unterlagen seiner Heimat hat, bleibt nur eine Existenz als Geduldeter übrig, vermutlich in einem der am wenigsten attraktiven Stadtteile von Duisburg oder Oberhausen. Dort sind seine Nachbarn dann Rumänen und Palästinensern, die im Handel mit Gebrauchtwagen, chemischen Substanzen und/oder Kalashnikow und Makarow (schiesst) und Kalashnikowa und Makarowa (stark geschminkt, kurzer Rock) tätig sind.