Die Reise durch den Mittelpunkt der Seifenblase

Ich bin heute ohne mein Mobiltelefon unterwegs. Das ist selten, denn mein Roller hat soviele Kilometer hinter sich, dass ich den ADAC auf Zielwahltaste habe. Aber es ist auch die Folge eines Augenblicks der Klarheit heute morgen auf der Couch, der mich wie alle seiner Art emotional überforderte. Dass dabei eine kleine Katze meine Nase verprügelte, machte es auch nicht leichter.

Für einen Moment zog ich in Erwägung, dass ihr an mir gelegen sei. Tatsächlich hatte sie aber ihre Schwester nicht gefunden und raufte nur deshalb mit dem, was in Form und Bewuchs am ähnlichsten war.

Schwer in Worte zu fassen waren die Bilder, die Begriffe, die da aus meinem Unterbewusstsein auftauchten, aus jener Gegend, die sich sonst nur als Magendrücken äussert, wenn das nicht nur die Folge des Genusses von Rohmilch ist. Ich erfuhr etwas darüber, wie wenig Kontrolle ich über mein Leben habe und dass ich dem, was jetzt vermutlich auf mich zukommt, weniger mit definierten Lösungen als mit einer bestimmten Einstellung begegnen sollte.

Zugleich erfuhr ich etwas über die kleine Welt, die sich Paula aufgebaut hat, einen Mikrokosmos aus Krankheiten und Katzen, in der es ausser mir als Breadwinner, Arbeitskraft und Objekt sowohl ihrer negativen Gefühle wie ihrer Fürsorge Menschen fast nur als Chat-Partner, Ärzte und die dicke, laute Nachbarin gibt. Es ist eine Seifenblase, in deren Mittelpunkt sie mit ihrem Mobiltelefon schwebt.

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