Ich habe einen neuen IBAN

An jeder Volksbank am Markt von Hagen hängt eine Notiz. Jede deutet die Fusion des ansässigen Bankinstituts mit einem anderen an, das hier keine Filiale hat. Die Erste Volksbank von 1878 vereinigt sich mit der Volksbank Ettelbrück, die RegioBank mit der Volksbank Panzerbach und die Spar- und Raiffeisenkasse, deren Kunde ich bin, mit der Vereinigten Kantonsbank. 

Pfundweise legen Prospekte für die Offliner dar, was andere schon auf den teuer neu gestalteten Webseiten lesen können. Dass sie neue IBANs und Karten erhalten werden, dass die Herausforderungen der Zeit die Banken nötigen, sich zusammen zu schliessen und dass es Fusionen sind und keine Übernahmen. Dieser Punkt ist den Autoren einhellig wichtig, ganz egal für welche Bank sie schreiben. 

Gerade das sagt mir aber etwas über die Begeisterung, mit der die Volksbank und ihre allierte Bausparkasse mich vor drei Jahren zu einem neuen Darlehen nötigten, mit dem ich das alte für die Hausfinanzierung viel günstiger ablösen konnte. Wieviel Geld die Bank durch meine niedrigeren Zinsen verliert? Genug, um einen nettes Auto zu kaufen, aber Schwamm drüber, Hauptsache der Umsatz geht noch einmal hoch und die Provision fliesst ein letztes Mal. Jede Party geht irgendwann zuende, und das war vorgestern.  

Als ich Mitte der 80er meinen Abschluss machten, galten uns jene als erfolgreich, denen es gelang, sich eine Ausbildungsplatz bei einem Geldinstitut zu sichern, oft als Frucht familiärer oder sozialer Beziehungen. Wer heute für die Targo-Bank prämienbeflügelt alten Frauen Lebensversicherungen andreht oder Hartz IV-Empfängern Kredite anpreist, wird dazu eine eigene Meinung haben. Tja, Freunde, das ist nicht die Gnade der späten Geburt, von der Dr. Helmut Kohl einst faselte, das ist das Gegenteil. 

Die Rache des Wu-Wei

Der Großteil der Entscheidungen sei jedoch umkehrbar, wie beispielsweise ein Haus zu kaufen oder in eine neue Stadt zu ziehen. Oder auch, den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen. Solche Entscheidungen könnten sehr wohl rückgängig gemacht werden. Sicher, der Weg zurück habe seinen Preis. … „Aber dieser Preis des Ausprobierens ist fair und bezahlbar“, meint Förster. 

https://t3n.de/news/zoegern-meisten-entscheidungen-1175940/

Ein Teil der Ruhe, die ich heute habe, kommt von der Idee, dass Paula krank ist. Dass sie das immer war. Dass sie zwanghaft jedes von ihrer Idealvorstellung abweichende Verhalten nicht nur als Aufruhr erkennen, sondern auch als Zeichen davon verstehen muss, dass jemand sie nicht liebt und nicht respektiert. Darauf kann sie nicht anders reagieren als mit Wut und Aggression. Das ist alles logisch. Also, für sie. Für mich ist es verletzend. 

In gewisser Weise hängt sie sich gleichzeitig an mich als einzige verfügbare Person, als der Mensch, von dem sie auch abhängig ist. Gerade in diesem Moment sollte ich eigentlich die Steuererklärung für uns beide machen. Das hatte ich schon mal getan, aber die erste Version fiel einem Software-Update eines Programmes mit dem vertrauenerweckenden Namen “Steuermanager Steuer 2018” zum Opfer. 

Es gibt Augenblicke, in denen ich diese Aufgabe nicht erledigen will, um mich an ihr zu rächen, Wu-Wei, effektiv nichts tun, um mich selbst zu rächen. In meinen Händen liegen Einkommen und Steuererklärung. Auch kann allein ich den Garten umgraben und die Wäsche ab- und aufhängen. 

Aus dem Zitat am Anfang und der Beobachtung der Realität lernen wir, dass fast jede Entscheidung zurückgenommen werden kann und dass jede Entscheidung einen Preis hat. Den muss man zahlen, den muss man aushalten. Oder eine andere Entscheidung treffen. 

 

ZEIT ONLINE: Mit Trump sitzt heute selbst ein Nationalist im Weißen Haus. Oder, netter formuliert, ein außenpolitischer Realist: Der schaut auch mal weg, wenn Verbündete etwas tun, was amerikanischen Idealen nicht entspricht. Regimekritiker ermorden zum Beispiel.

Packer: Das ist das Gegenteil von Holbrookes Haltung. Der glaubte leidenschaftlich an das Befreiende der Demokratie, und zwar in einem Maße, wie es vielleicht nur jemand kann, dessen Eltern vor Hitler und Stalin in die USA geflüchtet waren. Ein Realist wie Henry Kissinger, der so etwas wie Holbrookes Frenemy war, ein Freund und Widersacher zugleich, sagte hingegen: Wir sollten uns nicht in die Angelegenheiten anderer einmischen, sonst könnten die das im Gegenzug auch bei uns versuchen.

https://www.zeit.de/kultur/literatur/2019-06/george-packer-buch-our-man-diplomat-richard-holbrooke

Zukunftssicher in der Auto-Branche

Paulas Tätigkeit als Überführungsfahrerin für das Autohaus ihres Bruders brachte sie in Kontakt mit einem seiner Mitarbeiter, der sich auf die Beschallung des Fahrzeug-Innenraumes spezialisiert hat. Das scheint mir eine gerissene Entscheidung zu sein, denn ob Verbrennungs- oder Elektromotor, Musik muss sein!

https://www.youtube.com/watch?v=oKkRS4rL6Pw&list=PL2Odx_yrfHXLDWG63cCLR43XTsNRmqm9I&index=3

Jene Fachkraft wusste nach einem Blick auf die Fotos auf ihrem Senioren-Handy umgehend den rechten Adapter samt Modellnummer und Bezugsquelle zu benennen. So bedurfte es nur weniger Drohungen, mich zu einer Bestellung zu bewegen. Jetzt harre ich der Installation, um danach das neue Autoradio in der gleichen Weise zu ignorieren wie das alte. 

Ich nämlich lege an dieser Stelle einfach mein Mobiltelefon vor das Tachometer und höre ein wenig Lizzo. 

https://www.youtube.com/watch?v=R9CTs1NsZRI

So etwas soll in einem Elektro-Auto übrigens mehr Spass machen – der Geräuschpegel, den das Auto als Hintergrund liefert, ist wohl deutlich geringer. Das jedenfalls behauptet  Alex Roy auf TheDrive, der denn auch gleich eine Beschreibung mitliefert, wie man im 21sten Jahrhundert seinen neuen Kraftwagen erwirbt: 

The Tesla staff were terrific. The car was in stock. I gave them my credit card. Within minutes I had an e-mail confirmation and an online account. Within hours they confirmed home delivery for the very next day. It was by far the best car purchasing experience I ever had. I went home and counted down the hours.

https://www.thedrive.com/opinion/27490/how-i-learned-to-stop-worrying-and-buy-a-tesla

Angela Merkel in Destroyed Jeans.

Beschwert sich denn keiner mehr, dass die Frau Merkel Posten an ihre Gefolgsleute verteilt wie ein Sultan des Matriarchats? Ach, das sind die Leute schon gewöhnt, das kennen sie von anderen Politikern, hiessen sie denn Putin, Trump oder Schröder. 

Immerhin, Frau Kramp-Karrenbauer, die neue Verteidigungsministerin und Kronprinzessin, ist eine Sympathisantin Trumps, eine, die ihm nicht aus Prinzip das Nudelholz überzieht wie es bei deutschen Journalisten üblich ist. Das sieht gut aus für die Umsätze von Raytheon und Co. und passt auch gut zur anstehenden Wahl Boris Johnsons zum Premierminister in Grossbritannien. 

Da rücken dann zwei der wichtigsten jener Staaten wieder ins Glied, die man in Washington noch Allierte nennt, aber schon wie Vasallen behandelt. Die Demokratie, das Konzept der westlichen Allianz, bei beiden ist das Gewebe schon durchgescheuert. Da schauen die Knie und die Ellenbogen schon durch. 

Da wird die destroyed Jeans zum Symbol der politischen Lage und sieht doch an Angela Merkel, Ursula von der Leyen und Annegret Kramp-Karrenbauer nicht so attraktiv aus. Nicht so wie Natasha Negovanlis. 

https://pin.it/x5zfuk7zbv7b3j

 

Das All-you-can-eat des Auges

Einem Voyeur ist das Schwimmbad das gleiche wie das All-you-can-eat-Menü beim Chinesen. Hier wölbt sich ein zarter Busen, dort schwillt eine schwere Brust und da, da sieht man kurz einen festen, weissen Po. 

Was sollte mir auch sonst Ausgleich für die Zeit sein, die ich mit Paula und ihrer Schwester dort verbringe? Ich höre Gesprächen zu, die mir zusammenhanglos erscheinen, sinnlos. Ich selbst bin nur eine, offensichtlich allerdings benötigte Dekoration. 

Vor kurzem hatte ich einen Traum über Taylor-Marie Kowalowski. Umgehend nahm ich mir die Zeit, bei unserer nächsten gemeinsamen Schicht aller Anziehung die Spitze zu nehmen. Ungefiltert liess ich sie auf mich wirken, ihre altersgerechte Naivität, ihre Antriebslosigkeit, die Tätowierungen, zugleich fein ausgeführt und sinnlos, die Schnitte, die sie sich selbst zugefügt hat, die Narben der Zigaretten. 

Danach war alles wieder in Ordnung. Die Menschen bleiben mir fern. Fern bleibt es mir auch, Konsequenzen aus dem zu ziehen, was ich sehe. Die Reize sind vorhanden, bleiben aber diffus. Ich habe nicht die Fähigkeit, auf diesem Weg eine Brücke zu einem anderen Menschen zu bauen.