Vergesst den Guide Michelin!

Ich bin leicht, ganz leicht depressiv. Das ist die natürliche Folge des Abschiedsessens für die Grosse Vorsitzende, bei der die von ihrer geplanten Reise auf einem Frachter in ein südliches Land sprach, Strasssteinchen von dem Haus, das sie kaufen wollte, und Feronia und Dionysos von Orten wie Madrid, London, Chicago und Houston, an denen ich noch nie war und zu denen ich auch nie kommen werde.

Ich hingegen fahre triefnass mit einem Roller durch die Gegend, dessen Kilometerstand astronomisch ist, und kämpfe mit dem örtlichen Kanalreiniger um eine Bescheinigung für meine Versicherung. Denn nach einem Anfall von Magen-Darm-Grippe in der vergangenen Woche liess die Gemeinde das Abflussrohr zwischen Grundstück und Sammler austauschen. Ich betone an dieser Stelle den Mangel an inhaltlichem Zusammenhang.

Mir erklärte das ein ungebührliches Mass an Flüssigkeit von ungebührlichem Geruch im Keller. Da das den Austausch verschiedener Teile erforderte, erinnerte ich meine Gebäudeversicherung an meine Kundschaft, ein heikles Thema, war es doch schon der dritte Schaden in diesem Jahr.

Sie reagierten allerdings mit einer geradezu verdächtigen Tiefenentspanntheit. Entweder knabbern die Kollegen in der Kundenbetreuung dort zwischen den Calls an sehr speziellen Brownies, oder das dicke Ende kommt noch. Wir sprachen übrigens im Idiom der Südstaaten, ihnen Muttersprache, mir ungefähr Viertsprache dank eines Kurses an einer örtlichen Volkshochschule, deren Angebot sich an Russen, Preissn, Palästinenser, Türken und andere Neigschmegte richtete.

Aus dieser Schar nimmt die Grosse Vorsitzende zwei Jungen in ihrem Haushalt auf, halbwüchsige Syrer, denen ein Kulturschock bevorsteht. Sie werden die nächsten Jahre auf einem Bauernhof im Hohen Land mit zwei Pflegemüttern verbringen, die sich zugetan sind.

Ist es Zeit, mich zu verabschieden, vergesst das Volcano. Kein Restaurant passt zu mir, das im Guide Michelin steht. Erinnert Euch, wer ich bin, denkt daran, warum ihr kommt, sorgt folgerichtig dafür, dass wir alle satt werden. Nehmt nehmt also einen Gourmand-Tempel, wo man für wenig Geld reichlich Kohlenhydrate bekommt, irgendeine Nudel-Ranch, eine Pasta-Palace-Filiale, einen Edel-Kebab, einen All-you-can-eat-Chinesen.

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