Ich bin kulturlos

Einen „kulturlosen Deutschen“ nannte mich Miguels Sprössling, selber ein überzeugendes Argument für die Eugenik, als ich den Chianti Riserva im Kühlkeller suchte. Aus naheliegenden Gründen habe ich mich allem Wissen in diesem Bereich des Lebens verweigert.

Ich WILL die Unterschiede zwischen Riesling und Valpolicella gar nicht wissen. Schliesslich kannte mein Vater sich da allzu gut aus, so gut, dass ich bis heute einen Widerwillen gegen das ganze Sujet habe. Der alte Herr trank soviel von diesem und jenem und Pernod-Ricard und Karlsbrunner Export-Bier, dass es für uns beide reichte.

Er war der Spross einer Dynastie von Trinkern, die bis ins 14. Jahrhundert in die Schankwirtschaft des Henne Cryfts in Kues zurückreichte. Mein Neffe, seine Ahnen ehrend, hat diese Tradition ins 21ste Jahrhundert transponiert und raucht tüchtig Haschisch.

Ich hingegen halte mich von diesen Dingen fern, meiner eigenen Selbstkontrolle mit einiger Berechtigung misstrauend. Ich weiss um meine Bereitschaft, mich in den sonderbarsten Dingen zu verlieren. So schliesslich hat Paula es ja geschafft, mir eine Unterlegenheit einzureden, die noch jene übertrifft, die mir ohnehin zu eigen war. Wäre es ihr auch ohne diese Voraussetzung so schön gelungen?

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