Menschenschmuggel ist nicht strafbar

alteland-1

http://www.forum-schiff.de/phpBB3/viewtopic.php?t=37&start=20

http://www.zeit.de/1986/35/tamilen-odyssee-auf-dem-atlantik

Aus der Bundesrepublik ließen sich 154 tamilische Asylbewerber auf dem Seeweg vor die kanadische Küste transportieren und dort aussetzen. Der Hintergrund der Schiffsreise hellt sich nur langsam auf.

Tagelang behaupteten die in Rettungsbooten vor der Küste Neufundlands geborgenen Tamilen, sie seien aus ihrer Heimat Sri Lanka erst nach Südindien und dann auf das Schiff geflohen, das sie in den Nordatlantik gebracht hatte. Als Flüchtlinge erhofften sie Asyl in Kanada.

Deutsches Geld, sowie Kleidungsstücke und Zeitungen aus der Bundesrepublik im spärlichen Gepäck der Flüchtlinge deuteten von Anfang an darauf hin, daß die Tamilen auf dem Umweg über Deutschland Kanada erreicht hatten. Sie bestritten das tagelang. Erst als festzustehen schien, daß das liberale Einwanderungsland Kanada die Gruppe keinesfalls ausweisen würde, gaben ihre Sprecher zu, daß die Bundesrepublik die vorletzte Etappe ihrer Reise gewesen war. Die Tamilen hatten befürchtet, dieses Eingeständnis würde die kanadischen Behörden dazu bewegen, sie auszuweisen – in die Bundesrepublik oder gar nach Sri Lanka.
Die Reise der Tamilen wurde für die Bundesrepublik zum Kriminalfall. Die Polizei ermittelte, daß die Asylbewerber an Bord eines Küstenmotorschiffs vom Hafen Brake an der Unterweser aus in See gestochen waren; gegen den Kapitän des Schiffes wurde ermittelt, ohne daß ganz klar war, welcher strafrechtlicher Delikte er sich schuldig gemacht hatte. Die Hamburger Polizei nahm zwei Tamilen und einen Türken fest, die offenbar die merkwürdige Überfahrt organisiert hatten. Nach drei Tagen wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt; niemand bestritt ja, daß die 154 Tamilen freiwillig die Reise nach Kanada angetreten hatten.
Asylanten aus Deutschland hinaus zu befördern, ist tatsächlich nicht strafbar und war es auch 1986 nicht, als Kapitän Bindel seine „Aurigae“ (ex „Alteland“) nach Kanada steuerte. Ungeachtet dessen ermittelten die deutschen Behörden natürlich, bis ein Straftatbestand auftauchte. Bindel nämlich hatte nur ein Patent als Kapitän auf Kleiner Fahrt, hätte aber für eine Atlantis-Überquerung eines für die Grosse Fahrt benötigt. Nach meiner Erinnerung wurde ihm dann das Patent ganz entzogen, und er bekam noch eine Geldstrafe.
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