Es mangelt mir an Profil

Kaum, dass La Mosca und ich den Ölwechsel leidlich überstanden hatten, musste ich meine Reifen zu einem Gespräch bitten. Der vordere profilierte sich nicht mehr richtig, der hintere war lustlos und schlapp.

Nun wies der vordere Reifen darauf hin, er habe schon meinem Vorgänger an dieser Stelle gedient, der hintere auf seine verrichtete Arbeit als Vorderreifen meiner alten Peugeot Ludix Blaster. Aber mit solchen Mitarbeitern kommt man nicht recht voran! Es fehlt ihnen eben an der richtigen Einstellung.

Das eigentliche Problem ist aber, dass ich nicht angemessen auf das Problem reagiert habe. Denn ich eiere jetzt immer noch von Tankstelle zu Tankstelle, um den Hinterreifen wieder aufzupumpen, statt direkt in die Werkstatt zu fahren.

Ja, ich habe inzwischen noch einen umfangreichen Zahnarzttermin gehabt, der mich aufgehalten hat, weil er mich auch geistig beschäftigt hat, aber trotzdem hätte ich hier schneller reagieren müssen.

130-70/12 und 120-70/12 sind übrigens die Taufnamen jener schwarzen runden Gesellen.

Das Geheimhäusel und die Erfindung der Erotik

Ich fühle mich gerade geringfügig überfordert von den Informationen, die mir der Kleine Bruder und La Joven über ihr Leben geben.

Er besucht nämlich gerade die Babuschka im fernen, fernen Kasachstan und schickt Bilder von ihrem Landhaus. Das ist einfach ein Holzhaus auf dem Land. Der von der Bezeichnung implizierte Kontrast zum Stadthaus entfällt mangels eines solchen.

Überhaupt entfällt in jener Gegend der Welt manches, eine Kanalisation etwa, Telefonleitungen und asphaltierte Strassen. Das ist entweder Ausdruck beschaulicher Hinterwäldlichkeit, oder es sind die drei ersten Positionen auf der To-Do-Liste der Chinesen, für die Kasachstan die erste Bushaltestelle auf der Neuen Seidenstrasse sein wird.

8 Gigabyte mobilen Internets kosten dort übrigens 4 Ecu. Das ist nicht wenig in einem Land, wo ein Schreiner 200 Ecu im Monat verdient.

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Wo ich diese Informationen intellektuell verarbeiten kann und sogar eine Zukunftsperspektive erkenne, tue ich mich mit La Jovens Frage schwerer. Die konnte ich zwar beantworten, ich muss aber immer noch über sie nachdenken.

Beim Studium des Faszikels von Bonprix im Lesezimmer ihrer Zweiraumwohnung stellte sie nämlich die Existenz von Slips und Bodies ouverts fest. Sei dies, so fragte sie mich, der ich einst in einem Warenhaus in der entsprechenden Abteilung gearbeitet habe, nicht im täglichen Gebrauch ein wenig… unpraktisch?

Schonend brachte ich ihr nahe, dass diese Form der Kleidung nur besonderen Gelegenheiten bestimmt sei. Sie schien darüber nachzudenken, erzählte mir aber auch, dass sie seit wenigstens sechs Jahren stets die gleichen Schlüpper kaufe, ein Kompromiss aus Tragekomfort und Ansehnlichkeit.

Schliesslich wolle sie ja nicht, dass bei den erwähnten besonderen Gelegenheiten ein Mann nach einem Blick auf ihre Unterhose sie darum bäte, sich wieder zu bekleiden. Es sei ja doch schwierig genug, ihren Arbeitsplan mit dem eines gewissen jungen Mannes zu koordinieren –  und mit dem seiner Freundin, die vorzugsweise genau dann arbeiten sollte, wenn sie beide es nicht täten.

Ich hatte das deutliche Gefühl, dass sie die Erotik noch nicht erfunden hat. Sex war für sie Sex, eine eher praktische Angelegenheit. Und ich vermute, dass diese Informationen mit mir als einem harmlosen alten Mann teilte.

Dieses Gespräch eröffnete mir einen Blick auf eine komplett andere Sichtweise auf Sexualität. Oder eher ergab sich die Frage, wie meine Sichtweise auf das Thema eigentlich ist. Ich lebe nämlich in einer kleinen handgehäkelten Blase vor mich hin, so weit von den Menschen und diesem speziellen Thema entfernt wie möglich.

Der Herr Ambros aber stachelt mich dann und wann per Whatsapp dazu an, meinen Horizont in dieser Hinsicht wieder zu erweitern. Es scheint ihm meine zur Schau getragene Asexualität suspekt zu sein. Zugleich versteht er wohl, dass ich ohne die gedankliche wie praktische Hilfe anderer niemals voran kommen werde.

Ein Isik für Dein Leben

Star Trek: Discovery beantwortete die Frage, wer denn in der Sternenförderation unterm Sofa wischt, nur teilweise. Immerhin erlaubt uns die Serie einen Blick auf Ecken der Galaxie, wo ein wenig rauer und ungezwungener zugeht.

Michael Burnham, Captain Philippa Georgiou, Saru, Paul Stamets, Hugh Culber und Sylvia Tilly sind Marine-Offiziere von der gewohnten Art, verantwortungsbewusst, qualifiziert und immer korrekt gekleidet. Sie haben vielleicht ein wenig mehr Ecken und Kanten als Picard und seine Gesellen, kaum mehr allerdings als Janeway und die Besatzung der ‘Voyager’, halten insgesamt aber die Standards ein, die ursprünglich vermutlich die britische Royal Navy gesetzt hat.

Vaulting Ambition

Mit den terranischen Kollegen können sie nicht so natürlich nicht mithalten. Captain Lorca ist ein ausgemachter Schurke, dem seiner Mitmenschen Leben keinen Isik wert ist. Die Imperatrix Philippa Georgiou Augusta, Mutter des Vaterlandes, Herrscherin von Vulcan, Herrin von Qo’noS, Königin von Andor, ist in dieser Beziehung (und mindestens einer anderen) auch kein Kind von Traurigkeit.

Allein Admiral Cornwell von der Föderation hat an ganz schlechten Tagen die entsprechende Niedertracht. Sie begründet sie aber mit dem höheren Interesse, ganz Führungskraft von Nebenan eben. Ob sich die Autoren den Nachnamen von Kadett Tilly von Grafen und Marschall borgten, bleibt ungewiss.

Mit der Idee eines Multiversum-umspannenden Myocel-Netzwerkes muss ich mich allerdings noch anfreunden. Mit Weltraumwalen auch. Immerhin ist der gute, alte Harry Mudd schon im Geschäft, ein Vertreter jener bodenständigen Kreativität, für die auch die Zukunft einen Strafgesetzdatenspeicher bereit hält, den Nachfolger des Strafgesetzbuches.

 

Danke!

Manche Dinge nehmen wir als gegeben an. IBAN zum Beispiel ist inzwischen so fest in unserem Bewusstsein verdrahtet, dass wir uns eine obskure Vergangenheit ohne nicht einmal vorstellen können. Höchstens, dass wir den Wilden jenseits des Zaunes, in Russland etwa oder auf den Philippinen oder in Lankhmar, zutrauen, Geld auf andere Weise von einem Konto zum anderen zu befördern.

Und da konfrontiert mich dann eine ältere Dame mit ihrem Versuch, Geld aus dem Königreich der Schweden nach Luxemburg zu transferieren. Unklar ist mir, welchen Browser bzw. welche App sie verwendet. Es könnte sich also um den Netscape Navigator ebenso handeln wie um eine App für mobile Betriebssystem S60 von Nokia.

Von mir mit IBAN und BIC versehen konfrontiert sie ihr online-banking dann erst einmal mit der Frage, ob das Empfänger-Konto im Bankgirot- oder im Plusgirot-System ist. Wie ich inzwischen gelernt habe, ist Plusgirot so etwas ähnliches wie das alte Postgiro in Deutschland und längst Teil von Bankgirot. Die Eingabe eines IBAN war gar nicht vorgesehen, aber dafür die einer Konto-Nummer.

Es bedurfte der vereinigten Kräfte von Service und Buchhaltung, um eine zu produzieren. Sie erwies sich als falsch – oder war wenigstens mit diesem online-banking nicht kompatibel. Auf einer alten Rechnung fand ich noch die Nummer eines anderen Kontos, das wir vor einigen Jahren gelegentlich benutzt haben.

Damit konnte sie nun eine Überweisung vornehmen, jedoch in der Währung des Königreiches, der Schwedenkrone. Jawohl, in der Heimat von Martin Beck, der Grumpy Cat des Kriminalromanes, und The Girl with the Dragon Tattoo, verwendet man statt des Euros noch Kronen.

Danke für diese Erweiterung meines Horizontes. Es war wieder einmal nötig.

Und im Übrigen bin ich der Ansicht, dass die Romane von David Lagercrantz nicht kanonisch sind.