Somebody Elses Problem

Als ich nach Hause komme, war Paula wütend. Nun ist das eigentlich inzwischen ihr Normal-Zustand, jedoch richtete sich ihre Wut ausnahmsweise nicht gegen mich, sondern den Jagdgehilfen Jennerwein, der zwei Häuser weiter wohnt.

Dieses eher schlichte Gemüt hat sich nun einen Dackel zugelegt, jenen deutschen Kampfhund per se, der zum grünen Lodenrock gehört wie der Drilling. Der Hund entrückte ihm natürlich und hetzte in unserem Hof eine der streunenden Katzen zu Tode, von denen es bei uns so viele gibt.

Während ich den im Vorgarten beerdigte, zog sie die Strasse hinauf, um den Hundebesitzer mit der Untat seines Caniden zu konfrontieren. Es dauerte einige Zeit, bis sie wieder auftauchte, nicht friedlicher als vorher, da er den Laserstrahlen ihrer Kritik ein SEP-Feld entgegensetzte, ein Produkt neuester Technik, das jetzt seinen Weg aus den Romanen Douglas Adams’ in den Shoppingkanal gefunden hat.

Jetzt hat sie beschlossen, dass 90% unserer Nachbarn Idioten sind, eine Einschätzung, die sich mit meinen Beobachtungen deckt, und dass wir das Haus verkaufen und ein anderes erwerben sollen, dass noch weiter von meiner Arbeitsstelle entfernt ist. Mit äusserster Zurückhaltung wies ich auf diesen Fakt hin, einen alternativen Fakt wohl, denn er hatte ihr so gar keine Bedeutung. In diesem Fall sollte ich halt La Mosca gegen ein Auto eintauschen, eine Reiselimousine Citroen Saxo vielleicht oder eher noch einen elegant-angerosteten Ford Orion.

Für einen Moment zog ich in Erwägung, mich auf ihre Seite zu schlagen, ihre Sichtweise zu teilen. Warum sollte ich nicht das Haus verkaufen und ein anderes und ein Auto kaufen können? Weil das noch nie funktioniert hat? Wer lässt sich denn von so etwas aufhalten? Oder davon, dass ich meist überall lieber wäre als bei ihr? Schliesslich sind das doch alles nur Petitessen.

Sie schlug mir nicht vor, den Arbeitgeber zu wechseln, weil sie fest davon überzeugt ist, dass ich schon froh sein kann, für die Illinois Electro Door arbeiten zu dürfen. Jedes andere Unternehmen würde mich umgehend wieder entlassen, weil meine charakterlichen und psychischen Defizite allzu gross sind.

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