Niemand sollte gezwungen sein, sich zu verstecken, aber jeder sollte die Freiheit haben, es zu tun.

http://www.msn.com/de-de/nachrichten/panorama/wie-sich-der-burkini-im-selbstversuch-anf%C3%BChlt/ar-AAicMVD?li=AAaxdRI&ocid=spartanntp

Große gelbe Zehennägel. Rot leuchtende Männerfette, auf dem letztes Kraushaar Wachstum übt. Hinternlappen wackeln synchron zum Badeschlappen-Schmatz. Das lauwarme Wasser fragt nicht, es umwogt alles. Unbetretbar scheint das Becken. Wie eine Ursuppe, in der man selbst zu einer Kaulquappe im großen Wimmeln des Lebens wird. Ich bin da, aber Gott sei dank bin ich auch weg.

Ich trage einen Ganzkörperbadeanzug und sehe aus wie ein Lycra-Spermium im Kleidchen. Die Sonne knallt auf den dunklen Stoff des Burkinis.

Mir ist warm, aber niemand sieht meinen Schweiß. Es ist verrückt, dass ich – ausgerechnet hier, am körperlichsten Ort der Öffentlichkeit – ein völlig unkörperliches Wesen bin.

Zum allerersten Mal in meinem Leben haftet dem Schwimmengehen nichts persönliches, nichts peinlich privates, einfach gar keine Intimität an. Ich muss mich für Euch nicht rasieren. Ich muss mein Bauch blähendes Mittagessen vor Euch nicht einatmen. Ich muss mich noch nicht einmal eincremen.

Mit beiden Händen drücke ich mich am Beckenrand hoch. Der Burkinistoff klebt nicht am Körper, auch nass bin ich noch immer versteckt. Niemand sollte je gezwungen sein, sich zu verstecken, aber jeder sollte die Freiheit haben, es zu tun. Das Leben muss wimmeln. Egal, wie eklig man es findet.

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