Von Pflicht und Vergnügen

Sollten wir wirklich dem Stolz jedes Abiturienten mit der gelangweilt gestellten Frage: “Na, was willst Du jetzt  anfangen?” begegnen? Ja, wir sollten, wir müssen es sogar. Denn so gering die Wirkung auf ihn sein mag, ist sie doch unser bescheidener Beitrag zu seiner Vorbereitung auf die Härten des Lebens, die ihn nun erwarten.

Da ist zum ersten die Wirkung, die eine Stadt wie Gera, Saarbrücken, Tübingen oder Marburg auf ihn haben wird. Allein die schiere Grösse dieser Metropolen, die gewaltige Zahl ihrer Bewohner, die die seiner Heimatstadt um ein vielfaches überschreitet, die Breite ihrer Strassen und die Höhe ihrer Häuser wird ihn oder sie ins Mark erschüttern.

Nicht anders geht es ihm dann in Kurs und Seminar, wo leicht Dutzende neben ihm sitzen, die nicht weniger intelligent, fleissig und engagiert sind als er. Glaubte er eben noch, das Matterhorn mit blossen Händen bestiegen zu haben, findet er sich nun auf der Spitze eines Maulwurfshügels, der von einem Berg überragt wird.

Sein brillanter Plan, nach dem Studium in sein Heimatstädtchen zurück zu kehren, um dort in die Geschäftsführung der örtlichen Spar- und Darlehenskasse einzutreten, Lehrer, Arzt, Apotheker oder was auch immer zu werden, löst sich in Luft auf, weil ihm klar wird, dass es diese Stellen gar nicht oder zumindest nicht in der ausreichenden Menge gibt oder sie nur eine von vielen Stationen in einem langen Arbeitsleben sind. Das wiederholt sich mit jedem neuen Semester, jedem neuen Schwung von Studienanfängern so pünktlich wie Weihnachten, Novruz oder der Beginn des Ramadan.

Gerade an dieser Stelle befand sich denn Samstags Blondie, das hauseigene Genie der Pizzeria “Il Cazzo”. Wie die meisten ihrer Kollegen in der nämlichen Situation und Gegend hat sie sich jetzt bei der lokalen Gendarmerie beworben, einer Institution, die Stellen auf Lebenszeit offeriert. Das ist durchaus als Hinweis auf das zu erwartende Rentenalter gemeint. Der Stellen sind denn auch nur sehr wenige, da der Mangel an Geld in der Landeskasse und der geringe Abfluss von Beamten in den Ruhestand die Zahl der Neuanstellungen deutlich limitiert.

Als hilfsbereiter Mensch wies ich umgehend auf die Möglichkeit hin, in die Bundespolizei einzutreten, deren finanzielle Mittel und Planstellenzahl wohl in absehbarer Zeit aufgestockt werden. Unklar, ob ich nun ihr oder der Bundespolizei helfen wollte, sprach ich von Sicherheit für Deutschland und dem Schutz von Bahnhöfen und Flughäfen und umging dabei verhältnismässig elegant Themen wie die Ausbildung weit ausser Sicht des heimatlichen Kirchturms, Schlägereien mit Hooligans und Radikalen, Leibesvisitationen bei Flüchtlingen, die seit Wochen nicht geduscht haben, die Ausbildung von Polizisten an lauschigen Plätzchen wie Masar-i-Sharif und die Bewachung der Botschaft in Pjöngjang.

Als ich sie verliess, um mit Pizza und Pasta in die Nacht zu reisen, arbeitete ihr beachtlicher Verstand mächtig. Wie trefflich ist es doch, dass selbst der beste Verstand an Jugend und Mangel an Erfahrung krankt. Wie grausam ist es, dass mir die Neigung fehlt, das und meine Überredungsgabe zu nutzen, um festzustellen, welche Farbe ihre Unterwäsche hat.

Die Bundespolizei ist eine der am meisten unterschätzten Organisationen in Deutschland. Gleichzeitig leistet sie im Vergleich zu den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln Erstaunliches. Die gesellschaftliche Relevanz ihrer Tätigkeit wird in den nächsten Jahren als Folge der sogenannten “Flüchtlingskrise”, der Veränderungen in Europa und des islamistischen Terrors auch weiter zunehmen.

http://www.bundespolizei.de/Web/DE/_Home/home_node.html

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