Die Welt ist in Ordnung

Ich hatte mir fest vorgenommen, alle zu hassen, mit denen ich gestern essen war. Immerhin gelang mir das bei Paula recht gut, weil sie mich dabei ja auch unterstützte, indem sie gelegentlich abfällige Kommentare über mich äusserte. Auch bei der Tochter ihrer neuen Busenfreundin gab es da wenig Schwierigkeiten, entsprach sie doch mit ihren beiden geringfügigen Beschäftigungen, dem grossen, hässlichen Tattoo auf dem Arm, den Zigaretten und den elaboriert dekorierten Fingernägeln recht weit dem Klischee der sozial-schwachen Kleinverdienerin.

Anders sah es da schon mit der Busenfreundin und ihren Enkeln aus. Der Junge war 13 und gestraft wie begabt mit jener so typischen wie sympathischen Kombination aus aufgewecktem Sinn und schlechten Schulnoten. Seine Schwester war 15 und selbstbewusst, ihr Umgang mit ihrer Freundin possierlich. Es schien mir, als hätten sie in ihrer Rosenberg-Maclay-Ausgabe des Kamasutra bisher nur das Vorsatzblatt gelesen, aber zumindest sie wirkte, als wollte sie bald einige der Seiten mit Eselsohren verzieren.

Für einen Moment hätte ich gerne Kinder wie diese gehabt. Später wurde mir allerdings klar, dass sie beide verwöhnte Bälger sind. Von da an konnte ich endlich wieder meinem Vorsatz folgen und auch sie hassen. Da war die Welt dann wieder in Ordnung.

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2 Kommentare zu „Die Welt ist in Ordnung

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