Alice liefert keine Pizza

Eingeschlossen im Opel Corsa, eingehüllt vom Odeur italienischer Speisen in Thermoboxen und von Benzingerüchen höre ich Podcasts. Da erklärt mir Dr. Mark Benecke, der Kriminalbiologe, dem Frauen vertrauen, die Wissenschaft an einfachen und stets leicht morbiden Beispielen, da löst die Kreisfreie Polizeibehörde Hamm komplizierte Kriminalfälle mit geistig einfachen Ermittlern.

http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/eins-zu-eins-der-talk/mark-benecke-106.html

http://www.taz.de/!5035505/

Vor allem aber wandert Nicodemus Silver durch die Wälder des Pazifischen Nordwestens auf der Suche nach Tanis, sucht Carly Parker ihre Freundin Yumiko Takata und klärt eine Namenlose die Frage, ob Alice tot ist oder nicht.

Übrigens war die erste Staffel von Tanis inhaltlich extrem dicht, gut recherchiert und intelligent geschrieben. Seitdem lässt die Serie aber nach. Es mangelt da ein wenig an Kreativität, dafür gibt es aber eine immer grössere Zahl von Figuren, die auftreten und wieder verschwinden, um genau dann zurück zu kehren, wenn ich sie eigentlich schon wieder vergessen habe.

http://www.tanispodcast.com

Im Mittelpunkt von Rabbits steht der Homo Ludens am Beginn des 3. Jahrtausends unserer Zeitrechnung. Altmodische Spielkonsolen erleben ein Revival, die Parks füllen sich mit Menschen, die Pokemon Go spielen, und Computerspiele erzielen grössere Gewinne als Hollywood-Filme über Superhelden.

http://www.npr.org/2017/09/18/551043687/looking-for-analog-old-button-mashing-arcades-come-back-for-a-new-generation

Der Podcast erzählt von der Suche einer jungen Frau nach ihrer besten Freundin und von einem fiktiven (?) Alternate Reality Game, dessen Zugänge als Easter-Eggs in den verschiedensten Video-Spielen versteckt sind. Im Podcast selbst versteckt sind einige nette Anspielungen auf Elric von Melniboné (“Mournblade”) und Buffy The Vampire Slayer (“Hush”).

https://www.rabbitspodcast.com

Wenn es auch einige Ähnlichkeiten mit Tanis gibt und zum Teil auch Figuren in beiden Podcasts (Nic Silver, Meerkatnip) auftreten, gibt es weniger Figuren, und die Handlung wird  zielgerichteter erzählt.

https://thecon.ie/why-everyone-needs-to-be-listening-to-rabbits-e1a7eef11c12

Ganz anders in seiner Erzählweise ist der Podcast “Alice isn’t dead”. Hier gibt es über weite Strecken nur drei Personen. Die namenlose Truckerin auf der Suche nach ihrer Frau, Alice, die tot ist oder auch nicht und an die sie ihren Monolog richtet, und den Killer. Das Setting sind die langen, meist schnurgeraden Highways durch die USA, die das Land ebenso zusammen halten wie sie die Orte und die Menschen voneinander trennen. Und das ist eigentlich auch der einzige wesentliche Kritikpunkt, dass Joseph Fink hier ein Setting benutzt, das von hundert Horrorfilmen vorher schon genutzt wurde.

http://www.nightvalepresents.com/aliceisntdead/

http://www.filmstarts.de/kritiken/241337.html

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Rubens_-_Judgement_of_Paris

In der Gesellschaft von Paula und ihren beiden Schwestern fühle ich mich wie Paris mit den drei Grazien. Ich kann mich nicht entscheiden, welcher ich den Wachsapfel geben sollte – jede von ihnen würde herzhaft hineinbeissen.

Hier noch eine Anleitung zur Herstellung von Wachsäpfeln:

http://www.kidsweb.de/apfel_spezial/wachsaepfel_herstellen.htm

Sankt Albrecht von Preussen

Sollte ich lutherisch werden? Die Frage hat sich in Deutschland ja schon mancher gestellt und ganz verschieden beantwortet.

Zwar glaube ich nicht, dass für mich wie für Albrecht von Brandenburg-Ansbach ein Herzogtum heraus springt, aber zu einer Kirche zu gehören, die ein viel dichteres Filialnetz hat als die Deutsche Episkopalkirche, könnte später im Leben nützlich sein. Immerhin könnte mich eine solche Gemeinde ja mit einem Grundgerüst oberflächlicher sozialer Beziehungen versorgen, wenn mir eines Tages der Sinn danach steht.

Die Pfarrerin sprach bei der Beerdigung meiner Schwiegermutter recht reizend von der ihr so völlig unbekannten und zitierte dabei Prediger 3. Mir war mehr nach Prediger 7,26, aber ich war ja auch mit Paula da. Ich bemühte mich also vor allem, im Hintergrund zu bleiben, um nicht hinterher beschuldigt zu werden, ich drängte mich in den Vordergrund, wo doch die Kinder der Verstorbenen stehen sollten, und stand also meistens herum wie Falschgeld.

Auf jeden Fall sollte ich welchem Pfarrer auch immer einige Anweisungen hinterlassen. So zöge ich dem so gängen 23. Psalm den 30. vor:

Sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude.

Die zwei Zufalls-Gäste bei meiner Beerdigung wird es freuen, dass die Trauer nicht endlos sein wird. .

https://www.bibleserver.com/text/LUT/Prediger3

http://bibeltext.com/ecclesiastes/7-26.htm

pavianfelsen

This royal throne of kings, this sceptred isle,
This earth of majesty, this seat of Mars,
This other Eden, demi-paradise,
This fortress built by nature for herself
Against infection and the hand of war,
This happy breed of men, this little world,
This precious stone set in the silver sea,
Which serves it in the office of a wall,
Or as a moat defensive to a house
Against the envy of less happier lands;
This blessed plot, this earth, this realm, this England,

William Shakespeare, Richard II.

Das ist nicht Kansas

Die geistige Landschaft eines anderen zu bereisen, ist kein einfaches oder ungefährliches Geschäft. Nicht umsonst (und schon gar nicht ohne Kosten) erlernt ein Psychologe sein Metier jahrelang an der Universität und in der Praxis, bevor er solche Reisen regelmässig unternimmt. Und selbst dann noch geschieht es dann und wann, dass einer von ihnen von einem der Urviecher gefressen wird, die diesen oder jenen Dschungel bevölkern. Für uns Laien ist die Reise auf dem Gelben Ziegelsteinweg noch viel gefährlicher. So kann man zum Beispiel statt einem gefrässigen Saurus Depressionis ja auch sich selbst begegnen.

Denke ich zum Beispiel darüber nach, ob dicker Staub auf dem Fuss eines Fernsehers, Körbe voller Bügelwäsche und ein Dutzend Katzen bedeuten, dass Paula beginnt, sich selbst zu vernachlässigen und zu horten, stellt mir der hässliche Kerl, dessen Gesicht mir so bekannt vorkommt, auch gleich die Frage, warum ich in bestimmten Situationen anfange, Dosensuppen in der Schublade in meiner Garage zu sammeln, gleich neben dem Werkzeug, das ich für jene Reparaturen an meinem Roller brauche, die ich mir selbst zutraue.

Da liegen dann die Selbstüber- und die Unterschätzung direkt nebeneinander. Denn diese Dosen sind gerade Ausdruck eines mangelnden Vertrauens in die Welt, die Nahrungsmittelversorgung und Paula als Basis dazu. Gewinne ich an Selbstvertrauen, brauche ich diesen Vorrat nicht mehr. Er substituierte sozusagen nur, was ich an mir nicht sehen konnte. Dazu verhalfen mir dann der Zuspruch des Herrn Ambros, die Rolle als Alleinverdiener und die Freundschaft des Kleinen Bruders. Darüber zu bloggen war in gewisser Weise auch nützlich. Von nun an aber gelte für mich, dass es mir gut gehen soll.

Pizzaboten überfallen, weil er Geld zum Kiffen brauchte

https://www.vice.com/de/article/7xkwaz/ein-20-jahriger-hat-pizzaboten-uberfallen-weil-er-geld-zum-kiffen-brauchte

Stell dir vor, du bestellst eine Pizza und sie kommt nicht. Eine Stunde vergeht, in der dich die Gier nach öliger Salami auf Teig fertig macht und du den Pizzaservice anrufst, weil es ein Verstoß gegen die Menschenwürde ist, dich so lange zu warten lassen. Eine Horrorvorstellung, keine Frage. Aber stell dir mal vor, deine Pizza kommt nicht an, weil jemand den Pizzaboten überfallen hat.

Granit B. wird vorgeworfen, genau das getan zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm schweren Raub vor – in acht Fällen. Nicht die Pizza soll er geraubt haben, sondern das Wechselgeld der Boten. Seite Beute: zwischen 50 und 230 Euro. Im Falle einer Verurteilung erwarten ihn mindestens fünf Jahre Gefängnis.

Die Polizei fährt vermehrt Streife und verteilt Flyer an Lieferdienste. Sollten Neukunden nach Halle-Neustadt bestellen, sollen sich die Lieferservices umgehend an die Polizei wenden. Dass Granit B. überhaupt vor Gericht steht, ist Zufall. Als drei Mitglieder der Bande im Mai 2017 eine Spielothek in Halle überfallen, werden sie festgenommen. Beamte untersuchten deren Wohnungen. Dort fanden sie „umfangreiches Beweismaterial“ für die Raubzüge. Die Polizei spezifizierte nicht, ob es sich um leere Pizza-Schachteln handelte oder die verwendeten Waffen bei den Überfällen.

(Und ich bin sicher, dass der Pressesprecher der Polizei von der ausgezeichneten Arbeit der Ermittler gesprochen hat.)