Das einsame Grab der Paula Schultz als Nicht-Ort im Sinne Augés

Marc Augé schreibt in einem Buch, das ich nicht gelesen habe, von den Nicht-Orten, die ausserhalb des normalen, gesellschaftlich erschlossenen Raumes liegen. Ich vermisse sie gerade, die Nicht-Orte, die Mall, den Bahnhof nachts, das billige Hotel, wo man am Automaten zahlt, an einem anderen Automaten sein Frühstück kauft. Ich fühlte mich in diesen Nicht-Orten sicher, denn in ihnen ist jeder ein Fremder und deshalb keiner dem anderen überlegen. Diese Abwesenheit von sozialen Beziehungen ist weniger fordernd und braucht weniger Energie.

Gerade in diesem Moment denke ich an Budd, den Killer mit dem Cowboy-Hut aus dem 2ten Teil von “Kill Bill.” Der Strip-Club, in dem er arbeitet, der Wohnwagen, in dem er lebt, der Friedhof, auf dem er Kiddo vergräbt, sind Nicht-Orte, die ausserhalb der Gesellschaft liegen. Ihn selbst trennen als Person sein Alkoholismus und sein ehemaliges Gewerbe von ihr. “That woman deserves her revenge. … We deserve to die,” sagte der ruheständlernde Berufsmörder, und ich denke an meinen Arbeitgeber und mich.

Sein Esprit d’Escalier ist aber: “But then again, so does she.“ Dieser Satz macht klar, dass er den Kampf dann doch wieder aufnehmen wird. Er wirft zugleich die Frage auf, was er tun wird, wenn er den Kampf gewinnt. Kehrt er von seinem Nicht-Ort mit dem Verkaufserlös von Kiddos Hattori Hanzo-Schwert zurück ins Menschenland oder sucht er sich einen komfortableren Nicht-Ort mit besserem Alkohol und Wasserspülung?

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