Von sieben Leben das letzte

Freund, der Kater, steht nicht mehr auf. Erschien er in der Vergangenheit pünktlich morgens um 7 und abends um 9, um sich seine Scheibe Wurst zu holen und mir Gesellschaft zu leisten, döst er jetzt nur noch träge auf Paulas Bett seinem Lebensende entgegen. Er war dumm und nie nett, ein Schläger, der schwächeren Katzen zusetzte, aber zwei Dinge lagen ihm am Herzen. Das eine war sein Futter, das andere war ich.

Er lag neben mir auf dem Rasen, wenn ich die Einfahrt kehrte, und neben mir im Bett, wenn ich schlief. Er lief mir nach, wenn ich mit dem Poliziotto spazieren ging, und legte seinen Kopf auf meine Hand, wenn Paula und Nicotina mir über Pommes und Kotlelett meine Unfähigkeit wie mein vollständiges Versagen im Leben erklärten. In diesen Augenblicken waren es nur er und ich gegen eine Welt, die uns nicht schätzte.

Wir bestritten nicht die Berechtigung, wir bestritten nur unsere Möglichkeit, ein anderer Mensch und eine andere Katze zu sein und damit die Möglichkeit, anders zu sein als wir es waren. Das heisst, ich bestritt sie, er tastete mit geschickter Pfote vom Stuhl aus nach mariniertem Schweinefleisch und Bratwurst-Stücken auf dem Tisch, die er dann erfolglos gegen den Hund verteidigte, den Nicotina in ihre Beziehung mit dem Poliziotto ein- und zum Essen mitgebracht hatte.

Sein Ableben wird ihm einen Platz neben dem Komposter im Garten und mir eine neue Depression einbringen.

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