Oktoberfest

Die letzte Fahrt eines Abends – warum ist es immer die letzte Fahrt, die so interessant ist? – führte mich zu einem Haus, dessen Besitzer gerade ihr eigenes Oktoberfest feierten. Ein junger Mann mit einem grauen Filzhütchen informierte mich an der Türe, wohin ich die Pizza stellen solle und dass die Mädchen heiss waren. Er bot mir auch ein Törtchen an und verstand darunter eine Backware, jedoch aber keinen Backfisch.

Sie zahlten a la romana, sodass ich die Gelegenheit hatte, die jungen Damen zu betrachten, um seine Ansicht mit der meinen zu vergleichen. Hier ein enges Top, dort kurze Lederhosen wie Jungen sie Ende der 60er Jahre tragen mussten, Spätfolge der Heimatfilme der 50er, dort Dirndl-Kleider mit weniger „Holz vor der Hüttn“ als es mir lieb gewesen wäre.

Es dauerte einen kleinen Augenblick, bis ich gewahr wurde, dass ich die eine von ihnen sogar kannte. Sie war kurz für die Pizzeria Il Cazzo gefahren, wo sie sich durch einen kampforientierten Fahrstil ebenso wie durch ein prägnantes Gesäss auszeichnete. Ich schätzte beides sehr, Herr Patel weniger. Geschminkt und im Dirndl brauchte ich einen Moment, um sie zu erkennen, und einen weiteren, um diesen angenehmen Anblick abzuspeichern.

Früher wäre ich schneller gewesen. Früher hätte es mehr weh getan. Ich werde alt. Das ist im Allgemeinen nichts für Weicheier, hat aber eben auch seine schönen Augenblicke.

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