Je ausladender das Becken, desto kürzer der Rock

Mein vegetatives Nervensystem erholt sich nur schleppend von einer Überforderung, der ich am Samstag ausgesetzt war. Miguel hatte auf einem Volksfest eine Aussenstelle der Pizzeria San Grigorio in einem Zelt errichtet und liess sich dann den Nachschub an Teig, Bratensauce und Pizza-Tomaten liefern.

Ich umfuhr also die obligatorischen Horden betrunkener Jugendlicher und ihre wahllos auf dem Boden abgestellten Flaschen, parkte den Corsa vor dem Penny-Markt, drückte mir die Daumen, dass niemand merkte, dass die Verriegelung nicht funktioniert, trug, was immer denn zu liefern war, um den Supermarkt herum zum Festplatz, kämpfte mich durch die Masse betrunkener Menschen, lieferte und kehrte zum Auto zurück, still hoffend, dass niemand die Türen geöffnet hatte, um sich zu erleichtern oder/und darin seinen Rausch auszuschlafen.

Schwierig war für mich die ungewohnte Konfrontation mit sovielen Menschen und die Kombination aus ihnen, lauter Musik, der von den blitzenden Lichtern der Fahrgeschäfte erhellte Dunkelheit und dem Miasma aus Alkohol-Geruch und Pheromonen. Ganz klar tranken sich da etliche an einen Zustand heran, der es ihnen erlauben würde, Sex mit anderen Menschen zu haben. Vielleicht war ja das eigentliche Problem, das ich hatte, ein Kompatibilitätsproblem. Denn die Pheromone erreichten mich ja durchaus, mir fehlt dann aber die Möglichkeit, das in Anziehung zu anderen umzusetzen.

Dafür konnte ich mir für einen Augenblick meine antediluvianischen Vorfahren vorstellen, deren den Herden wilder Tiere folgende Grossfamilien sich wahrscheinlich auch schon im Frühling an bestimmten Stellen trafen, um am Lagerfeuer zu singen und sich mit Hirsebier und Kräuterschnaps in die richtige Stimmung zu bringen, in jene vermutlich, in der es nicht mehr recht wichtig ist, mit wem man in die Büsche verschwindet.

Wahrscheinlich war ihnen das Fest einer breithüftigen Fruchtbarkeitsgöttin der Anlass wie ihren Nachfahren die Kirchweih, und vielleicht hatte ihre Versessenheit auf die Entwicklung von Kalendern weniger mit der Aussaat von Feldfrüchten als der neuer Menschen zu tun. Das erklärt dann wohl auch, warum die Mini-Röcke auf dem Volksfest umso kürzer waren, je breiter Gesäss und Schenkel waren.

Es relativiert die Imposanz von Stonehenge ganz erheblich, stellt man sich vor, dass es bei der Errichtung dieser Meisterleistung der Megalith-Kultur vielleicht nur um die Berechnung des richtigen Termins fürs Schnackseln ging.

400px-Stonehenge,_Salisbury_retouched

https://de.wikipedia.org/wiki/Stonehenge#Stonehenge_1

https://de.wikipedia.org/wiki/Himmelsscheibe_von_Nebra

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