Auch wer einem anderen Gutes tut, tut das gerne einmal, um sich selbst etwas gutes zu tun

In meiner Vorstellung fuhr ich jahrelang mit dem Roller zur Arbeit, weil Paulas und mein kompiliertes Einkommen nicht für acht Katzen und zwei Autos hinreichte. Wir konnten uns nur ein Auto leisten, das a) immer von Ford war und b) ich nur in Ausnahmefällen fuhr.

Und ich hatte immer wieder Nebenjobs, um zusätzliches Geld zu verdienen, und blieb der Illinois Electro Door verbunden, weil sie mir ein geregeltes Einkommen verschaffte, finanzielle Sicherheit auf bescheidenem Niveau. Schliesslich hatte Paula doch in der gleichen Zeit drei Krankenscheine, die länger als eineinhalb Jahre dauerten, und einige kürzere mehr.

All das (und viel, viel mehr) hat sie mir dann als mangelnden Ehrgeiz, Entwicklungshemmung, charakterliches Defizit und ähnliches vorgeworfen. Sie hatte mir auch einiges vorgeworfen, was sogar von meinem Standpunkt aus stimmte. Doch ob sie mir nun vorwarf, was objektiv richtig war oder was nur für sie in diesem Moment richtig war, alles das warf sie letzten Endes mir doch nur vor, um neben mir gut auszusehen.

Ich hingegen inszenierte mein Handeln, um mich über die Situation zu beschweren. Überhaupt war mich zu beschweren eine der Sachen, die ich am Besten konnte. Wahrscheinlich war es sogar die Sache, die ich überhaupt am Besten konnte. Seit ich mich aber der Neigung verweigere, stets nur das Negative zu sehen, fehlt es mir an der rechten Neigung, mich dauerhaft zu beschweren, ohne etwas zu ändern.

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