In Rio und Steinheim an der Murr

Wartezimmer

Einst, in einem anderen Jahrhundert, einem ganz anderen, hatte meine Familie in und um ein Dorf in der Nähe von Contiomagus herum einige Grundstücke. In Verbindung mit harter, vorzugsweise körperlicher Arbeit und einem ganz normalen 60 Stunden-Job in einem metallverarbeitenden Betrieb dienten sie dem Erwerb des Lebensunterhaltes einer recht durchschnittlichen 13-köpfigen Familie jener unteren Mittelklasse, der wir uns seit Generationen verbunden fühlen.

Von all dem war mir nur ein Acker geblieben, 13 1/2 Ar sandigen Bodens, üppig bestanden mit allzeitgrünem Ginster. Er war mir nur als Verbindung zu meiner Familie wichtig, ein letzter Anker in einer Welt, die untergegangen war, eine Art post-augustulisches weströmisches Reich unter einer Starkstromleitung. Einer Steuernachzahlung vorbeugend beschloss ich, es zu verkaufen. Meine Erfahrungen mit dem Finanzamt raten von jeder Konfliktbereitschaft ab.

Der Bedarf entfiel dann eigentlich, als Paulas Rente genehmigt wurde. Ich hielt aber an meinem Plan fest, vielleicht mit dem Gedanken, mich meiner Wurzeln zu entledigen, vielleicht mit dem an einen Citroen Saxo, Proton 300 oder gar einen Peugeot 309. Freiheit hat viele Gesichter und manchmal vier Räder.

Das Sitzmobiliar im Wartezimmer des Notars gehört zum Programm „Rio“ der Firma Fröscher-Sitzmöbel in Steinheim an der Murr, an deren Kantine ich einige angenehme Erinnerungen aus den 90er Jahren habe.

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