Und das Bett, das wir teilten, war 1,40 m breit

Ich wandere verbissen an den Rändern eines Nervenzusammenbruchs entlang. Das tue ich schon einige Zeit. Der Tod von Freund dem Kater macht das nicht einfacher. Immerhin war die Beziehung zu ihm die beste, die ich in diesem Leben hatte.

Sie begann damit, dass wir in einem anderen Jahrhundert fünf Babykatzen vom Tierheim in Pflege nahmen. Drei von ihnen konnten wir vermitteln, eine wollte Paula behalten, einen kleinen Kater wollte einfach niemand haben. Dem einzigen Kandidaten, einer Nachbarin, rückte er allerdings durch das schräg gestellte Wohnzimmerfenster auch wieder aus.

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Er war aufdringlich, verfressen und so dominant, dass seine Schwester sich immer wieder zu irgendeinem anderen Nachbarn abseilte. Paula, die einen Hang zum Anthropomorphismus hat, sah hier Ähnlichkeiten zwischen ihm und mir, gemeinsame ethische Defizite eben.

Unterstützt von Nicotina, ihrer damaligen Busenfreundin, sprach sie gerne bei Tisch über diese Defizite, wobei sie sich vor allem auf meine konzentrierte. Dieses Thema behandelte sie damals mindestens so gerne wie heute und ausgesprochen ausführlich. Doch gerade in dem Moment, als ich mich ganz verloren fühlte, schob sich ein kleiner pelziger Kopf in meine Hand.

Gerne bin ich bereit, das mit einem nur für Katzen spürbaren Geruch nach mariniertem Schweinefleisch zu begründen, jedoch war es in dieser Situation meine Rettung. So teilte ich mein mariniertes Schweinefleisch mit ihm, und er folgte mir, wohin ich ging.

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Er trottelte mir also auch nach, wenn ich mit dem Poliziotto seinen Hund ausführte, blieb vor dem Überqueren der Bundesstrasse jedoch beim letzten Haus zurück, um sich uns auf dem Rückweg anzuschliessen.

Verpasste er uns, musste ich ihn etwas später dort wieder abholen. Er war es, der im Bett neben mir schlief und wegen dem ich ein Bett in 1,40 m Breite erwarb, der neben mir auf der Couch am Sonntagabend NCIS sah und in der Thuja-Hecke darauf wartete, dass ich abends nach Hause kam, um mich zu begrüssen.

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Als Folge einer Aids-Erkrankung lebte er in den letzten Jahren nur von Kortison-Spritze zu Kortison-Spritze. Er frass immer weniger und wurde mager und knochig, dafür aber verträglicher für seine feliden Mitbewohner.

Er zog sich in dieser Zeit immer mehr auf ein Sofa im Wohnzimmer zurück, bis Paula am Ende beschloss, ihn einschläfern zu lassen. Er erlag dann schon der vorbereitenden Narkose-Spritze. Ich unterhalte mich immer noch mit ihm und habe sein Bild immer noch auf dem Schreibtisch stehen.

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