Das Schiff als Phallus-Bild

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“Sie stand am Geländer, dicht unter dem dunklen Leib. Sie wartete nur darauf, dass das Hünenwesen in Bewegung komjmen sollte. Ganz grad über ihr, hoch droben schauten fünf … sechs Männer unbewegt und kühn über die Reeling des Schiffes herunter. Dann schrien alle Menschen: “Hoch!” Die Flasche, an langen, dreifarbigen Bändern schwebend, zerschellte an der Brust des Hünentäuflings, und nun fing es an. Ein tiefes Heulen und Knirschen erscholl.

Es war, als ob die Erde aufweinte. Aber die Töne kamen aus dem Holz, auf dem das Schiff lag. Die Flugzeuge überschossen es. Atemlos … atemlos … Ja, es wanderte ab, das schwarze, riesenhafte Ungetüm wanderte ab, sachte, sachte, vorsichtig gar … die hölzerne Bahn über die es glitt … jetzt fing es an zu rasen … diese hölzerne Bahn wurde zu einem weißen Mehl gemahlen, das sobald das Holz von dem furchtbaren Druck der Reibung frei war, Feuer fing.

Und als das dunkle torsoähnliche Unwesen so über dem Schreienden und in hundert Melodien aufbrüllenden Knirschen und Krachen des Holzschlittens dem Wasser zujagte und fünftausend … sechstausend Menschenkehlen mit ihm ins Rasen kamen, da lehnte sich Gabriella vor.

Gierig die Brust, krallend die Augen, berauscht das Blut von einem sie übermenschlich hinnehmenden Begehren, unter der Wucht dieses hinsausenden, eisernen Klotzes mit zerrieben zu werden, spurlos zu verschwinden, wie das Holzmehl zermahlen zu werden und aufzubrennen, mit allen unglückseligen Wünschen und allen irr gegangenen Erfüllungen.”

Norbert Jacques, Der Gefangene der Felseninsel, 1926

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