The Girl Who Kicked The Hornet’s Nest

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Paula ist widmet sich einem ihrer Kreuzzüge, bei dem es vordergründig darum geht, die Katzen Nr. 2 und 4 zu vermitteln. Als Bonus hofft sie, die neue Besitzerin als Freundin zu gewinnen.

Das spricht für einen überraschenden Realitätssinn, kann sie so doch sowohl den Verdacht vermeiden, eine Horterin felider Mitbewohner zu sein, und als auch, dass ich das Thema anspreche, das ich Pizza ausliefere, nur um das Katzenfutter bezahlen zu können. Zugleich verdoppelt es sozusagen die Zahl der Menschen, mit oder zu denen sie reden kann.

Während die Damen im Wohnzimmer der potentiellen neuen Besitzerin in St. Willibrord ihre Krankheiten miteinander verglichen, richtete ich im Kopf die kleine Wohnung mit meinen eigenen Möbeln ein, eine Fingerübung in einer Kunst, mit der ich einst meinen Lebensunterhalt bestritt. Doch schnell kam ich zu einer Stelle, wo mir ein Missverhältnis zwischen Möbeln und dem darin unterzubringendem Inhalt auffiel.

Meine Habe füllte weder die vorhandene Einbauküche, Eiche P43, noch die zwei zerlegt bei mir gelagerten Rollladenschränke Effektif, 2 Ordnerhöhen, Eiche Goldbraun, und schon gar nicht die ebenfalls vorhandene Schlafzimmer-Kommode Oleby, Birke/weiss. Einzig der Kleiderschrank Oleby in nämlicher Farbgebung und das Bücherregal Effektif für das Bügelzimmer waren in meinem Kopf leidlich gefüllt, das Regal mehr als der Schrank.

Viele Dinge, die ich in der Vergangenheit glaubte, unbedingt besitzen zu müssen, habe ich hinter mir gelassen, andere Dinge sammle ich statt in Kartons und Schränken in der Cloud oder gar nicht mehr.

Das Musikzimmer mit der Schallplattensammlung hat sich aus dem Westflügel ins Mobiltelefon bewegt, Zeitungen und Bücher aus dem Wohnzimmer ins Tablett, der Radiowecker erlag einem Flüssigkeitseintritt und wurde nicht mehr ersetzt. Das letzte Buch, das ich gekauft habe, war ein gebrauchtes Exemplar von “The Girl Who Kicked The Hornet’s Nest” vor ungefähr drei Jahren.

An dieser Stelle wurde mir dann klar, dass ich auch allen Organisationen entwachsen oder entlaufen war, denen ich im Laufe der Zeit angehört hatte. Aus der Partei war ich schon vor so vielen Jahren ausgetreten, dass ich die Berechtigung zum Gebrauch des Plusquamperfekts habe.

Der Deutschen Episkopalkirche bin ich soweit entfremdet, dass mir der Gedanke logisch erscheint, sie mit den Altkatholiken und Methodisten zu verschmelzen, unterscheiden sich die theologischen Positionen der drei Kirchen für mich als inzwischen Aussenstehenden doch weniger als die Positionen, die mein Nachbar, der Küster, und Papst Franziskus in der Kirche von Rom einnehmen. Die neue Kirche hätten dann ein funktionierendes “Filial-Netz” und knapp über 100.000 Mitglieder.

Vielleicht sollte ich mir auch einen Freund anschaffen, sozusagen als Zweit-Person in meinem Leben. Meine Erfahrung jedoch rät davon ab. Wo Paula einen zweiten Menschen sucht, mit dem sie reden kann, fände ich wahrscheinlich nur einen zweiten Menschen, der mich anschreit und beleidigt.

Immerhin, die schwiegermütterliche Deckenleuchte fände leicht einen Platz und auch das Aquarell von Lisl Leyh.

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