Heaven is a flat in California

Die Vorstellung des einzigen Gottes im Christentum ist für mich abstrakt, undifferenziert und fern menschlicher Bedürfnisse. Er/sie/es ist irgendwo und irgendwie, genauso wie die Belohnungen, die winken, wenn man sich richtig verhält oder zufällig zu den Auserwählten gehört. Pragmatische Menschen wollen da mehr, wollen etwas konkreteres oder einfach den Tod bis zur Klärung der Frage weiter heraus schieben.

Entsprechend erfolgreich ist der Islam, in dessen Paradies Wasser, Milch, Honig und Bommerlunder fliessen, und entsprechend erfolgreich ist Santa Muerte, von der ihre Gläubigen schon auf dieser Seite des Todes Belohnungen erhoffen. Ihre Anhänger sind denn gerade unter den Marginalisierten der amerikanischen Gesellschaft zu finden, den Illegalen, Drogenhändlern und Habenichtsen.

Denen ist die Erlösung eben manchmal ferner als die nächste Mahlzeit, und die fragen vielleicht auch mal, was es denn mit dieser ominösen Erlösung auf sich hat. Der Mujaheddin mit dem Bombengürtel, der Dutzende Frauen und Kinder auf einem Markt tötet, der betende Drogenhändler, die beiden passen auch nicht gerade in unser Bild von Gut und Böse.

Meine eigene Vorstellung von der Ewigkeit ist eine Art perfekter Tag, den ich in einer Abstraktion von Kalifornien verbringe. Kein Regen, kein Schnee, kein Kalt, keine Paula, nur ich und Freund der Kater, die Zeit im Bett verbringen. Nachmittags fahre ich dann mal auf einer Vespa Sprint in den Supermarkt. Danach ziehen die Katze und ich auf die Couch um. Mehr habe ich nie gewollt. Warum sollte ich es nicht wenigstens nach meinem Tod bekommen?

Ich habe das verdient, nicht, weil ich Gutes getan hätte oder irgendein Gott mich in besonderer Weise liebt, sondern einfach, weil ich in dieser Welt und an dieser Welt gelitten habe. Wir alle haben das aus genau diesem Grund verdient. Und ob ich das von Mitra bekomme, Enki, Zeus, Aplu, Jahwe, Pallas Athene, Innana oder Epona, ist mir gerade relativ egal.

Als Jugendlicher fand ich einmal ein Poster zum Film „Heaven can wait“ mit Warren Beatty im Briefkasten. Wie ich dazu kam, wusste ich nicht. Nachdem ich den Film Jahre später gesehen habe, ist es mir noch unverständlicher. Denn auf der langen Liste von Dingen, die ich nicht will, steht eine Reinkarnation ziemlich weit oben, noch vor Sex mit Angela Merkel und Jeremy Clarkson. Von diesem Leben ist eines schon mehr als genug.

vespasprintgelb

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