Schauen wir mal

Zum etwa vierten Mal erstelle ich meine, ja, unsere Steuererklärung. Einen Bescheid zum dritten Anlauf haben wir auch schon, er gefällt uns aber nicht. 

Denn auf den Rat der Steuererstellungs-Software von Aldi hin wählte ich die getrennte Veranlagung als angeblich günstiger für uns aus. Das beförderte mich ganz ungeachtet meiner eigenen Veranlagung, die dagegen war, in den Grundtarif. 

Das inspirierte das Finanzamt zu einer Forderung von 4.500 Ecu für das Jahr 2018 und der Idee, für 2019 pro Quartal 800 Ecu als Vorzahlung erhalten zu wollen. Mich inspirierte das dazu, meine Abneigung gegen diese Einrichtung auf eine neue Stufe zu befördern. 

Jetzt versuchen wir es mit einer gemeinsamen Veranlagung und schauen, was dabei herauskommt. 

 

In my personal closet

In meinem Scheinwerferlicht überquert Taylor-Marie die Strasse. Sie sieht mich nicht, weil ich ausnahmsweise in einem Auto sitze und nicht auf meinem Roller. 

Eine halbe Stunde früher hatte ich ihr angeboten, sie mitzunehmen. Sollte ich der kleinen Goth-Braut die gleichen Gründe für ihre Zurückweisung unterstellen wie allen anderen Menschen?

Ich bin an Ablehnung gewöhnt, sogar an eine gewisse Form von Misshandlung. Meine Seele fliesst über von negativen Erfahrungen mit der menschlichen Spezies. Ich bin so daran gewohnt, herum geschubst zu werden, dass ich stets davon ausgehe, selbst schuld zu sein. 

Deshalb eignet sich die Zustellung von Flachkuchen und Teigwaren neapolitanischer Art so gut für mich. Ich habe mit niemandem so lange Kontakt, dass es negativ werden könnte. 

Meinen Kollegen auf dem Day-Job erzähle ich nichts über mein Leben. Ich verstelle mich, verberge meine Persönlichkeit. Wie lange kann das gut gehen?

Paula kennt Ally und Carmilla nicht

Paula ist wütend. Das ist nicht selten, und fast immer ist sie es auf mich. In diesem Fall wirft sie mir hingebungsvoll vor, aus einer Familie von Asozialen zu sein und zu ihr zu gehören. Das kommt jetzt nicht überraschend. 

Unterbrochen wurde diese Symphonie aus Herabsetzung durch einen Vortrag über ihre sexuelle Identität als heterosexuelle Frau. Aus meiner Erfahrung heraus wie aus dem, was ich im Fandom von “Carmilla” gelernt habe, weiss ich, dass diese Identität von uns selbst nicht ebenso wahrgenommen werden muss wie von anderen. 

https://youtu.be/wPNqaOwj7ko

Ich bin fast überzeugt, dass ihre Eltern und viele ihrer Kollegen und Freunde sie als homosexuell wahrgenommen haben. Es ist diese Art, sich zu kleiden, sich zu bewegen, sich mit Katzen zu umgeben, recht ähnlich dem Bild, das Ally Hills in ihrem bekannten Lied entwirft. Frau Hills versieht diese Beschreibung selbst aber immer mit einem Caveat: “Win some or lose some, you roll the dice”

Paula selbst ist das alles nicht bewusst. Sie weiss auch nicht, wieviel von ihrer Wut daraus stammt, wieviel aus der Wahrnehmung von Abhängigkeiten und wie wenig von einem schmutzigen Waschbecken. Abstraktion ist nicht ihre starke Seite, Achtsamkeit auch nicht. 

https://www.youtube.com/watch?v=OTU3vgVgDEw

Ich habe mich jahrelang im Spannungsfeld zwischen ihr und Maniac überfordert, Verantwortung übernommen, mehr Verantwortung als ich tragen konnte und die auch noch für andere, die ihre Verantwortung selbst hätten tragen müssen. Eine Sache, die mir Paula vorwirft, ist, dass ich nie Verantwortung für Vater, Schwester, Schwager und Neffen übernommen habe. 

Aber da war ich als Jugendlicher und junger Erwachsener egoistisch. Oder sagt man realistisch? Kein gutes Vorbild, keine Putzfrau, keine finanzielle Zuwendung hätte aus ihnen andere gemacht als die, die sie sind. So wenig wie ich mit Paula als selbst-definiertem Vorbild ein anderer wurde. Mehr Geld hätte mich höchstens selbstsicherer gemacht. 

Als ich sie verlassen habe, muss ich so mutig gewesen sein wie einer, der mit einem Fallschirm abspringt, den ein anderer gepackt hat. Mit 22 Jahren war ich also ein Held, und zwar weil ich so wenig über mich und die Welt wusste.

Brilliant Boris

So Boris J. has followed Mr. Benn’s law and negotiated a deal with the EC. Nice guy – who is rather sure that it will not find a majority in the parliament. And even if, the Stormont Assembly is famous for being at odds. They are of of order since march 2017 and should now decide every 4 years if Northern Ireland stays in the single market with the EC. Both things added should secure a hard, a very hard Brexit.

Da wird der Anwalt depressiv

Möglicherweise gibt es für meine Unsicherheit noch andere Gründe als den Tod meiner Mutter und Paulas Stimmungsschwankungen. Eine sich über die ganze Jugend hinziehende wirtschaftliche Unsicherheit kommt da zum Beispiel ebenso infrage wie das Gefühl, abgelehnt zu werden. 

Ich hatte die Gelegenheit, über das Thema nachzudenken, während ich neben Doc dem Biker-Anwalt in der Diele eines Hauses stand, das ich seit vielen Jahren nicht mehr bewohnte. Meine Schwester und ihr Mann waren auch da. Allesamt sahen wir einem wuseligen kleinen Gutachter zu, der in die Räume des Untergeschosses wuselte, Fragen stellte, Fotos machte und immer wieder in sein Aufnahmegerät sprach. 

Ich hatte das Gefühl, dass sich minütlich der Wert verringerte, den das Haus in seinem Gutachten haben würde. Hier war eine Wand feucht, dort eine Decke nie verkleidet oder eine Wand nie tapeziert worden. Die Holzrahmen hatten seit den 80ern keine Farbe gesehen, die Treppe war nie abgeschliffen worden, Lichtschalter defekt, der Boden klebte verdächtig und der Geruch war ohrenbetäubend. 

Doc und ich entfleuchten nach einer Viertelstunde. Paula war der Zutritt verweigert worden, uns beide würde auch keiner vermissen. Meinen Schwager schloss der Anwalt tief ins Herz, als der ihm den Handschlag verweigerte. Docs Stimmung schien mir nach diesem Besuch auch ohne dies ein wenig gedrückt zu sein

Wenn mich jemand braucht…

“Berufsbilder ändern sich im Internet-Zeitalter rasend schnell. Der Drogendealer ist keine Ausnahme. Stand er vor ein paar Jahren noch langhaarig in Bahnhofshallen, agiert er schon heute zunehmend behende im Netz. Einzelne Rauschgifthändler arbeiten sogar mit richtigen Arbeitsverträgen. …

Auch wenn der stationäre Drogenhandel derzeit noch größer ist und der Internethandel noch als Ergänzung gesehen wird: Ginge es nicht um kriminelle Machenschaften, oft genug sogar um Leben und Tod der Abnehmer, könnten die Drogen-Firmen durchaus als vorbildliche Online-Händler durchgehen. „Der Kundenservice ist hervorragend“, sagt Beyser.

Sie verfügen über Call-Center und Rabattsysteme, schicken bei Verlust auf dem Postweg anstandslos Ersatz, betreiben Beschwerdehotlines, engagieren Kuriere und Finanzmanager für die Abwicklung des Geldverkehrs. Und sie liefern – zumindest im Sinne der Szene – immer häufiger Top-Qualität, sprich: hohe Wirkstoffkonzentration mit entsprechendem Rauschpotenzial. „Die Bewertungen sind das A und O für denjenigen, der den Web-Shop betreibt“, betont Beyser. Wer von den Kunden weiterempfohlen wird, gilt in dem sensiblen Feld der Drogenkriminalität als verlässlich. …”

https://www.n-tv.de/panorama/Drogen-Firmen-sind-jetzt-Online-Haendler-article21307721.html

Wie baut man ein solches Call Center und Beschwerde-Management auf? Klar, Libanesen und Vorbestrafte haben keine Chance auf Einstellung. Die sind zu auffällig Aber nach welchen Einstellungskriterien wählt man die Mitarbeiter aus und wieviel dürfen sie überhaupt über Produkte, Kunden und Auftraggeber wissen? 

Denn je mehr sie wissen, desto schwieriger wird es, zuverlässige Mitarbeiter zu finden. Zuverlässig heisst in diesem Fall auch, dass man davon ausgehen kann, dass sie nicht gierig werden. Unauffällig müssen sie sozial wie optisch auch noch sein, Durchschnittsgesichter, die ebenso im Amt oder im Discounter arbeiten könnten.  

Und wie handlet man einen Drogensüchtigen auf Entzug am Telefon, dessen Lieferung der Hermes-Kurier verloren hat? Sind DHL-Lieferungen an Packstationen hier nicht die drastisch bessere Wahl, weil der Kontakt zwischen Auslieferungsfahrer und Kunden auf Null reduziert wird? Dazu noch ein Zitat aus dem o. a. Artikel über die Polizei-Konferenz in Führt, an der Gesetzeshüter aus 22 Ländern teilnahmen: 

“Irgendwo in dem weit verzweigten System von Produktion, Weiterverarbeitung, Verpackung und Versand der illegalen Ware gibt es Schnittstellen zwischen virtueller und realer Welt. „Dort greifen wir an“, sagt Beyser. Wenn Händler etwa virtuelle Währungen in echtes Geld tauschen müssen. Oder wenn die im Netz bestellte Ware tatsächlich in einen Postkarton wandert und sich auf den Weg zum Abnehmer macht. „Hier sind auch die Postdienste gefragt“, betont Daniel Lichtenegger, beim österreichischen Bundeskriminalamt für Rauschgiftbekämpfung zuständig. Die Paketdienste müssten genauer darauf schauen, was sie zustellen.”

Da ist er ein Optimist, der Herr Lichtenegger. Denn es ist nicht die Aufgabe eines osteuropäischen oder mittelöstlichen Kleintransporter-Piloten darüber nachzudenken, was denn in diesem oder jenem der Pakete stecken möge, mit denen sein Sprinter oder Streetscooter vollgestopft ist. Seine Aufgabe ist es, sie auszuliefern. 

Nur das. Und vielleicht auch noch, den Transit oder Movano halbwegs heil zurück zu bringen. Fürs Denken bezahlt ihn GLS nämlich nicht; nur für die erfolgreiche Zustellung gibt es Geld von UPS. Prämien für die Ermittlung von Drogenhändlern, Islamisten und Pädophilen sieht sein Vertrag auch nicht vor. 

Wir folgern daraus, dass gerade aus diesem Grund für die oben erwähnte Branche grössere Logistik-Unternehmen kleineren und kleinen vorzuziehen sind. 

Für den anfallenden Zahlungsverkehr aber gibt es Klarna, Revolut, DKB, N26, Paypal, Viabuy, Nubank und dreiundzwanzigerlei andere Fintechs. Ein Brexit, vor allem einer ohne Abkommen mit der EU, könnte die Möglichkeiten in diesem Bereich sogar potenzieren. Genauso wie Argentinien sich als Sitz für spezifische Zahlungsdienstleister anbieten könnte. 

 

“Wir suchen nicht nach Stillstand, sondern nach einer sinnvollen Kanalisation der Flüsse. Unsere Situation ähnelt jener Alt-Ägyptens in einem Intervall zwischen zwei Dynastien: Ein älteres pharaonisches Regime ist zerfallen, ein neues hat sich noch nicht etabliert, der Nil macht unterdessen, was er will, er überschwemmt die Landstriche, die Dörfer, die Tempel. Die Sitten verwildern, die Gerechtigkeit ist obdachlos. Der neue Pharao, der die Kunst besässe, Ströme zu lenken, muss erst geboren werden. Kurzum, uns fehlt eine neoägyptische Kanalisationskunde – in heutiger Sprache eine Global Governance, und solange wir die nicht haben, werden wir von verwilderten psychopolitischen Energien geflutet, mit ungewissem Ausgang.”

Peter Sloterdijk

Wir sind nicht wie andere

Sam Puckett, meine Damen und Herren, liebe Freunde, führt stets Lebensmittel mit sich. Wer jemals iCarly gesehen hat, weiss das. Es ist jedoch nicht (nur) Ausdruck eines gesunden Appetits, sondern zugleich und vor allem einer ihrer Unsicherheit. 

Diese Unsicherheit hat etwas mit ihren Eltern zu tun, ihrem Vater, der sich irgendwann abgesetzt hat, und ihrer Mutter, die sich danach elfmal verlobt hat. Ich kenne mich da ein wenig aus. Der Tod meiner Mutter, die Stimmungsschwankungen Paulas, das sorgte und sorgt in meinem Leben für ein erhebliches Gefühl der Unsicherheit. 

Entsprechend habe ich immer zwei Packungen Ramen-Nudeln im Rucksack, ein Survival-Paket mit Bargeld, Power-Bank und Ladekabeln bei der Hand und ein wenig Geld auf einem Konto. In Wirklichkeit sind die Chancen, dass mich Paula einmal rauswirft nicht so gross. Dafür hängt sie zu sehr an ihrem Leben mit einem grossen Haus, vielen Katzen, und vor allem hat sie Angst davor, allein zu sein.  

Aber ich kann meine Reflexe nicht immer kontrollieren. Immerhin ist es mir gelungen, meine Vorräte zu reduzieren, während ich gleichzeitig etwas Selbstsicherheit aufgebaut habe. Trotzdem gilt noch immer, dass andere Freunde für schlechte Zeiten haben, ich aber nicht wie andere bin. Wenn es hart auf hart kommt, kann ich auf niemand anderen rechnen.