Es weihnachtet sehr!

Ausserdem gibt es Tage, an denen man einfach ein blauäugiges Mädchen und einen missmutigen Vampir braucht, die es mit einer kannibalischen Hexe aufnehmen. Es gibt soviel schlechtes und so wenige Helden.

Il meraviglioso mondo del scooter marketing

Während ich La Mosca von der Werkstatt des Sizilianers, dem ich nach Jahren der Trennung wieder meine Kundschaft angetragen hatte, nach Hause steuerte, bedachte ich die Veränderungen des Roller-Marktes.

Gar mancher bekannte Zweirad-Mechaniker hat sich in den unverdienten Ruhestand verabschiedet und der eine oder andere gar in die Ewigen Jagdgründe. Die anderen haben der Markenbindung abgeschworen und reparieren, was ihnen vor die Türe geschoben wird. Vorbei die Zeiten, wo der akkreditierte Aprilia-Händler Hand nur an SRs und Sportcitys legte.

Piaggio, dem Zeitgeist fern, beschloss derweil, eine Reihe von Haupthändlern zu installieren, die nur Piaggio-Roller, davon aber hinlängliche Mengen verkaufen sollten. Bevor sie noch gemerkt hatten, dass dieses Konzept scheitern würde, hatten sie sich schon fast ihres kompletten Händler-Netzes entledigt. Mit wenigen Händlern, die hochpreisige Produkte auf einem Markt verkaufen, dessen Kunden meist preissensitive Kleinsparer sind, wird der Umsatz jetzt wohl nicht so toll sein.

Zugleich sind aus dem Gewusel neuer Hersteller langsam die ersten Marken aufgetaucht, die europäischen Zweirad-Mechanikern keine Bauchschmerzen bereiten. Zwar mögen Motowell aus Ungarn, Tauris aus Spanien und KSR/Generic aus Österreich qualitativ noch nicht in einer Liga mit Gilera, Derbi und MBK spielen, aber sie bieten ihre Produkte ja auch zu anderen Preisen an.

Der Sizilianer hat sich bereits dem Vertrieb einer dieser Marken verschrieben und lobt die Kombination aus chinesischem Motor und europäischer Fertigung. Seine Premium-Produkt kommt jetzt von einem leidlich bekannten taiwanesischer Hersteller, der qualitativ als auf einer Ebene mit TGB und Peugeot gilt.

Er schwor übrigens, in seiner Kundschaft einen zu haben, der auf genau einer solchen Mosca 70.000 km zurück gelegt habe und zwar mit einem einzigen Motor. Ich immerhin erreichte mein Ziel.

Hier ein Film, der mich in seiner Werkstatt zeigt:

Der Advenstkalender im Flur

Ich betrete das Haus durch die Vordertür und prüfe mit einem Blick auf den Adventskalender Paulas Laune. Hatte sie das Türchen geöffnet und die Schokolade genommen, würde alles in relativer Ordnung sein.

Sie würde mir davon erzählen, dass jemand die Luft aus einem Autoreifen gelassen hatte, wahrscheinlich als ich den Wagen der Pizzeria gegenüber geparkt hatte. Ich würde einen meiner Kollegen im Verdacht haben, ihr davon aber nichts sagen. Sie würde dann nur auf den ohnehin augenfälligen Punkt hinweisen, dass mir solche Dinge passieren, nur mir und weil ich bin, wie ich bin.

Ich würde ihr statt dessen sagen, dass die Abschlussgebühr im Darlehensvertrag nicht fürs Darlehen, sondern für den Bausparvertrag sei, der Anspruch der Bausparkasse also berechtigt ist und die Bezahlung so unumgänglich wie unmöglich. Hatte sie das Türchen nicht geöffnet, enthielte das Gespräch mehr Vorwürfe und wäre lauter.

Etwa eine Stunde später werde ich wieder in den Corsa klettern, und mein Huawei-Mobiltelefon wird die neueste Episode von „Hello from the Magic Tavern“ spielen.

Vom Untergang des Abendlandes bei gratis Kakao und Keksen (und wlan)

Der Zustand unserer Gesellschaft ist ein beklagenswerter. Da gelten die Aphorismen der Stefanie Sargnagel als Literatur und die netteste Person, die mir in den letzten Wochen begegnete, war ein Anwalt. Dabei wären die Angehörigen dieses Berufsstandes doch in einer robusteren und weniger dekadenten Gesellschaft nichts anderes als Söldner und Gelegenheitsganoven. Ich hatte ihn besucht, um mich zum Rechtsstreit beraten zu lassen, den ich (also Paula) mit dem Zahnlückigen anfangen will.

Als eingetragenes Mitglied des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs habe ich auch die Verkehrsrechtschutzversicherung, die dieser Verein vertreibt, und kann mir so ein solches Unterfangen leisten. Muss er nun Geld heraus rücken, kommt der Zahnlückige gut weg; die Alternative wäre der Besuch zweier junger und physisch kapabler Pizzafahrer gewesen, die seinem Gesicht meine Meinung sagten.

Ich lernte dabei einiges über das Gewährleistungsrecht, das ich längst hätte wissen müssen, und en passant auch über meine Chancen, den Steuerberater nicht zu bezahlen, und die Berechtigung, mit der die Spar- und Raiffeisenkasse eine Kredit-Abschlussgebühr von mir zu verlangt.

Nicht alles davon gefiel mir, aber alles war nützlich. Genauso war es mir morgens schon beim Arzt ergangen. Wo ich Hodenkrebs befürchtet hatte, fand er nur eine Entzündung eines Nebenhodens, die er nicht einmal eines Antibiotikums würdig fand. Dafür gefiel ihm die Form einer meiner Nieren nicht. Die sei nicht nierenförmig genug, ja, da sei sogar eine Verdickung, die computertomographiert werden solle, vorzüglich in jenem Krankenhaus, wo er Belegarzt ist. Ich entschied mich für ein anderes mit kürzerer Wartezeit.

Die Zeit zwischen meinen Terminen verbrachte ich im nächstgelegenen skandinavischen Möbelhaus, wo Heizung, Kakao, Kekse und wlan gratis waren. Ich las, beobachtete der Menschen viele, begutachtete Geschirrtücher als zu dünn und whatsappte mit dem Poliziotto, Ambros und dem Kleinen Bruder. Irgendwann machte ich sogar im Wartebereich ein Nickerchen. Es war ein früher Probelauf für ein Leben als Rentner.

Man muss sich ja mal ganz langsam an diesen biografischen Abschnitt heran denken, so man so lange noch lebt. Und ohne Hodenkrebs ist das ja gar nicht mal ausgeschlossen.

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Menschen!

“I’m not sure if people have become less interesting, or if I’m just less interested in people.”

http://www.humansofnewyork.com/post/154135337676/im-not-sure-if-people-have-become-less

Oder um Matthäus Loska zu zitieren, der um ein weniges darüber hinaus geht:

Und wenn sie nicht gestorben sind, hast Du nicht richtig gezielt.

unfugbilder.tumblr.com

Gallaher und Ellis formulieren es etwas anders, aber ebenso prägnant:

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https://tapastic.com/series/Box-13

Goodbye, Tiva, Adieu, mein Freund

Fähiger zur Liebe des Fernsten als des Nächsten weinte ich mich durch das Staffel-Finale von NCIS. Eigentlich aber vor allem, weil das für Freund und mich immer das Schönste gewesen war, wenn wir Sonntag Abend zusammen auf der Couch gesessen und diese Serie gesehen hatten.

Jetzt liegt der silberne Kater neben mir, physisch den Platz mehr als einnehmend, den bis zum Februar mein bester Freund entschieden besetzt hatte. Aber dem muss ich erst einmal alle Charaktere und Zusammenhänge erklären. Freund hätte sie gewusst und mit mir Zivas Ableben und Tonys Kündigung bedauert.