Der Führerschein als Ausweis der Mittelklasse

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Mein Verhältnis mit dem Finanzamt ist deutliche besser geworden – ungefähr 1.500 Ecu besser. Damit bleibt aus der Auflösung der Lebensversicherung noch genug Geld übrig, um den Boiler im Bad auszutauschen, bevor er dem Kalk gänzlich erliegt.

Ein nicht unwesentlicher Teil meines Blogs hat seit einiger Zeit mit den ökonomischen Problemen zu tun, denen Paula und ich begegnen. Unabhängig von den Ursachen dieser Probleme definieren sie uns aber nicht. Nicht als Persönlichkeiten, nicht in unserer Zugehörigkeit zur Mittelschicht.

Was aber unterscheidet mich von dem Bürger, der seinen roten Peugeot Flash vor der Werkststatt neben meinem schwarzen parkte? Er war ein kurz geratener Vertreter der Unterschicht, von der wir uns so gerne abgrenzen wollen.

Gängige Untersuchungen definieren die sozialen Schichten rein über das Einkommen (http://www.n-tv.de/politik/Mittelschicht-schrumpft-in-Deutschland-article17635751.html). Das greift natürlich in einer Gesellschaft zu kurz, in der klassische Kriterien wie Qualifikationen, Fleiss und Sparsamkeit nur einen beschränkten Einfluss auf das Einkommen haben.

In vielen Gesprächen mit Kunden, Pizzabäckern, Rollerfahrern, Tankstellen-Kassierern, Kollegen und anderen habe ich vorläufig drei weiche Kriterien definiert, die als Indikatoren für die Zugehörigkeit zur Mittelklasse dienen können und zur Abgrenzung von der Unterschicht. Es sind dies Kenntnisse in der Sprache Englisch, dem Betriebssystem Windows und ein Führerschein der Klasse B.

Kann ich mich nur in Deutsch ausdrücken oder tue mich sogar damit schwer, habe ich keinen Zugang zur globalen Leitkultur. Kenne ich nur Android als Betriebssystem, kann ich keine Tätigkeit in Verkauf oder Verwaltung ausüben. Habe ich nur eine Mofa-Prüfbescheinigung, drückt sich darin nicht nur mein Mangel als Einkommen aus, sondern auch der meiner Eltern.

Diese Kriterien sind aber immer zeitabhängig zu betrachten. In den glücklichen Tagen meiner Kindheit galt es noch quasi als Einstieg in den sozialen Abstieg, arbeitete in einem Haushalt nicht nur der Ehemann, sondern auch die Frau. Vollends angekommen in diesem sozialen Umfeld war dann eine alleinerziehende Mutter.

Ich werde meine Untersuchungen als soziologischer Laie fortsetzen und ihre Ergebnisse hier veröffentlichen.

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