Nena, Nina und ich sind immer noch da

Frau Kerner, eine national wie international bekannte Sangeskünstlerin, spricht in diesem Titel ein Problem unserer Zeit an. Denn viele, viele Menschen fühlen sich mit über 50 immer noch nicht alt, verweigern sich dem Rollator, dem Versuch, eine Frührente zu erstreiten, dem Senioren-Café, dem Senioren-Teller, dem “Fernsehgarten” auf “dem ZDF”.

Solche Menschen vermitteln den anderen ihrer Altersgruppe ein Gefühl der Entfremdung, das Gefühl, sich immer dafür verteidigen zu müssen, dass sie feste Meinungen und einen weichen Stuhl haben, sich dafür aber das Handy mit dem Wlan-Netz in der Uniklinik ihres Vertrauens automatisch verbindet.

Nena löst den Konflikt dann auf, indem sie sich auf Individualität, ihre Ausnahmerolle als Künstlerin, als “Verrückte” beruft. Dabei bedient sie sich interessanterweise musikalisch der Stilmittel ihrer Jugend und interpretiert das Thema als klassisch-rotzfrechen Punk-Song in der Tradition der Ramones und der legendären Nina Hagen.

Wie aber begründe ich, dem “Unbehagen” die einzige Musik-Cassette war, die ich je hatte, mein ewig-kindliches Staunen über eine Welt, die mich intellektuell überfordert, meine Bereitschaft, mich über sie zu wundern, selbst aus dem Handel mit Garagentorantrieben und der Auslieferung von Pizza etwas zu quetschen, das jenen kleinen Funken am Glimmen hält, den ich Leben nenne, weil ich kein anderes Wort dafür habe?

Oder wie es JP in der beliebten Youtube-Serie “Carmilla” so treffend zusammenfasst: “Life is awful and incomprehensible.”

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